Börse am Mittag: Dax strampelt empor - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Dax strampelt empor

Technologiewerte machen Boden gut und heben den Dax, vor allem Energiekonzerne gewinnen deutlich. Am Tag vor Veröffentlichung der Quartalszahlen ist die Münchener Rück das Dax-Schlusslicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Der Dax hat sich aus der Verlustzone befreit und rückte bis 12.45 Uhr nach deutlichen Abschlägen noch zu Handelsbeginn zuletzt wieder mit 0,4 Prozent ins Plus auf 3204 Punkte. Am Neuen Markt konnte der Nemax50 sein Minus reduzieren, gab aber noch 0,4 Prozent auf 438 Zähler ab.

Wegen der Flut von US-Konjunkturdaten dürften die Anleger bis zum Nachmittag zurückhaltend bleiben, sagte ein Beobachter. Als besonders wichtig werden Daten zu den Auftragseingängen, dem Verbrauchervertrauen und der Einkaufsmanagerindex der Region Chicago erachtet. Als "richtungslos und lustlos", charakterisierte ein Beobachter den Handelsverlauf. "Vor dem Feiertag in den USA, den viele für ein langes Wochenende nutzen, wird niemand größere Positionen eingehen", sagt der Händler.

Schwache Zahlen bei Münchener Rück erwartet

Einen Tag vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen standen die Aktien des Rückversicherers Münchener Rück   unter Abgabedruck. Das Papier fiel zuletzt um 2,30 Prozent auf rund 140 Euro und bildete damit das Dax-Schlusslicht. "Die Anleger rechnen bei der Münchener Rück mit schwachen Zahlen", sagte Aktienhändler Christian Schmidt von der Helaba.

Allianz   hingegen konnten sich aus der Verlustzone befreien und drehten leicht ins Plus auf 107,65 Euro. Die Aussagen der Allianz zur Überschussbeteiligung und zum laufenden Geschäft am frühen Nachmittag gehören nach Einschätzung eines Händlers zu den wichtigsten Terminen am Berichtstag. "Sie werden für den gesamten Sektor interessant", sagte ein Beobachter.

Kunden von Lebensversicherungen müssen sich erneut auf niedrigere Gewinne einstellen. Der Marktführer Allianz Leben will heute eine deutliche Senkung seiner Überschussbeteiligung für 2003 bekannt geben und setzt damit ein Signal für die Branche. Gerechnet wird mit einem Rückgang der Verzinsung von 6,8 Prozent auf etwa 5,5 Prozent. Hintergrund ist die schwierige Lage auf den Kapitalmärkten. Die Nachricht war gestern bereits auf dem Markt und hatte die Aktie der Allianz ebenso kräftig gedrückt wie die Tatsache, dass die Ratingagentur Fitch die Bonitätseinstufung des Versicherers und seiner Tochter Dresdner Bank mit einem negativen Ausblick versehen hatte.

Telekom will 2002 vor allem durch Mobilfunk wachsen

Die endgültigen Zahlen der Deutsche Telekom   enthalten nach Einschätzung einer Analystin auf den ersten Blick keine Abweichungen oder Korrekturen gegenüber den vorläufigen Angaben. Die T-Aktie gab zuletzt noch 0,6 Prozent auf 11,23 EUR ab, nachdem sie zeitweise unter elf Euro gefallen war.

Die Telekom strebt in ihrer Festnetzsparte auch für den Rest des Jahres eine stabile Entwicklung von Umsatz und operativem Ertrag an. Im Mobilfunkgeschäft sollen das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Gesamtjahr um mehr als 50 Prozent und der Umsatz um über 30 Prozent steigen, wie in dem am Mittwoch veröffentlichten endgültigen Neunmonatsbericht des Konzerns ausgeführt wird. Demnach wird das Wachstum der Telekom in 2002 praktisch allein durch den Mobilfunk getrieben, erklärten Marktbeobachter.

Im Bereich Systemlösungen werde dagegen ein Umsatz leicht unter Vorjahr, aber eine Verbesserung des bereinigten Ebitda erwartet. Die Internetsparte werde weiter an der Verbesserung der Profitabilität und starkem Wachstum arbeiten.

Für den Gesamtkonzern bekräftigte die Telekom, in diesem Jahr aus einem deutlich höheren Umsatz eine Steigerung des bereinigten Ebitda zu erzielen. Auf der Herbstpressekonferenz hatte der Konzern das Ziel mit 16 Milliarden Euro beziffert. Unter dem Strich werde in Folge der hohen außerplanmäßigen Abschreibungen ein "deutlicher Fehlbetrag" erwartet, erklärte die Telekom ohne Präzisierung.

