Börse am Mittag Die Stimmung hellt sich auf
Frankfurt am Main - Nach einem schwachen Start haben vor allem Kursgewinne von Banken- und Versicherungstiteln das Bild im Dax aufgehellt. Der Index für die Standardwerte befreite sich aus der Verlustzone und stand gegen Mittag mit 0,4 Prozent bei 5188 Zählern im Plus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 verharrten gegenüber dem Handelsauftakt wenig verändert bei 951 Punkten oder mit 0,8 Prozent im roten Bereich. Die Futures der amerikanischen Aktienmärkte notierten leicht im Plus, ließen aber keine klare Tendenz für den Handelsauftakt erkennen.
DaimlerChrysler-Aktie dreht
Aktien von DaimlerChrysler haben nach einem sehr schwachen Start zuletzt mit 0,12 Prozent auf 50,15 Euro ins Plus gedreht. "Die haben ihren sehr konservativen Ausblick nicht angehoben. Das ist schlecht für die Aktie", kommentierte Auto-Analyst Robert Pottmann von M.M. Warburg erste Aussagen des Konzerns auf der gegenwärtigen Hauptversammlung in Berlin. Insgesamt gebe es aber Anzeichen dafür, dass die Probleme des Konzerns nunmehr eher konjunktureller anstatt struktureller Natur seien. "Was den Markt irritiert, ist die Aussage, die langfristigen Ziele wegen der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung erst zu einem späteren Zeitpunkt zu erreichen", sagte Fondsmanager Gebhardt. Die US-Tochter Chrysler ist im ersten Quartal nach Konzernangaben allerdings wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Die Konkurrenten BMW und Volkswagen pendelten um ihren Vortagesschluss.
Finanzwerte geben den Ton an
Deutlich erholt zeigten sich Titel von Banken und Versicherungskonzernen. Nach einem schwachen Auftakt gewannen die Aktien der HypoVereinsbank zuletzt 1,31 Prozent auf 38,60 Euro hinzu. Am Dienstag hatte die Aktien nach einem BGH-Urteil zum Widerspruchsrecht von an der Haustür vermittelten Immobiliengeschäften mehr als zwei Prozent nachgegeben. Nun droht der Bank möglicherweise eine Sammelklage nach US-Recht, berichtet das Anlegermagazin "Die Telebörse" vorab. Demnach bereitet der Göttinger Rechtsanwalt Reiner Füllmich gemeinsam mit zwei US-Partnerkanzleien die Klage nach Art der "Class Action" vor. Gegenstand der Klage seien an der Haustür oder am Arbeitsplatz verkaufte Immobilien. Unter den rund 300.000 in Deutschland Geschädigten gebe es auch zahlreiche Amerikaner, schreibt das Magazin.
Aktien der Commerzbank setzten sich mit Zugewinnen von 2,26 Prozent auf 19,88 Euro an die Spitze des Index. Die Bank hatte am Vortag ihre Geschäftszahlen für das vergangene Jahr und das erste Quartal vorgelegt.
Die Papiere des Finanzdienstleisters MLP verbesserten sich um 1,91 Prozent auf 77,55 Euro. MLP hatte am Vortag nach guten Geschäftszahlen und einen optimistischen Ausblick bereits 5,70 Prozent zugelegt.
Fest notierten auch die Titel der Allianz und der Münchener Rück , die jeweils rund 1,50 Prozent hinzugewannen. Händler führten die Aufschläge auf einen freundlichen Ausblick des Schweizer Konkurrenten Swiss Re zurück. Der Rückversicherer hatte am Morgen frühere Prognosen bekräftigt, wonach 2002 mit einem deutlichen Ergebnisanstieg zu rechnen sei.
Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer verhandelt einem Zeitungsbericht zufolge mit diversen japanischen Unternehmen. Ergebnis könnten strategische Bündnisse oder Fusionen und Übernahmen in bestimmten Unternehmensbereichen sein, schreibt die "Financial Times Deutschland". Die Aktie von Bayer baute ihr Gewinne auf 0,75 Prozent oder 38,38 Euro aus.
Nach den schwachen Vorgaben der Nasdaq und Gerüchten um eine Gewinnwarnung des Netzwerkausrüsters Cisco Systems gehörten Technologiewerte am Vormittag zunächst zu den größten Verlierern im Dax, konnten ihre Verluste allerdings gegen Mittag reduzieren. SAP , Siemens , und Infineon notierten nur noch leicht im roten Bereich.
Aktien des Spezialgas-Konzerns Linde AG sind um 1,22 auf rund 56 Euro gefallen. Händler in Frankfurt wiesen auf Gerüchte hin, nach denen die Investmentsparte der Deutschen Bank den Wert von "Buy" auf "Marketperform" herabgestuft habe. Gleichzeitig sei das Kursziel für den Industriewert zurückgenommen worden, berichteten Händler. Es sei von 65 auf 60 Euro gekürzt worden. Trotzdem werde die Aktie von der Deutschen Bank weiterhin als "sicherer Hafen" angesehen, hieß es weiter.
