Börse am Mittag Dax schmiert ab
Frankfurt am Main - Wachsende Angst vor einem Irak-Krieg sowie schwache konjunkturelle Aussichten haben den Dax am Mittwoch trotz einiger solider Quartalszahlen deutlich belastet. Der Leitindex fiel bis 12 Uhr um knapp 2,8 Prozent auf 3028 Punkte und damit wieder in Richtung der wichtigen Marke von 3000 Zählern.
Der MDax für mittelgroße Werte büßte mehr als ein Prozent auf 3085 Zähler ein. Am Neuen Markt verlor der Auswahlindex Nemax 50 rund zwei Prozent auf 417 Punkte.
Händler verwiesen auf die Sorge vor einem Rückfall in die Rezession und die Angst vor einem Irak-Krieg sowie neuen Terroranschlägen nach der neuen Drohung der Islamisten um Bin Laden. Händler hoffen allerdings, dass der Dax die Unterstützung bei etwa 3000 bis 2980 Punkten weiter verteidigen kann.
Für weitere Abschläge sorgten die Äußerungen der fünf Wirtschaftsweisen: In diesem Jahr müsse von einem Wachstum von nur 0,2 Prozent ausgegangen werden, heißt es in dem am Vormittag veröffentlichten Jahresgutachten des Sachverständigenrats. 2003 sei allenfalls ein Prozent Wachstum zu erwarten. Die Bundesregierung hatte ihre Schätzung jüngst auf 0,5 Prozent in diesem und 1,5 Prozent im nächsten Jahr korrigiert.
Die Sachverständigen gehen zudem davon aus, dass Deutschland sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr die Defizitgrenze von drei Prozent überschreitet und die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr weiter steigt. Die Experten mahnen daher tiefgreifende Reformen an. Die rot-grünen Koalitionsvereinbarungen seien der falsche Weg, kritisierten sie.
Infineon-Aktie hält die rote Laterne
Größter Verlierer im Dax war das Papier von Infineon . Die Titel verbilligten sich zuletzt um 7,1 Prozent auf 7,92 Euro. Infineon und sein taiwanesischer Partner Nanya werden künftig gemeinsam Speicherchips (DRAMs) fertigen und bei der Technologie-Entwicklung zusammenarbeiten. Das Investitionsvolumen für die nächsten drei Jahre betrage insgesamt rund 2,2 Milliarden Euro, hieß es. Analysten sagten, der Kursverlust sei mit Spekulationen um die Finanzierung zu erklären. Eine mögliche Wandelanleihe zur Finanzierung würde der Markt ebenso wenig mögen wie neue Schulden. Siemens hat im Geschäftsjahr 2002 seinen Gewinn kräftig gesteigert. Das Ergebnis nach Steuern kletterte im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent auf 2,597 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Für das Geschäftsjahr 2003 erwartet Konzernchef Heinrich von Pierer nach eigenen Angaben eher rückläufige Zahlen, weil er nicht mit einer durchgreifenden Besserung der Wirtschaft rechne. Zudem würden voraussichtlich die Sondererträge geringer ausfallen und die Belastungen aus den Pensionsplänen steigen. Die Siemens-Aktie verlor 4,4 Prozent auf 42,65 Euro.
Deutliche Verluste verbuchte auch das Papier von ThyssenKrupp , das um 6,4 Prozent auf 9,88 Euro nachgab. Verantwortlich dafür sei die Gewinnwarnung des britisch-niederländischen Stahlkonzerns Corus , hieß es am Markt.
Altana und RWE mit soliden Zahlen
Solide Geschäftszahlen legten nach der Einschätzung von Händlern die Dax-Firmen Altana und RWE vor, die zudem beide ihren Ausblick für das Gesamtjahr bekräftigten. Der Energieriese RWE hat Umsatz und Gewinn in den ersten neun Monaten 2002 gesteigert. Im Kerngeschäft konnte RWE das Betriebsergebnis um 29 Prozent steigern. Auch der Bad Homburger Pharma- und Spezialchemiekonzern Altana hat in den ersten neun Monaten operativ deutlich mehr verdient als im Vorjahr. Dennoch verloren die Aktien der beiden Unternehmen um etwas mehr als vier Prozent.
