Börse am Mittag Dax klettert weiter
Frankfurt am Main - Cisco sei Dank: Der weltgrößte Hersteller von Ausrüstungen für das Internet hat seinen Quartalsgewinn vor Sonderposten gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifacht und dafür gesorgt, dass Anleger inzwischen wieder Engagements in der geprügelten Hightechbranche wagen.
Am deutlichsten profitieren naturgemäß diejenigen Technologiewerte, die in den vergangenen Tagen am stärksten nachgegeben hatten: Die T-Aktie legte bis zum Mittag um rund fünf Prozent auf 13,43 Euro zu, während SAP und Epcos um mehr als drei Prozent kletterten. Auch Siemens und der Chiphersteller Infineon , die bereits gestern leicht zugelegt hatten, setzten ihre Erholung fort.
Der Dax baute bis 11.15 Uhr sein Plus auf 1,7 Prozent auf 4955 Zähler aus. Auch der Finanzdienstleister MLP zählte neben den Hightechtiteln zu den größten Gewinnern. Im Index standen 26 Kursgewinnern nur vier Verlierer gegenüber.
Lufthansa: Gedränge in der Luft
Die Papiere der Lufthansa hatten unter den Nachrichten der Konkurrenz zu leiden: So soll die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Deutsche BA an die britische Gesellschaft easyJet verkauft werden. Die Muttergesellschaft British Airways habe easyJet ein Kaufangebot unterbreitet. Damit könnte sich der Preiskampf auf europäischen Strecken verschärfen.
Anleger von Commerzbank-Zahlen enttäuscht
Ebenfalls schwächer tendierte die Aktie der Commerzbank mit einem Verlust von 0,6 Prozent. Die Commerzbank ist nach den Verlusten im letzten Quartal 2001 wieder mit leichten Gewinnen in das Jahr 2002 gestartet. Im 1. Quartal betrug das Ergebnis vor Steuern nach Mitteilung der Bank vom Mittwoch 153 Millionen Euro, die ausschließlich aus dem operativen Geschäft gekommen seien. Händler und Analysten äußerten sich allerdings enttäuscht über den Nettogewinn und den Zinsüberschuss, die niedriger als erwartet ausgefallen waren.
Die anderen Bankentitel wie Deutsche-Bank und HypoVereinsbank drehten am Vormittag in die Gewinnzone. Gerüchte, dass die Ratingagentur Moody's demnächst möglicherweise ihre Einstufungen für einige US-Banken herunternehmen könnte, lasten weiterhin auf der Branche.
Stimmung bei Telekoms bleibt trübe
Eine Abstufung ihrer Kreditwürdigkeit haben die europäischen Telekomwerte bereits hinter sich. Die Aktie der Deutschen Telekom dümpelt trotz der deutlichen Kursgewinne am Mittwoch weiterhin unter 14 Euro. Ob France Telecom in Paris, die Mobilfunkaktie Vodafone in London oder Telecom Italia in Mailand: Sämtliche Telefongesellschaften sind in den vergangenen Tagen erheblich unter Abgabedruck geraten.
Der Softwarehersteller SAP konnte bis Mittwoch Mittag seine Vortagesverluste zwar fast wieder ausgleichen, hat aber auf Monatssicht immer noch deutlich nachgegeben. Als "Schuss vor den Bug" bezeichnete ein Software-Analyst den Angriff von Microsoft , der gestern bekannt gab, den dänischen SAP-Konkurrenten Navision zu übernehmen.
MDax: Karstadt klettert, Altana zögert
Der Bad Homburger Pharmakonzern Altana hat das Auftaktquartal des laufenden Geschäftsjahres mit zweistelligen Zuwachsraten beim Umsatz und Ergebnis abgeschlossen und die Wachstumsziele für 2002 bekräftigt. Im ersten Quartal erreichte das Unternehmen beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ein Plus von 22 Prozent auf 158 Millionen Euro. Die bereits hoch bewertete Aktie gab dennoch leicht nach. Händler begründeten den Kursabschlag mit Gewinnmitnahmen. "Und vielleicht haben einzelne Investoren bei der Prognose eine Anhebung erwartet", sagte ein Analyst.
Die ebenfalls im MDAX notierten Aktien von KarstadtQuelle reagierten mit Aufschlägen von knapp vier Prozent auf die Gesamtjahresbilanz. Der Jahresüberschuss sei um 67 Millionen Euro auf 239 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Entsprechend werde der Hauptversammlung vorgeschlagen, die Dividende um vier Cent auf 71 Cent je Aktie zu erhöhen. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres habe die Kaufzurückhaltung Spuren hinterlassen: Der Umsatz ging gegenüber dem 1. Quartal 2001 um 4,9 Prozent zurück.
