Börse am Mittag Die Käufer streiken
Frankfurt am Main - Die massiven Kursverluste in New York im späten Handel haben auch an den deutschen Börsen den Kursrutsch beschleunigt. Der Dax baute bis 11 Uhr seine Verluste auf 1,7 Prozent aus und fiel zeitweise unter 4800 Punkte. Am Neuen Markt rutschte der Nemax 50 um weitere 4,7 Prozent auf 760 Zähler.
Microsoft kauft Navision: SAP gibt nach
Potenzielle Käufer warten trotz vermeintlicher "Einstiegskurse" noch ab. Vor der heutigen Sitzung der US-Notenbank Fed rechnet kaum ein Marktteilnehmer damit, dass Alan Greenspan bereits jetzt die Zinsen erhöht. Entscheidend wird jedoch der anschließende Kommentar des Notenbankchefs sein - für Börsianer ein Grund mehr, sich erst einmal mit Engagements zurück zu halten. "Die Taschen sind zu", sagte ein Händler in Frankfurt. Die Unsicherheit bleibt: Erst nach Börsenschluss in den USA legt der Netzwerkausrüster Cisco Systems Zahlen vor.
Zu den größten Verlierern im Dax zählte der Softwarehersteller SAP mit Verlusten von mehr als vier Prozent. Der US-Konzern Microsoft gab bekannt, dass er den dänischen SAP-Konkurrenten Navision für rund 1,3 Milliarden US-Dollar übernimmt. Mit der Übernahme von Navision bahnt sich ein direkter Wettbewerb mit dem größten europäischen Softwarekonzern SAP im Markt für Unternehmenssoftware an.
T-Aktie bleibt unter Druck
Doch auch Finanzwerte notierten sehr schwach: Deutsche Bank , MLP und HypoVereinsbank gaben jeweils mehr als drei Prozent nach, und auch die T-Aktie setzte mit einem Verlust von zuletzt 2,6 Prozent ihre Talfahrt fort. Der Deutschen Telekom macht der anhaltende Kursrutsch der Vodafone-Aktien zu schaffen. Die Stimmung in der Branche ist so schlecht, dass die Aktie weiterhin deutlich unter ihrem Emissionspreis von 14,57 Euro notiert.
Vor allem die schlechten Nachrichten zum PC-Hardware-Bereich sowie die deutlichen Verluste von Intel und IBM belasteten europaweit die Technologiewerte. Titel wie Epcos , Siemens und Infineon notierten schwächer: Die Investmentbank JP Morgan hat ihre Erwartungen für den PC-Absatz drastisch zurückgeschraubt und damit die Branche belastet.
BMW trotzt dem Trend
Zumindest der Autobauer BMW konnte sich zum Auftakt den schwachen Vorgaben entgegen stemmen und gehörte gemeinsam mit MAN , Metro und der Deutschen Post zu den vier Gewinnern im Dax. BMW hat seinen Umsatz im ersten Quartal um 14 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro gesteigert und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit sei bereinigt um einen Sondereffekt um 5,9 Prozent auf 955 Millionen Euro gestiegen.
Neuer Markt: Qiagen als Hoffnungsschimmer
Kaum Hoffnung am Neuen Markt. Der Nemax 50 verabschiedete sich gleich zu Handelsbeginn am Dienstag und baute seine Verluste bis zum Mittag auf knapp fünf Prozent aus. Nur das Biotech-Schwergewicht Qiagen legte gegen den Trend deutlich zu: Qiagen konnte Umsatz und Gewinn im ersten Quartal steigern und verzeichnete ein Kursplus von drei Prozent.
Dagegen wies der Ende April von der französischen Bank BNP Paribas übernommene Online-Broker ConSors im ersten Quartal einen weiteren Rückgang im operativen Geschäft auf. Wie die im Nemax 50 notierte Consors Discount-Broker AG am Dienstag mitteilte, verringerte sich der Nettoverlust jedoch wegen des Sparprogrammes. Der Verlust je Aktie betrug demnach im ersten Quartal 0,28 Euro nach einem Verlust von 0,33 Euro im Vorjahreszeitraum. Der gesamte operative Ertrag sei von 56,4 Millionen Euro auf 34,3 Millionen Euro gefallen. Die Zahl der An- und Verkäufe fiel nach Consors-Angaben um 43 Prozent auf 1,4 Millionen. Consors notierte zuletzt um den Vortagesschluss.