Deutsche Börse ersetzt Epcos im Dax
Die Deutsche Börse wird wie von vielen Marktteilnehmern erwartet mit Wirkung zum 23. Dezember das Technologieunternehmen Epcos im Dax ersetzen. Damit rückt die Betreibergesellschaft der Frankfurter Wertpapierbörse als erste Börse in einen der führenden Aktienindizes der Welt auf. Die Aktie der Börse verlor daraufhin mehr als eineinhalb Prozent auf rund vierzig Euro. HSBC-Analyst Peter Barkow sprach von Gewinnmitnahmen. Eine Überraschung sei die Entscheidung schließlich nicht. Epcos-Papiere verloren rund 4,5 Prozent auf 9,36 Euro.
Metro: Verkaufsgespräche für Immobilien ausgesetzt
Metro-Aktien haben 4,3 Prozent auf 21,40 Euro verloren. Händler verwiesen auf die verschobenen Verkaufsgespräche für die konzerneigenen Immobilien und schwache Zahlen der Parfümeriekette Douglas . "Das ist eine schlechte Meldung", sagte ein Händler. Schließlich habe man am Markt fest mit einem Verkauf der Immobilien gerechnet. Nach Einschätzung eines anderen Experten dürften die Verluste aber bald wieder verpuffen, da der Wert zuvor von dem erwarteten Verkauf kaum profitiert habe.
MobilCom führt den Neuen Markt an, T-Online trotz guter Zahlen auf Berg- und Talfahrt
MobilCom führt den Nemax 50 an
Am Neuen Markt führten die Aktien des angeschlagenen Mobilfunkanbieters MobilCom den Nemax 50 an. Das Papier verteuerte sich um mehr 33 Prozent auf 4,62 Euro. Bei dem Unternehmen spitzt sich die Lage offenbar weiter zu. Nach einem Bericht des "Handelsblatt" hat die Gesellschaft am Dienstagabend den Aufsichtsrat über die Vorbereitungen für den Fall der Zahlungsunfähigkeit informiert. Bei dem Unternehmen war vorerst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Für diesen Mittwoch sei aber kein Insolvenzantrag vorgesehen, hieß es.
T-Online trotz guter Zahlen auf Berg- und Talfahrt
Nach der Vorlage von Geschäftszahlen hat der Kurs der Telekom-Tochter T-Online zu einer Achterbahnfahrt angesetzt. In den ersten Handelsminuten kletterte der Aktienkurs deutlich, zuletzt gab das Papier jedoch um drei Prozent auf 7,33 Euro nach. "Die Aktie ist in der ersten Euphorie hochgezockt worden", sagte ein Aktienhändler. Anschließend habe die gedrückte Stimmung am Aktienmarkt den Kurs wieder einbrechen lassen. Die Anleger hätten offenbar Angst vor der eigenen Courage bekommen, als sie die Börsen-Indizes in der Verlustzone gesehen hätten.
Das Ergebnis des Internet-Anbieters sei "deutlich besser als erwartet" ausgefallen, sagte Analyst Markus Glockenmeier von Delbrück Asset Management nach einem ersten Blick auf die Zahlen. "Allerdings sind die sonstigen betrieblichen Erträge kräftiger als von mir erwartet gestiegen. Das könne eventuell das gute Ebitda-Ergebnis (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) erklären."
Medion und Medigene nach Bilanz im Minus
Medion-Aktien verloren um 1,1 Prozent auf 38,16 Euro. Der Hersteller von Computern, Elektrogeräten und Kommunikationstechnik für Handelskonzerne hat im dritten Quartal entgegen dem Branchentrend Gewinn und Umsatz zweistellig gesteigert. Trotz des weiterhin schwachen konjunkturellen Umfelds bestätigte das Unternehmen seine bisherige Prognosen für das Gesamtjahr. Händler verwiesen darauf, dass sich die Aktie zuletzt sehr gut entwickelt hatte. So hatte der Titel vor fünf Wochen noch rund 25 Euro gekostet.
Medigene-Titel gaben um fünf Prozent auf 4,02 Euro nach. Das Biotechnologieunternehmen hat nach einem schwachen dritten Quartal den Ausblick für das Gesamtjahr erneut nach unten revidiert. Das Unternehmen rechnet jetzt mit einem Jahresverlust von bis zu 40 Millionen Euro, nachdem es zuvor 35 Millionen Euro erwartet hatte.
