Börse am Mittag: Dax orientierungslos - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Dax orientierungslos

Kaum ein Investor weiß so recht, wohin die Reise geht bei den Standardwerten. Unruhe bringen Siemens und T-Aktie in den Handel, die mehrfach die Vorzeichen gewechselt haben.
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Frankfurt am Main - Ohne klaren Trend zugunsten einer Branche haben sich die Standardwerte bis Mittag äußerst schwankungsanfällig präsentiert. Der Dax hatte bis dahin mehrfach seine Vorzeichen gewechselt. "Wir sind hin und her gerissen," erklärte Fidel Helmer, Aktienhändler bei Hauck & Aufhäuser das unentschlossene Hin-und-Herspringen des Dax. "Im Markt kann man derzeit nicht sagen, wohin die Reise gehen wird."

Gegen 13 Uhr notierte der Index wieder leicht im Plus bei 5227 Zählern. Die Wachstumswerte im Nemax 50 hingegen zeigten einen ruhigeren Handelsverlauf und standen zuletzt mit 1,6 Prozent auf 1078 Zähler im Plus.

Preussag hatte die Führung bei den Standardwerten mit einem Plus von 3,61 Prozent auf 35,59 Euro übernommen. Der Konzern hat im ersten Halbjahr dank starker Zuwächse in der Touristik seinen Umsatz und Ertrag deutlich gesteigert und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der Umsatz sei im Vergleich zu dem pro forma errechneten Vorjahreswert um elf Prozent auf 10,9 Milliarden Euro gestiegen. Der Reingewinn kletterte um 1,5 Prozent auf 134 Millionen Euro.

Gefragt waren Infineon, die um 2,26 Prozent auf knapp 25 Euro anzogen. SAP legten zuletzt noch 1,41 Prozent auf 156,75 Euro zu. Siemens tauchten wieder aus der Versenkung auf und notierten mit 0,40 Prozent fester auf 56 Euro. Der Konzern hatte am Vormittag einen Großauftrag gemeldet. Infineon profitierte von positiven Berichten aus den USA. Demnach meldete die amerikanische Branchenvereinigung für die Chipindustrie einen überraschenden Anstieg der Bestellungen im Monat Juli.

Die T-Aktie stolperte heute zwischen den Vorzeichen hin und her. Zuletzt stand der Titel wieder auf Vortagesniveau bei 16,28 Euro. Die Aktie hatte zeitweilig von der Meldung profitiert, dass die Deutsche Telekom nach Angaben eines Sprechers von Liberty Media unmittelbar vor dem Verkauf ihrer Fernsehkabelnetze in 13 Bundesländern an das US-Medienunternehmen stehe. Das Handelsblatt hatte am Vortag noch Gegenteiliges berichtet. Die Kaufsumme soll nach einem Bericht der "Welt" 5,5 Milliarden Euro betragen.

Allerdings wird dies die finanzielle Schieflage angesichts der enormen Verschuldung des Konzerns nur wenig gerade rücken. Dieser Hintergrund, drückende Kosten durch hohe anstehende UMTS-Investitionen sowie die Tatsache, dass Haltefristen von Voicestream-Aktionären am 1. September ablaufen, lassen Experten die Zukunft des Titels weiterhin mit Skepsis betrachten.

Bayer-Aktien standen weiter mit rund 2,30 Prozent auf 34,10 Euro im Minus. Das Unternehmen stoppt die Vermarktung des Cholesterinsenkers Baycol auch in Japan und erwartet dadurch eine weitere Schmälerung des Gewinns. Die Entscheidung, das Medikament auch in Japan zurückzuziehen, werde das operative Ergebnis um bis zu 150 Millionen Euro belasten, teilte die Bayer AG am Donnerstag mit.

Unterdessen hat der Konzern einem Zeitungsbericht zufolge in rund 1100 Fällen bedrohliche Wechselwirkungen des Medikaments Lipobay eingeräumt. Damit wären weit mehr Patienten betroffen als bisher bekannt. Derzeit wird Lipobay mit 52 Todesfällen in Verbindung gebracht.

Linde hat im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2001 den Auftragseingang um 7,2 Prozent auf 4,722 (4,403) Milliarden Euro gesteigert. Der Umsatz belief sich auf 4,151 (3,891) Milliarden Euro, was einer Steigerung von 6,7 Prozent entspricht, ohne Anlagenbau betrug die Zunahme 7,1 Prozent. Das Ebita kletterte um 9,2 Prozent auf 334 Millionen Euro und der Vorsteuergewinn konnte um 2,8 Prozent auf 182,0 (177,0) Millionen Euro verbessert werden. Die Zahlen lagen über den durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Linde bestätigte überdies seine Prognosen für das Gesamtjahr. Die Aktie legte zuletzt 1,84 Prozent auf 47,50 Euro zu.

Am Neuen Markt verbuchten die Aktien von EM.TV Kursaufschläge von zuletzt rund sechs Prozent auf 2,91 Euro und rangierte damit in der Spitze des Nemax 50. Medienberichten zufolge stellt die Münchner Staatsanwaltschaft ihr Ermittlungsverfahren gegen den früheren Finanzchef des Medienkonzerns, Florian Haffa, teilweise ein. Der Verdacht auf Insiderhandel habe nicht aufrecht erhalten werden können, hieß es zur Begründung. Die Staatsanwaltschaft prüfe aber noch, ob Florian Haffa und der frühere Vorstandschef Thomas Haffa gegen das Aktiengesetz verstoßen haben, in dem sie den Vermögensstand des Konzerns falsch dargestellt haben.

Die Aktien des Index-Schwergewichts Thiel Logistik haben sich am Donnerstag nach anfänglichen Verlusten wieder in die Gewinnzone bewegt. Zuletzt stand der Wert mit 2,12 Prozent auf 17,82 Euro im Plus. Börsianer bezeichneten die Zahlen als im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Allerdings habe sich der Markt beim Gewinn vor Zinsen und Steuern ein etwas höheres Ergebnis ausgerechnet. "Das hat etwas Unruhe in den Markt gebracht", sagte ein Händler. Daraufhin habe es Verkäufe in größerer Stückzahl gegeben.

Im Vergleich zum Konkurrenten D.Logistics stehe Thiel vergleichsweise gut dar, weil das Grevenmacher Unternehmen auf eine weniger ausgeprägte Expansionsstrategie setze. " Sollte die Stimmung am Gesamtmarkt wieder aufhellen, könnte der Thiel-Kurs bis auf 25 Euro steigen", sagte der Händler.