Die Deutsche Börse hat im ersten Quartal 2002 weniger Gewinn gemacht, dabei aber trotzdem die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging im Jahresvergleich um 3,1 Prozent auf 87,4 Millionen Euro zurück, wie der Betreiber des Frankfurter Handelsplatzes am Dienstagabend nach Börsenschluss mitteilte. Allerdings seien in dem Ergebnis des ersten Quartals 2001 außergewöhnliche Erträge in Höhe von 4,4 Millionen Euro verbucht worden, hieß es.
Technische Erholung am Neuen Markt
Der Nemax 50 kletterte auf Grund einer technischen Gegenreaktion bis 11.15 Uhr um 4,4 Prozent auf 821 Zähler. Händler machten die Zahlen von Cisco und die leicht verbesserte Stimmung verantwortlich. Davon profitierte auch das Biotechnologie-Unternehmen MediGene , obwohl es eher schwache Zahlen präsentierte: Medigene hat im ersten Quartal dieses Jahres seinen Verlust je Aktie im Jahresvergleich mehr als verdoppelt. Der Fehlbetrag für das erste Quartal sank dagegen auf 8,66 Millionen Euro.
Der Hersteller von DVD- und CD-Produktionsanlagen Singulus hat im ersten Quartal wegen einer starken Nachfrage Umsatz und Gewinn leicht gesteigert und seine Wachstumsprognose bestätigt. Der Umsatz sei von 51,4 Millionen Euro auf 53,5 Millionen Euro angewachsen. Die Aktie legte um rund sechs Prozent zu.
Für die noch am Neuen Markt notierte Kinowelt dürfte bald der letzte Vorhang fallen. Das Insolvenzverfahren in München ist eröffnet, und der Pennystock rutschte zur Eröffnung noch einmal um 30 Prozent auf 0,36 Euro.
Wall Street uneinheitlich
Fed-Entscheid: Zinsen bleiben niedrig
Auf die Entscheidung der US-Notenbank Fed, die Zinsen unverändert auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren zu belassen, haben die Standardwerte an der New York Stock Exchange mit einem Auf und Ab reagiert. Nach einem kurzen Aufwärtstrend unmittelbar nach der Entscheidung gab der Dow Jones zum Handelsende wieder Gewinne ab, konnte sich jedoch um 0,3 Prozent in der Pluszone halten. Im Tagesverlauf hatte der Dow um rund 100 Punkte geschwankt.
Am Markt war erwartet worden, dass die Notenbanker nicht an der Zinsschraube drehen und den Leitzins bei 1,75 Prozent belassen würde. Die Fed begründetet ihre Entscheidung damit, dass sie trotz des sichtbaren Aufschwungs in der amerikanischen Industrie im ersten Quartal doch noch eine stärkere Nachfrage abwarten wolle. Das Ausmaß der wirtschaftlichen Belebung in den kommenden Quartalen sei immer noch ungewiss, teilte das Gremium im einer kurzen Stellungnahme mit.
Der Technologieindex Nasdaq Composite hatte am Dienstag um 0,3 Prozent nachgegeben. Allerdings sorgten die nachbörslichen Zahlen von Cisco dafür, dass der Nasdaq Future deutlich ins Plus kletterte.
Der weltgrößte Hersteller von Ausrüstungen für das Internet, Cisco Systems, hat im dritten Quartal seines Geschäftsjahres seinen Gewinn vor Sonderposten gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifacht und die Analystenschätzungen übertroffen. Der Reingewinn vor Sonderposten erhöhte sich auf 838 Millionen Dollar nach 230 Millionen Dollar im Vorjahr. Der Umsatz stieg im dritten Quartal von 4,7 Milliarden auf 4,8 Milliarden Dollar. Damit blieb Cisco knapp im Rahmen der Erwartungen.
Cisco-Chef John Chambers erwartet für das laufende Quartal einen Umsatz, der unverändert oder nur leicht über dem Niveau des vergangenen Quartals liegt. Die Auftragseingänge sollen laut Cisco Systems im vierten Quartal um rund fünf Prozent höher liegen als im abgeschlossenen Quartal. Die Aktie von Cisco Systems legte nachbörslich um 7,5 Prozent auf 14,07 Dollar zu.
Tokio legt zu
Die asiatische Leitbörse in Tokio ist am Mittwoch mit einem Plus von 1,8 Prozent aus dem Handel gegangen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte legte auf 11520 Zähler zu. Der Kurs des Euro hat dagegen wieder leicht nachgegeben und notierte am Mittag bei 0,9101 US-Dollar.