Neuer Markt: Comroad wird abgestraft
Neuer Markt: Comroad wird abgestraft
Am Neuen Markt nimmt der Skandal um Scheingeschäfte des Telematik-Anbieter Comroad ungeahnte Ausmaße an. Marktbeobachter sprechen vom größten Betrugsfall am Neuen Markt. Das Unternehmen muss nach einer Sonderprüfung seine Umsatzangaben für das abgelaufene Geschäftsjahr deutlich nach unten revidieren müssen. Der Umsatz betrage 1,3 Millionen Euro statt der zuvor gemeldeten 93,6 Millionen Euro, teilte das im Nemax 50 notierte Unternehmen am Mittwoch mit. Die Aktie von Comroad - ohnehin nur noch ein Pennystock - gab in der Spitze mehr als 40 Prozent ab und stand zuletzt mit 28 Prozent auf 0,52 Euro im Minus.
Die Aktie des Reparatur-Dienstleisters Teleplan ist am Mittwoch auf ein neues Jahrestief gefallen. Das Papier zuletzt knapp fünf Prozent auf 11,32 Euro nach. Das bisherige Jahrestief der Aktie lag bei 11,55 Euro.
Während Aktienhändler den Kursrückgang in der vergangenen Woche noch mit einem Verkäufer aus Übersee begründeten, hinterließ der neuerliche kräftige Sturz eher Ratlosigkeit. "Ich kann mir das auch nicht erklären, denn die Zahlen waren fundamental in Ordnung und die Bilanz enttäuschte auch in den Details nicht ", sagte ein Händler in Frankfurt. Das Papier sei allerdings charttechnisch angeschlagen. "Ich kann das nicht kommentieren", sagte ein weiterer Börsianer. Es sei nur erschreckend, wie das Papier bei diesen dünnen Umsätzen regelrecht geschlachtet werde. Anfang des Jahres war die Aktie noch 16,90 Euro wert.
Wall Street: Gerüchte um Cisco-Gewinnwarnung
Wall Street: Gerüchte um Cisco-Gewinnwarnung
Die amerikanischen Aktienmärkte haben ihren Abwärtstrend nach Handelsschluss in Deutschland fortgesetzt und dürften am Mittwoch zunächst Druck auf die Kurse in Deutschland ausüben. Der Dow Jones gab 0,4 Prozent auf 10.208 Zähler nach. Der Nasdaq Composite präsentierte sich 2,4 Prozent schwächer auf 1742 Punkte.
Vor allem auf Technologieaktien drückte die Sorge der Investoren, der bevorstehende Berichtszeitraum für das erste Quartal könnte mit unangenehmen Überraschungen aufwarten, hieß es. Die meisten Unternehmen würden wahrscheinlich bescheidene Quartalsergebnisse vorlegen, passend zum Anfangsstadium eines sich eher langsam entwickelnden Aufschwungs, sagten Marktbeobachter. Technologiewerte wie die Aktien des Netzwerkers Cisco Systems sowie Microsoft und Intel gaben kräftig nach.
Cisco Systems etwa fielen um mehr als acht Prozent. Nach der Ertragswarnung von IBM (plus 0,2 Prozent) am Montag und Nortel Networks (plus 1,68 Prozent), die am Dienstag eine Umsatzwarnung herausgegeben hatten, befürchteten Marktteilnehmer nun auch eine Warnung des Netzwerkspezialisten. Der gesamte Netzwerkbereich gab um rund drei Prozent nach. Gleichwohl erwarten die Experten von Soundview Financial, dass das Management von Nortel die Umsatz- und Ertragsprognosen für das Quartal einhalten könne.
Immerhin konnte nach Handelsschluss das Biotechnologie-Unternehmen Genentech nach Handelsschluss über steigende Umsätze und ein verbessertes Quartalsergebnis berichten. Mit Spannung werden heute nach Handelsschluss die Zahlen für das erste Quartal des Internetkonzerns Yahoo! erwartet. Am Donnerstag dann folgen Juniper Networks und General Electric.
Tokio: Nikkei notiert fest
Die asiatische Leitbörse hat am Mittwoch einen Teil ihrer Verluste des Vortages wett gemacht. Der Nikkei schloss 0,9 Prozent fester auf 11.218 Zählern.
Euro notiert behauptet
Euro notiert behauptet
Der Kurs des Euro hat sich am Mittwoch Mittag über der Marke von 88 US-Cent behauptet, während gleichzeitig der Dollar unter Druck geriet. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 12.30 Uhr 0,8805 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag bei 0,8763 (Montag: 0,8778) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1412 (1,1392) Euro.
Die US-Währung war in der Nacht in Tokio deutlich gefallen. Der Euro hatte am Vortag vom nachlassenden Ölpreis profitiert. Das habe dem Euro-Kurs gut getan, sagte ein Frankfurter Devisenhändler. "Europa verfügt im Vergleich zu den USA über weniger Ölvorräte und importiert auch mehr Öl. Deshalb leidet der alte Kontinent stärker unter einem höheren Ölpreis."