Techwerte können ihre Verluste reduzieren

Technologiewerte tendierten nach einer durchgängig schwachen Eröffnung zuletzt uneinheitlich. Während Infineon   mit rund 1,30 Prozent ins Plus drehte und sich damit einen Spitzenplatz im Dax sicherte, verharrten SAP   und Epcos   jeweils mit rund einem Prozent in der Verlustzone. Siemens   arbeiteten sich in etwa auf Vortagesniveau hoch bei 48,45 Euro.

Unberührt zeigte sich die Aktie des Energiekonzerns Eon   von negativen Analystenkommentaren. Goldman Sachs hatte die Prognose für den Gewinn je Aktie in 2002 von 9,13 Euro auf 4,33 Euro gesenkt. Eon führte die Gewinnerliste im Dax mit einem Aufschlag von 3,65 Prozent auf 43,72 Euro an, gefolgt von RWE  , die sich um rund zwei Prozent auf 28,55 Euro verteuerten.

WCM rutscht tief in die Verlustzone

Aktien von WCM   gaben zuletzt noch rund ein halbes Prozent auf 2,50 Euro ab. Die Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft rechnet nach tiefroten Zahlen im dritten Quartal im Gesamtjahr mit einem deutlich negativem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Dies teilte das im MDax notierte Unternehmen am Mittwoch mit, nachdem das Unternehmen nachbörslich per Pflichtmitteilung die Eckdaten für die Geschäftsentwicklung im dritten Quartal veröffentlicht hat. Der ausführliche Zwischenbericht soll am heutigen Mittwoch veröffentlicht werden.

Am Neuen Markt kletterten die Aktien des Biotechnologie-Unternehmen Medigene   um rund 17 Prozent auf 4,99 Euro. Das Unternehmen hat in den USA ein Patent auf ein Verfahren zur Gewinnung therapeutisch einsetzbarer Viren erhalten.

Wall Street wartet auf neue Konjunkturdaten

Wall Street wartet auf neue Konjunkturdaten

Die Wall Street hatte im späten Handelsgeschäft am Dienstag ihre Verluste noch ausgebaut. Der Dow Jones fiel am Dienstag mit der Schlussglocke zwei Prozent oder 172 Punkte auf 8676 Zähler. Der Nasdaq Composite gab 2,5 Prozent auf 1444 Stellen ab.

Die Märkte in New York hatten enttäuscht auf die schwächer als erwartete Aufhellung des Vertrauens der US-Bürger in die Wirtschaftsentwicklung ihres Landes reagiert. Überdies sprachen Händler von Gewinnmitnahmen nach den Kursanstiegen der vergangenen Wochen.

Analysten halten eine ganze Reihe von Technologiewerten bereits wieder für hoch bewertet. Und wo die Luft nach oben dünn wird, werden Anleger angesichts der in zwei Wochen bevorstehenden Gewinnwarnungssaison vorsichtig, sagten Marktbeobachter.

Die Flut der Konjunkturdaten reißt nicht ab

Das Geschäft dürfte im Verlauf der beiden nächsten Tage sogar noch abnehmen, da sich der Markt generell bereits auf den US-Feiertag "Thanksgiving" am Donnerstag vorbereite, hieß es am Dienstag weiter. An Thanksgiving bleiben die US-Börsen geschlossen und am Freitag wird die Handelszeit verkürzt.

Die am Dienstag veröffentlichte schwächere Verbraucherstimmung ließ Volkswirte vermuten, dass das Weihnachtsgeschäft nicht so gut ausfallen wird wie bislang prognostiziert. Die US-Wirtschaft werde im vierten Quartal voraussichtlich nicht auf dem gleichen Niveau weiterwachsen wie im dritten, hieß es. Die überraschend deutliche Aufwärtsrevision des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten Quartal dagegen spielte Händlern zufolge keine größere Rolle am Markt.

Erneut könnten heute US-Konjunkturdaten die Märkte bewegen. So werden noch vor Handelsbeginn der Wall Street gegen 14.30 Uhr (MEZ) Zahlen zu den Auftragseingängen langlebiger Wirtschaftsgüter für den Monat Oktober erwartet. Daten gibt es auch zu den persönlichen Einkommen und Ausgaben für diesen Monat. Es folgen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Gegen 15.45 Uhr erwarten die Märkte den endgültigen Index der Verbraucherstimmung der Universität Michigan für den Monat November und gegen 16 Uhr (MEZ) den Einkaufsmanager-Index für die Region Chicago. Gegen 18 Uhr wird die Notenbank Fed mit dem Beige Book über die weitere Konjunkturentwicklung berichten.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Mittwoch fester. Der Nikkei rückte um 0,6 Prozent auf 8875 Zähler vor.