Börse am Mittag: Der Markt will nach oben - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Der Markt will nach oben

Die Stimmung hat sich zum Positiven gewendet. Am Neuen Markt wird wieder gekauft. Dax und Nemax 50 stehen deutlich im Plus. Den Kurssprung von EM.TV am Neuen Markt führen Händler auf Zocker zurück.
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Hamburg - Gegen 12.40 Uhr stand der Dax mit 1,0 Prozent im Plus auf 5812 Punkten. Die Wachstumswerte im Nemax 50 kletterten auf 1246 Zähler - ein Plus von zuletzt 4,4 Prozent. Hier erwiesen sich einmal mehr die Aktien des gebeutelten Medienunternehmens EM.TV als Schrittmacher. Händler allerdings fanden für die erneut starken Kursaufschläge wenig freundliche Worte.

Infineon gehörten mit Kursgewinnen von 3,60 Prozent auf rund 30 Euro zur Spitze der Dax-Gewinner. "Offenbar hat sich die Meinung verbreitet, dass man bei den Halbleiteraktien das Schlimmste erlebt hat. Der gegenwärtige Kurs wird nach den Hochstufungen der vergangenen Tage zum Einstieg genutzt", sagte Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck.

Die Papiere des Bauelementeherstellers Epcos kletterten um 3,73 auf 51,50 Euro. Die Aktien des Mutterkonzerns Siemens verbesserten sich um zwei Prozent auf 62,85 Euro. Zuvor hatte sich die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein positiv zu dem Titel geäußert und räumte der Aktie gute Chancen ein, die charttechnische Widerstandslinie von 65,10 Euro zu knacken. Dass die Netzwerksparte offenbar kurz vor der Pleite steht, scheint die Investoren nicht zu stören.

SAP verteuerten sich um rund zwei Prozent auf knapp 163 Euro. Vor Bekanntgabe der Halbjahreszahlen Mitte dieser Woche steigerte sich die T-Aktie um 2,31 Prozent auf 25,68 Euro.

Unter Verkaufsdruck hatten zunächst Finanztitel gestanden, konnten aber ihre Verluste reduzieren. Das Investmenthaus Morgan Stanley hatte am Vormittag den europäischen Bankensektor auf "Underperform" herabgestuft, hieß es ad hoc. Größter Verlierer im Dax waren die Aktien des Finanzdienstleisters MLP, die sich um 3,20 Prozent auf 90,20 Euro verbilligte. Unter Analysten gilt die Aktie trotz der deutlichen Abschlägen seit Börsenstart immer noch als überbewertet.

Deutsche Bank, HypoVereinsbank und auch die Aktien der Commerzbank konnten ihre Verluste ausgleichen und pendelten in etwa um ihr Vortagesniveau.

Nach Gewinnen im Freitagshandel bröckelten Volkswagen rund ein Prozent auf 52,20 Euro ab. Die Aktien hatten am Freitag nach Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal zugelegt. Händler erklärten dies mit Gewinnmitnahmen. Darüber hinaus äußerte sich ein Händler kritisch zu den am Freitag vorgelegten Unternehmenszahlen. "Vielleicht ist dem ein oder anderen aufgefallen, dass die Geschäftszahlen, die VW vorgelegt hat, doch nicht so positiv sind, wie in der ersten Euphorie angenommen", sagte er. So hätte der Automobilhersteller einige angekündigte Investitionen doch nicht getätigt

Die Aktien von DaimlerChrysler konnten sich wieder berappeln und notierten zuletzt mit einem halben Prozent auf 56,78 Euro im Plus. Das Investmenthaus Merrill Lynch hatte am Morgen die Aktien von "Neutral" auf "Reduzieren" gestuft. Chrysler-Chef Dieter Zetsche hatte zudem in einem Interview erklärt, dass er auf nordamerikanischen Markt auch langfristig nur eingeschränkte Chancen für Diesel-Pkw sehe. "Die dramatische technologische Entwicklung, die der Diesel in den letzten fünf Jahren in Europa genommen hat, wurde hier nicht erlebt", sagte der Chef des amerikanischen Konzernteils von DaimlerChrysler. Diese Nachrichten fanden bei den Investoren offenbar wenig Gehör.

Der Nutzfahrzeughersteller MAN will sein Personal nach Informationen des "Handelsblatts" deutlich stärker abbauen als bisher vorgesehen. Die Wirtschaftszeitung bezieht sich dabei auf Kreise aus dem Aufsichtsrat. Die Aktie präsentierte sich rund ein Prozent fester auf 25 Euro. Der Vorstand kommentierte den Bericht allerdings nicht.

Das krisengeschüttelte Medienunternehmen EM.TV hat seine Beteiligung an dem US-Medienkonzern Crown Media verkauft. Der Verkaufserlös betrage 90 Millionen Dollar (gut 200 Millionen Mark), einschließlich sonstiger vereinbarter Zahlungen erhalte EM.TV insgesamt 103 Millionen Dollar, teilte EM.TV am Montag mit. Mit dem Erlös solle der Schuldenberg verkleinert werden. Die Aktie führte die Gewinnerliste im Nemax 50 mit Kursaufschlägen von zuletzt rund 20 Prozent auf 3,73 Euro an.

"Wie an den Vortagen ist das nur eine wilde Zockerei", sagte ein Händler. Auch durch den Vorstandswechsel in der vergangenen Woche habe sich fundamental noch nichts geändert. Die Quartalszahlen seien sehr schlecht gewesen: Zudem sei das Kerngeschäft, der Filmrechtehandel, komplett zusammen gebrochen.

Kinowelt gegen den Trend schwach

Gegen den Aufwärtstrend der Medienaktien ist die Aktie der Kinowelt gefallen. Während der Subindex Media und Entertainment-Aktien um rund 3,73 Prozent stieg, verloren die Kinowelt-Papiere fünf Prozent auf 2,47 Euro. "Mit Sicherheit haben die Anleger auch Angst vor den Quartalszahlen", sagte ein Händler in München. Der Kursanstieg der Medienwerte sei auf die Kursrallye bei EM.TV zurückzuführen. Durch den Abgang Haffas hätten die Anleger wohl etwas Vertrauen zu den Medienwerten gefasst. Insgesamt "ist die ganze Veranstaltung aber eher eine üble Zockerei".

Nach Vorlage der Halbjahreszahlen, die eine Umsatzverdopplung gegenüber dem Vorjahr erbrachte, stiegen die Aktien der Umweltkontor zuletzt um 15 Prozent auf rund 42,50 Euro und belegten damit einen Spitzenplatz im Nemax 50.

Die Aktien der Ce Consumer verloren 2,47 Prozent auf 6,65 Euro. Der Chipbroker hatte die seit längerer Zeit angekündigte Übernahme SND Electronics Inc. abgeschlossen und dabei den Kaufpreis reduzieren können.

Der Biotechnologiewert Morphosys verteuerte sich um fünf Prozent auf 40,66 Euro, nachdem das Unternehmen in der Zusammenarbeit mit GPC Biotech das Erreichen eines Meilensteins bei einer Medikamentenentwicklung gemeldet hatte. GPC-Aktien verteuerten sich um mehr als zehn Prozent auf 10,63 Euro.