Wall Street: Anleger verlieren die Nerven
Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte baute am Montag im späten Handel seine Verluste deutlich aus und schloss knapp 200 Punkte (zwei Prozent) schwächer bei 9809 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite gab 2,1 Prozent auf 1578 Punkte nach - das ist der niedrigste Schlussstand seit fast sieben Monaten. Damit ist auch die wichtige Unterstützung bei 1600 Punkten durchbrochen. Die Zahl der Kursverlierer war mehr als doppelt so hoch wie die der Gewinner.
JP Morgan pessimistisch für PC-Absatz: IBM bricht ein
Im Dow Jones waren lediglich defensive Konsumtitel gefragt: So legten die Aktien von Procter& Gamble sowie Phillip Morris leicht zu. Größter Verlierer mit einem Minus von mehr als sieben Prozent auf 76 Dollar war die Aktien des Computerherstellers IBM , der unter einer pessimistischen Einschätzung der Hardwarebranche durch das Investmenthaus JP Morgan zu leiden hatte. Die Analysten gehen nun davon aus, dass der PC-Absatz um sechs Prozent zurückgehen wird, nachdem sie sich zuvor noch ein Minus von drei Prozent ausgemalt hatten.
Auch die Aktien des weltgrößten Chipherstellers Intel verloren daraufhin knapp drei Prozent. Vorstandschef Craig Barrett hatte erklärt, er rechne kurzfristig nicht mit einer spürbaren Erholung des Chipsektors. Gleichzeitig bestätigte das Unternehmen die Prognosen für das zweite Quartal, laut denen Intel einen Umsatz auf dem Niveau des Vorquartals erwartet. Ebenfalls durch eine Abwertung gerieten die Aktien des Intel-Konkurrenten und Chipherstellers Advanced Micro Devices unter Druck.
Der Ölkonzern Exxon gaben 3,30 Prozent auf 39,25 Dollar ab. Auf den Titel des Ölunternehmens drückte die angekündigte Wiederaufnahme der irakischen Ölexport, die die Ölpreise fallen ließ.
AT&T klagt: Kurseinbruch bei Qwest
Aktien von AT&T Corp. gaben 1,2 Prozent nach. Das Unternehmen hatte zuvor mitgeteilt, seinen Konkurrenten Qwest Communications wegen angeblicher Verstöße gegen Fusionsauflagen bei der US-Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC) angezeigt zu haben. Qwest-Aktien brachen darauf weiter ein.
Guter Start für Hewlett Packard/Compaq
Die Aktien der frisch fusionierten Computerhersteller Hewlett-Packard und Compaq , die erstmals mit dem neuen Börsenkürzel "HPQ.NYS" an den Start gingen, legten um bis Börsenschluss 4,47 Prozent auf 18,22 Dollar zu. HP hatte am Freitag nach Börsenschluss den Kauf der Compaq Computer Corp. abgeschlossen. Dem 18,4 Milliarden Dollar teuren und damit weltweit größten Zusammenschluss in der Computerbranche waren monatelange erbitterte Auseinandersetzungen mit dem Großaktionär Walter Hewlett voraus gegangen.
Cisco unter Druck
Auch bei den Anlegern von Cisco Systems überwiegt der Pessimismus. Cisco verloren einen Tag vor Veröffentlichung der Zahlen knapp zwei Prozent auf 12,89 Dollar. Die Anteilsscheine des Software-Herstellers Oracle rutschten um 2,4 Prozent. Aktien des Softwareherstellers BEA Systems verloren 7,6 Prozent auf 9,16 Dollar. Selbst die Nachricht, dass das Unternehmen mit dem Verteidigungskonzern Lockheed Technologie-Systeme für US-Bundesbehörden vermarkten wird, konnte den Kurs nicht stützen.
Euro klettert weiter
Kursrutsch in Tokio - Euro sehr fest
Die Börse in Tokio ist bereits den schwachen Vorgaben der Wall Street gefolgt. Der Nikkei-Index gab 234 Punkte (zwei Prozent) auf 11.316 Punkte nach. Auch hier gerieten Technologie-Titel unter die Räder. Der Euro kletterte dagegen am Dienstag Morgen weiter und notierte knapp unter 92 US-Cent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Vortag den Referenzkurs bei 0,9144 Dollar festgesetzt. Händler sagten, bis zu einer Erholung an den Börsen müsse noch viel heiße Luft aus dem Dollar entweichen: Angesichts des Handelsbilanzdefizits in den USA sei die Klettertour des Euro an den Devisenmärkten folgerichtig.