Börse am Mittag Dax knickt ein - Techwerte stark unter Druck
Frankfurt am Main - Die Futures für Nasdaq und S&P Index notierten zwei Stunden vor Handelsbeginn an der Wall Street deutlich im Minus und belasteten die deutschen Indizes. Die Verluste im Nemax 50 waren am Vormittag mit 4,6 Prozent stattlich: Nach der Rallye nehmen Anleger schon bei ersten Schwächeanzeichen Geld vom Tisch. Auch bei den Standardwerten im Dax (minus 120 Punkte auf 4938 Zähler) sah es alles andere als rosig aus.
"Wenn die Konjunktur im kommenden Jahr nicht anspringt, gibt es keinen Grund, jetzt Aktien zu kaufen", sagte ein Händler in Frankfurt. Nach den deutlichen Zuwächsen insbesondere bei Technologie nehmen Anleger jetzt Gewinne mit: Infineon , Epcos , Siemens und SAP bauten ihre Verluste weiter aus und gehörten am Nachmittag mit Abschlägen zwischen 7,1 und 3,7 Prozent zu den größten Verlierern.
Verluste auf breiter Front: 28 Dax-Titel im Minus
Lediglich die defensiven Titel Henkel und der Versorger Eon konnten im Dax leicht zulegen, während die übrigen 28 Titel nachgaben. Der Versorger RWE konnte seine Verluste zumindest in Grenzen halten, nachdem der Titel gestern nach Berichten um eine Allianz-Wandelanleihe um rund vier Prozent gefallen war.
Letzte Hoffnung Zinssenkung
Nach dem erneuten Rückgang des Verbrauchervertrauens soll es in den USA wieder einmal die Notenbank mit einer weiteren Zinssenkung richten. Fed-Gouverneur Laurence Meyer hat weitere Zinssenkungen in Aussicht gestellt. Händler sind jedoch skeptisch, dass nach der Reihe aggressiver Zinssenkungen noch Spielraum für die US-Notenbank bleibt. Außerdem sei es an der Zeit, dass die Wirtschaft nach der Zinssenkungs-Orgie endlich aus eigener Kraft anspringt. Weitere Aussagen über die Wirtschaftsentwicklung gibt die US-Notenbank heute in ihrem Beige-Book-Bericht.
Deutsche Telekom: Erstmals Verlust
Die Aktie der Deutschen Telekom gab bis zum frühen Nachmittag um 2,3 Prozent auf 18,35 Euro nach. Das Unternehmen hat am Mittwoch seine vollständigen Neunmonatszahlen vorgestellt. Erstmals seit ihrem Börsengang vor fünf Jahren wird die Deutsche Telekom im Geschäftsjahr 2001 aller Voraussicht nach einen Verlust ausweisen. Dadurch werde die Dividendenfähigkeit aber nicht beeinflusst, heißt es. Zum 1. Dezember laufen außerdem Haltefristen für rund 288 Millionen T-Aktien aus. Bei diesen T-Aktien geht es um jene Papiere, die im Zuge der Übernahme von VoiceStream an dessen Großaktionäre (unter anderem Hutchison Whampoa, Sonera und Goldman Sachs) gegangen waren.
BASF: Geldbuße belastet
Unter Druck stand auch die Aktie des Chemiekonzerns BASF , die sich um 2,4 Prozent auf 42,17 Euro verbilligte. Die Ludwigshafener müssten nun wegen der EU-Rekordbuße in Höhe von 296,16 Millionen Euro höhere Rückstellungen als geplant bilden, sagten Händler. Die EU-Kommission hatte gegen die BASF und sieben weitere Chemieunternehmen wegen des Vitaminkartells ein Bußgeld in Höhe von insgesamt 855,22 Millionen Euro verhängt.
BMW leicht erholt
Auch die Autotitel standen auf der Verkaufsliste. DaimlerChrysler und Volkswagen bauten ihre Verluste auf 1,6 Prozent aus, während BMW seine Verluste am Nachmittag annähernd wettmachen konnte. BMW, DaimlerChrysler, Fiat, Ford und Renault wollen laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bis 2008 eine eigene Formel 1 starten.
Neuer Markt: Ende der Rallye
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Die Aktie von Umweltkontor brach um knapp zehn Prozent ein. Der Anbieter alternativer Energien erwartet für das Gesamtjahr 2001 eine Verdoppelung des Vorjahresergebnisses, macht die Umsetzung dieser Prognose jedoch von der planmäßigen Fertigstellung aller Windparkprojekte im vierten Quartal und deren erfolgreicher Platzierung über Fonds abhängig. Einer der wenigen Gewinner im Nemax war der angeschlagene Online-Broker Consors, der sich nach der Talfahrt der vergangenen Tage um knapp sechs Prozent auf 10,12 Euro verbesserte.
Kinowelt: Frist läuft ab
Die Papiere der von der Insolvenz bedrohten Kinowelt Medien verloren am Mittwoch erneut rund 20 Prozent. Die Frist für eine Einigung über den gekündigten Kredit der ABN Amro Bank läuft an diesem Mittwoch aus. Am Vorabend hatte der Filmrechtehändler nach Börsenschluss mitgeteilt, die Zusammenarbeit mit Warner Bros. International Television Distribution beendet zu haben. Die Zahlen für das dritte Quartal sollen kommenden Freitag vorgelegt werden.
Euro fester
Der Deutsche Anleihenmarkt hat den Handel am Mittwoch freundlich begonnen. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg bis zum Mittag um 0,47 Prozent auf 109,83 Punkte. Vor allem die Erwartung einer weiteren Leitzinssenkung der US-Notenbank Fed habe den Markt gestützt, sagten Händler. Die am Vormittag veröffentlichten Zahlen zum Wachstum der Geldmenge M3 seien ohne Wirkung auf die Kurse geblieben. Der Euro tendierte am Mittag fester bei 0,8831 Dollar.