Börse am Mittag Die Anleger kaufen alles
Frankfurt am Main - Starke Kursgewinne der in der Vergangenheit arg strapazierten Versicherungstitel aber auch Zugewinne bei Pharma- und Chemietiteln haben den Dax gegen Mittag kräftig angeschoben. Das Börsenbarometer baute seine Zugewinne auf mehr als vier Prozent bei 3724 Punkte aus. Am Neuen Markt stieg der Auswahlindex Nemax 50 um rund drei Prozent auf 544 Punkte. Händler erklärten die Gewinne als Reaktion auf die hohen Kursverluste der vergangenen Woche.
Allianz und Münchener Rück steigen drastisch
So kletterten Papiere des Index-Schwergewichts Allianz in einem positiven Marktumfeld um mehr als acht Prozent auf 158 Euro. Münchener Rück verteuerten sich um mehr als sieben Prozent und knackten damit die Marke von 200 Euro.
"Die Titel waren in letzter Zeit überverkauft", erklärte ein Händler den Aufschwung. Nun gebe es Schnäppchenjäger, die den vermeintlich niedrigen Kurs nutzten. Fundamentale Gründe dafür gebe es an hingegen nicht.
Spekulationen treiben T-Aktie
Spekulationen um einen möglichen neuen Telekomvorstand beflügelten die T-Aktie . Das Papier kletterte um knapp fünf Prozent auf 12,46 Euro. Künftiger Vorstandsvorsitzender soll nach Angaben aus dem Bonner Konzern nahestehenden Kreisen der bisherige Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff werden. Die "Bild" berichtet dagegen, Middelhoff habe kein Angebot zur Übernahme der Führung der Deutschen Telekom. Ihm soll jedoch aus den USA ein Angebot des Medienkonzerns AOL-Time-Warner vorliegen.
Schering will weiter wachsen
Schering stiegen um 4,50 Prozent auf 51,33 Euro. Übernahmephantasien und das angekündigte Aktienrückkaufsprogramm stützten Händlern zufolge den Kurs. Vorstandschef Hubertus Erlen sagte dem "Handelsblatt", dass er auch in den kommenden Jahren seinen operativen Gewinn jeweils um zehn Prozent steigern wolle. Das Unternehmen hatte im zweiten Quartal beim Betriebsgewinn ein Plus von sieben Prozent erzielt.
Die optimistische Gewinnprognose begründete der Konzernchef mit dem Wachstum der Hauptprodukte und dem US-Geschäft. Im zweiten Quartal hatte Schering den Umsatz in den USA kursbereinigt um 22 Prozent gesteigert. Bis zum 2005 soll der US-Erlös verdoppelt werden.
Epcos und Infineon machen Boden gut
Zu den Gewinnern im Dax zählten ebenso die in der vergangenen Woche arg gebeutelten Papiere von Epcos , die um mehr als sieben Prozent zulegten. Infineon legten um mehr als 3,50 Prozent auf 14,64 Euro zu.
Fresenius Medical Care , die am Dienstag ihre Zahlen vorlegen, verteuerten sich um 5,66 Prozent auf 42 Euro. Bayer gewannen rund vier Prozent auf 25,67 Euro hinzu.
Die Deutsche Bank , die am Donnerstag ihre Halbjahreszahlen vorlegen wird, will offenbar bis Ende 2003 in Deutschland keine zusätzlichen Stellen mehr abbauen. Das hat Vorstandschef Josef Ackermann dem Konzernbetriebsrat während eines Treffens versichert, schreibt das Handelsblatt. Beim Ergebnis erwarten Analysten indes einen deutlichen Rückgang. Die Aktie rückte gegen Mittag um mehr als drei Prozent vor.
Abgeschlagen dagegen die Titel der HypoVereinsbank , die lediglich um rund ein halbes Prozent kletterten. Die Titel litten weiter unter den in der vergangenen Woche gemeldeten schwachen Quartalszahlen. Papiere der Commerzbank konnten dagegen nach einem schwachen Start deutlicher zulegen und gewannen zuletzt rund 1,80 Prozent auf 11,68 Euro hinzu.
Volkswagen-Papiere vor Zahlen gefragt
Bei Volkswagen schließen Analysten eine Gewinnwarnung nicht aus. Der Automobilkonzern gibt am Dienstag die Halbjahreszahlen bekannt. Viele Analysten sind davon überzeugt, dass das Gewinnziel für 2002 nach unten korrigiert werden muss, glauben aber, dass dies bereits in den Aktienkurs eingepreist sei. Der Titel gewann zuletzt mehr als 3,60 Prozent auf 42,23 Euro hinzu. Auch die anderen Autowerte waren stark gefragt. BMW verteuerten sich um mehr als fünf Prozent, DaimlerChrysler gewannen 4,30 Prozent auf 43,31 Euro hinzu.
Zu den wenigen Verlierern gehörten MAN -Aktien mit einem Kursabschlag von rund zwei Prozent auf 19,26 Euro. Händler erklärten die Kursverluste mit skeptischen Prognosen der MAN-Führung. So werde es der Konzern in diesem Jahr schwer haben, die Prognose einer leichten Verbesserung beim Ergebnis zu erreichen. "Das Ziel ist ausgesprochen sportlich", sagte Vorstandschef Rudolf Rupprecht dem "Handelsblatt". Der eingebaute Spielraum bei den Planzahlen sei aufgebraucht.
Wall Street: Trüber Ausblick und neuer Bilanzskandal
Wall Street: Trüber Ausblick und neuer Bilanzskandal
Obwohl der Dow Jones am vergangenen Mittwoch mit mehr als sechs Prozent den höchsten Tagesgewinn in seiner Geschichte verzeichnet hatte, war das Wochenplus in der vergangenen Woche auf rund drei Prozent zusammengeschmolzen. Und, obwohl nach den deftigen Verlusten der Vorwoche in Höhe von rund 20 Prozent genügend Spielraum für eine Kurserholung vorhanden war: ein Indiz mehr für das geringe Vertrauen in die Märkte. Der Index der US-Technologiebörse gab auf Wochensicht 4,3 Prozent ab.
Am Freitag hatte der Dow Jones rund ein Prozent auf 8264 Punkte hinzugewonnen. Auch der Nasdaq Composite kletterte im späten Geschäft und schloss 1,8 Prozent fester auf 1262 Zähler.
Zumindest aus Sicht der Wall Street dürften Konjunkturdaten erneut die laufende Woche beherrschen. Doch auch beim Juli-Verbrauchervertrauen des Conference Board (Dienstag) rechnen Analysten mit einem Rückgang. Rückläufig dürften sich auch das Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal sowie der Einkaufsmanager-Index (beide Mittwoch) entwickelt haben, schätzen Marktbeobachter. Mit Spannung erwarten die Märkte am Freitag die Arbeitsmarktdaten für den Monat Juli.
Qwest verbucht Milliardenumsätze falsch
Trotz der wenig freundlichen Aussichten erhoffen optimistische Aktienstrategen eine Beruhigung der Märkte auf niedrigem Niveau. In Sachen Bilanzierung schließen sie allerdings neue Hiobsbotschaften nicht aus.