Börse am Mittag Die Bullen sind los
Frankfurt am Main - Nun haben die technischen Analysten das Wort. Sollte der Dax heute die Widerstandsmarke von 5352 Punkten nachhaltig überwinden, stehe einem weiteren Kursanstieg nichts im Wege, sagte ein Charttechniker der Deutschen Bank. Dow Jones und Nikkei hatten bereits in den vergangenen Tage wichtige Widerstandsmarken erfolgreich geknackt.
Geld folgt den Märkten
Für den Aufschwung auf breiter Front sind auch die hohen Bargeldbestände verantwortlich. Kein Fondsmanager will sich von seinen Kunden sagen lassen, er habe den deutlichen Anstieg der vergangenen Tage verpasst. Also springen Investoren auf den fahrenden Zug auf und kaufen nach, obwohl insbesondere Technologiewerte seit vergangenem Freitag bereits deutlich gestiegen sind.
Diese anhaltend hohe Nachfrage und weiter steigende Kurse zwingen drittens die Short Seller, die auf fallende Kurse wetten, ihre geliehenen Aktien am Markt zurückzukaufen: Der "Short Squeeze", die liquiditätsbetriebene Rallye und die grünen Signale der Charttechniker sind Faktoren, die am Donnerstag auch den Dax scheinbar mühelos weiter nach oben getrieben haben.
Hightechtitel vorneweg
Der Dax kletterte am Vormittag um 1,4 Prozent auf 5357 Zähler, während der Nemax 50 3,0 Prozent auf 1067 Punkte zulegte. Hightechtitel marschieren vorneweg: Der verhaltene Optimismus im US-Notenbankbericht "Beige Book" sorgen für beste Laune in der Branche. Besonders Technologiewerte zählen zu den Titeln, die von einem Aufschwung der Konjunktur sehr früh und sehr deutlich profitieren. Händler warnen jedoch vor zu viel Euphorie, denn das Risiko von Gewinnmitnahmen steigt.
Hightechs klettern weiter - Testfall Intel
Der Bauelemente-Hersteller Epcos war bereits gestern als stärkster Technologietitel aus dem Handel gegangen und legte am Donnerstag Vormittag um weitere 4,1 Prozent zu. Ab dem dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erwarte Epcos wieder Umsatzzuwächse, hieß es gestern während der Hauptversammlung in München. Auch Siemens und die Deutsche Telekom notierten in der Dax-Spitze. Ob die Deutsche Telekom es schafft, bis Jahresende ihre Nettoverschuldung von derzeit 65 Millionen Euro auf 50 Millionen Euro drücken, hängt wesentlich vom Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile ab. Das sagte Telekom-Chef Ron Sommer vor Vertretern der US-Handelskammer in Washington.
Während der heutigen Analystenkonferenz des Chipherstellers Intel erwarten Investoren heute Signale, die den Kursaufschwung in der Branche rechtfertigen. Der Chiphersteller Infineon kletterte indessen um 1,9 Prozent und notiert nur noch knapp unter 29 Euro.
Finanztitel ziehen nach
Auch Finanztitel wie die Deutsche Bank und die Commerzbank legten weiter zu. Die Konjunktur in Europa könnte auch ohne Zinssenkungen im Windschatten der USA wieder anziehen, hoffen Experten. Von den Sitzungen der Bank of England und der Europäischen Zentralbank erwarten Anleger heute keine Veränderung bei den Leitzinsen.
adidas kaum verändert - hohe Marketingausgaben
Europas größter Sportartikelhersteller adidas-Salomon rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einer Gewinnsteigerung zwischen fünf und zehn Prozent, nach einem Wachstum um 15 Prozent im Jahr 2001. Auf Grund der höheren Marketingkosten während der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft und der Übernahme der restlichen 50 Prozent an adidas Italien sei das Gewinnziel geringer als im Vorjahr. Die Aktie notierte am Donnerstag kaum verändert um die Marke von 80 Euro.
Überschuss bei Kamps gesunken
Unter den mittelgroßen Werten im Mdax sind die Papiere der Düsseldorfer Kamps unter Druck geraten. Der Jahresüberschuss des Großbäckers ist im Geschäftsjahr 2001 von 47,3 Millionen auf 5,5 Millionen Euro eingebrochen. Das um außerordentliche Faktoren bereinigte Konzernergebnis sei von 68,6 Millionen auf 20,2 Millionen Euro gesunken, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
Neuer Markt zum Geburtstag mit Rückenwind
Der Neue Markt kann zu seinem fünfjährigen Bestehen dank der Unterstützung der Nasdaq deutliche Kursgewinne verbuchen. Der Nemax 50 hat am Donnerstag Vormittag um knapp drei Prozent zugelegt. Schwergewichte wie Qiagen und T-Online legten deutlich zu.
Balda nach Zahlen fester
Zu den größten Gewinnern gehörten dennoch die Zockerwerte International Media und D.Logistics . Beide Titel legten am Donnerstag rund zehn Prozent zu. Balda startete mit einem Zuwachs von 6,3 Prozent: Mit 158,6 Millionen Euro habe sich der Umsatz trotz der Schwäche im weltweiten Handymarkt auf dem Niveau des Vorjahres (160,3 Millionen Euro) gehalten, teilte Balda am Donnerstag mit.
Wall Street: Beige Book steigert Kauflaune
Die US-Börsen hatten im späten Handel mit Kursgewinnen auf den Beige-Book-Bericht reagiert. Der Dow Jones baute seine Gewinne im späten Handel auf 1,4 Prozent aus und schloss bei 10574 Zählern, während der Technologieindex Nasdaq Composite während der letzten beiden Handelsstunden 1,3 Prozent auf 1890 Zähler zulegte. Die Probleme mit Bilanzierungspraktiken würden von Anlegern wegen positiver Konjunkturmeldungen kaum noch wahrgenommen, sagte Sam Stovall, Stratege bei Standard & Poor's.
Greenspan spricht vor dem Senat
Heute spricht Alan Greenspan vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Greenspan dürfte Euphorie bremsen, doch die Zeichen stehen auf Erholung, wie der verhaltene Optimismus im Konjunkturbericht (Beige Book) der US-Notenbank bestätigt. Sechs der dreizehn Distrikte der Fed sehen eine Verbesserung der wirtschaftlichen Aktivität, teilte die Fed am Mittwoch Abend mit. Nur drei Distrikte sprachen von einer anhaltend schwachen Wirtschaftsentwicklung, während die übrigen vier von einer gemischten wirtschaftlichen Lage sprachen.
Die Tendenzen auf eine wirtschaftliche Erholung bedeuten nicht zwangsläufig, dass die US-Notenbank nach ihrer Sitzung am 19. März die Zinsen erhöht. Denn die Inflationsrisiken sind gering: Preis- und Lohndruck seien quasi nicht vorhanden, hieß es im "Beige Book".
Nikkei legt deutlich zu
Rallye in Tokio
Die asiatischen Märkte haben die Vorgaben aus New York aufgenommen. Der Nikkei legte um 2,6 Prozent auf 11648 Zähler zu. Der Euro hat sich über der Marke von 0,87 Dollar gehalten. Am Donnerstag um 8 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung in Frankfurt 0,8779 Dollar.