Technologieaktien stützen die US-Börsen, Nikkei auf 19-Jahrestief, Euro stabil über der Dollar-Parität
Technologieaktien stützen die US-Börsen
Die Wall Street hat am Dienstag auf breiter Front zugelegt. Dabei halfen Technologieaktien wie Motorola , Oracle , IBM , Intel , Microsoft , Cisco und Hewlett Packard .
Die positivere konjunkturelle Einschätzung durch einige amerikanische Notenbanker wirkte sich ebenfalls positiv auf die Stimmung an den US-Aktienbörsen aus. US-Notenbankchef Alan Greenspan wird am Mittwoch vor einem Kongressausschuss auftreten. Die Wall Street wartete gespannt darauf, was er im Hinblick auf die Wirtschaftsaussichten zu sagen hat. Die Angst vor einem Irak-Krieg war allerdings weiterhin an der Wall Street spürbar.
Dow Jones nimmt 8400-Punkte-Marke ins Visier
Der Dow-Jones-Index stieg um 27,05 Zähler oder 0,3 Prozent auf 8386 Punkte. Der Nasdaq festigte sich um 30,37 Zähler oder 2,3 Prozent auf 1349 Punkte. Chip-, Netzwerker- und Softwareaktien waren besonders fest. Einzelhandelswerte konnten sich unter Führung des Kaufhausriesen J.C. Penney festigen. Rüstungs- und Chemiewerte tendierten ebenfalls höher.
Philip Morris zog seine Gewinnprognose für das kommende Jahr wegen des schwächeren US-Zigarettenmarktes zurück. Die Aktien des weltgrößten Zigarettenherstellers fielen massiv. Goldwerte gaben ebenfalls nach. Das galt auch für Versorgungsaktien.
Nikkei auf 19-Jahrestief
Die Börse in Tokio hat am Mittwoch leichter geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fiel auf ein 19-Jahres-Tief von 8438 Punkten. Das ist ein Rückgang im Vergleich zum Vortages-Schlusskurs von 26,25 Punkten oder 0,3 Prozent. Der breit angelegte Topix gab um 3,19 Punkte oder 0,4 Prozent auf 836 Zähler nach.
Weltweite Unsicherheiten wie die wirtschaftliche Entwicklung in den USA und die Möglichkeit eines Irak-Krieges belasteten ebenso wie heimische Bankenprobleme, sagten Händler. Das besser als erwartet ausgefallene Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,7 Prozent im dritten Quartal sei weitgehend ignoriert worden.
Erneut gaben Bankenwerte nach. Sumitomo Mitsui Banking fielen um zwei auf 402 Yen, während Mitsubishi Tokyo Financial um 4000 auf 719.000 Yen nachgaben. Mizuho verloren 3000 Yen auf 142.000 und UFJ Holdings gaben 2000 auf 132.000 Yen nach.
Techwerte im Aufwind
Unter den Technologie-Titeln legten TDK 200 auf 4810 Yen zu. Tokyo Electron stiegen um 180 auf 4980 Yen. Canon gaben 30 auf 4480 Yen nach. Im Halbleitersektor kletterte Toshiba um acht auf 315 Yen. Das Unternehmen bestätigte, es gebe Überlegungen, ein neues Werk zu eröffnen.
Mitsubishi Heavy Industries legten sieben auf 283 Yen zu und Mitsubishi Chemical gewannen ein auf 212 Yen. Mitsubishi gab neun auf 775 Yen nach. Alle drei Unternehmen hatte Halbjahresergebnisse vorgelegt.
Mitsui & Co. Ltd. legten um zwei auf 534 Yen zu. Das Unternehmen hatte schwächere Halbjahreszahlen vorgelegt und die Erwartungen für das Gesamtjahr zurückgenommen.
Euro stabilisiert sich über der Dollar-Parität
Der Kurs des Euro hat sich über der Marke von einem Dollar stabilisiert. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Vormittag 1,0079 Dollar.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag bei 1,0081 (Montag: 1,0126) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9920 (0,9876) Euro.