Börse am Mittag: Der Euro fällt tief - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Der Euro fällt tief

Der Markt dümpelt dahin, Anleger halten sich zurück. Metro und SAP führen die Verliererliste an. Der Euro rutscht unter eine wichtige Unterstützungsmarke.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte verharrten gegen Mittag leicht in der Verlustzone. Der Dax stand gegen zwölf Uhr mit 0,3 Prozent auf 5154 Zähler im Minus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 notierten ebenfalls 0,3 Prozent leichter auf 1177 Punkte. Die Gesamtstimmung am deutschen Aktienmarkt beschrieben Börsianer als lethargisch. Wie bereits in den vergangenen Tagen hielten sich viele Anleger stark zurück.

Nachdem Nokia am Vortag mit seinen Zahlen überzeugen konnte, veröffentlichte Ericsson   am Morgen ein Ergebnis für das vierte Quartal, das unter den Erwartungen den Analysten lag. Technologiewerte im Dax gaben nach.

SAP   verbilligten sich zuletzt um zwei Prozent auf 163,75 Euro und waren damit schwächster Wert im Dax. Epcos   tendierten zuletzt 1,30 Prozent leichter. Infineon   und Siemens   konnten ihre Verluste reduzieren, notierten aber ebenfalls noch leicht im roten Bereich.

Ein Händler sagte, einerseits böten die Ericsson-Zahlen nicht ausreichend Unterstützung und andererseits hätten die Papiere dieser Branche in den vergangenen Tagen bereits kräftig zugelegt. Ericsson minderte im abgelaufenen Quartal seinen Verlust, lag damit allerdings unter den Erwartungen der Analysten. Der Handykonzern bekräftigte zudem 2002 einen Umsatzrückgang zu erwarten.

Die Titel von MLP fielen zuletzt auf ihr Vortagesniveau zurück, nachdem sie zeitweilig in der Dax-Spitze gestanden hatten. Analystin Birgit Grüner von der Bankgesellschaft Berlin zufolge seien viele Anleger offenbar überrascht gewesen, dass MLP am 31. Januar voraussichtlich gute Ergebnisse vorlegen werde. Angesichts der schwachen Konjunktur sei dies bemerkenswert. Eine am Donnerstag veröffentlichte Reuters-Umfrage unter Analysten geht von einem 29-prozentigen Anstieg des Vorsteuergewinns im vierten Quartal 2001 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum

Investoren schichteten in defensive Titel um. ThyssenKrupp   , Preussag   standen in Dax-Spitze mit einem Plus von 1,84 und 1,40 Prozent.

Titel von Versicherungen haben gegen Händlern zufolge unter Spekulationen über eine bevorstehende Gewinnwarnung des Rückversicherers Swiss Re   gelitten konnten sich dann allerdings wieder ein wenig berappeln. Allianz   -Papiere gaben rund ein Prozent ab. Die Aktie der Münchener Rück   büßte 1,12 Prozent auf 279 Euro ein.

Ein Frankfurter Händler sagte, manche versuchten, den Markt durch Spekulationen herunter zu reden." Ein anderer Börsianer bestätigte die Spekulationen um die Swiss Re."Außerdem weiß man auch nicht, was noch alles auf die Rückversicherer zukommt, möglicherweise auch durch Enron", sagte der Händler.

Im Zusammenhang mit dem Pleite gegangenen US-Energiehandelskonzern Enron war auch sein Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen schwer in die Kritik geraten. "Es ist die Frage: Welche Versicherung müsste gegebenenfalls zahlen, wenn zum Beispiel Anlegerverbände gegen Arthur Andersen klagten?", sagte der Börsianer.

Am Neuen Markt verbilligten sich die Aktien von Broadvision   um rund drei Prozent auf 3,22 Euro. Der US-Software-Anbieter hat im vierten Quartal einen geringeren Verlust verzeichnet als von Analysten erwartet.

Die Geschäftszahlen von Analytik Jena waren am Vormittag positiv am Markt aufgenommen worden, sagte ein Händler. Der Laborausrüster hat in dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2000/2001 seinen Umsatz um 79 Prozent auf 41,7 Millionen Euro gesteigert. Der Jahresüberschuss hat sich den Angaben zufolge mit 1,4 Millionen Euro verdoppelt. Analytik Jena plant für das laufende Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum von 25 Prozent. Die Aktie kletterte zunächst um 2,80 Prozent an. Dann nahmen Anleger die Kursgewinne mit und drückten den Wert mit 1,80 Prozent auf knapp 16 Euro in die Verlustzone.

Die Aktien von Mount10 notierten zuletzt mit knapp 21 Prozent auf schlappe 1,10 Euro und waren größter Gewinner am gesamten Neuen Markt. Der Schweizer Spezialist für Datensicherheit hatte zuvor den Erhalt eines Auftrages über 1,5 Millionen Euro bekannt gegeben.

IVU Traffic verteuerten sich um 15 Prozent auf 1,68 Euro, nachdem der Software-Hersteller den Erhalt eines Auftrages der Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio über rund 2,5 Millionen Euro bekannt gegeben hatte.

Euro fällt auf Sechs-Monats-Tief

Der Euro hat am Freitag seine Kursverluste weiter ausgebaut und ist unter 0,87 Dollar auf den tiefsten Stand seit einem halben Jahr gefallen. Die Gemeinschaftswährung stand gegen 12 Uhr bei 0,8681 Dollar. Der Euro werde von wachsenden Hoffnungen der Anleger auf eine rasche Erholung der US-Konjunktur geschwächt, sagten Händler.

Nachdem US-Notenbankchef Alan Greenspan am Vortag von ersten Anzeichen einer Konjunkturbelebung in der weltgrößten Volkswirtschaft gesprochen habe, rechne am Markt nahezu jeder mit einem baldigen Ende der Rezession in den USA. Dies mach den Dollar-Raum für Investoren wieder deutlich attraktiver. Zudem habe der Euro einige Unterstützungslinien durchbrochen.