Börse am Mittag: Die Terror-Angst geht um - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Die Terror-Angst geht um

In Frankfurt baut der Dax gegen Mittag seine Verluste aus, auch die vorbörslichen Barometer in New York signalisieren eine schwachen Auftakt der US-Börsen. Die Zurückhaltung der Anleger werde die Woche über andauern, befürchten Händler. Unter Druck stehen vor allem Technologie- und Versicherungswerte.
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Frankfurt am Main – Die deutschen Aktienmärkte haben ihre Verluste gegen Mittag ausgebaut. Der Dax fiel bis 12.30 Uhr 2,3 Prozent auf 3405 Zähler ab. Am Neuen Markt rutschte der Nemax 50 um 2,4 Prozent auf 444 Punkte ab.

"Diese Woche ist wegen des Jahrestags des 11. September eine ganz besondere Woche", sagte ein Aktienhändler. Die Anleger seien aus Furcht vor weiteren Anschlägen sehr zurückhaltend, so Aktienstratege Giuseppe Amato vom Broker Lang & Schwarz. Mit Kursgewinnen sei auf Wochensicht daher nicht zu rechnen. Ein Händler sagte, Anleger dürften kaum größere Positionen eingehen. "Das Risiko ist einfach zu groß. Keiner weiß, was am 11. September passieren wird."

Papiere der Deutsche Post   gehörten zu den größten Verlierern und gaben mehr als 3,50 Prozent auf 10,57 Euro nach. Ein Sprecher wies Medienberichte zurück, der Konzern habe seine Prognosen nach unten revidiert. Die Post rechne nach eigenen Angaben für 2002 weiter mit einem Umsatz von knapp 40 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn (Ebita) zwischen 2,2 und 2,3 Milliarden Euro.

Die "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hatte zuvor berichtet, Finanzvorstand Edgar Ernst habe mit eben diesem Umsatzangaben unter der bisher angepeilten Marke von 41 Milliarden Euro gelegen und damit die Prognose in einem Interview der Zeitung leicht nach unten revidiert.

Deutsche Telekom unter Druck

Auch die T-Aktie   büßte ein und verlor rund 2,70 Prozent auf 10,41 Euro. Das Papier hatte allerdings am Freitag nach Spekulationen um mögliche Fortschritte beim Schuldenabbau rund elf Prozent hinzugewonnen.

Nach einem Pressebericht soll die freie Wahl des Netzbetreibers bei Ortsgesprächen doch noch vor der Bundestagswahl beschlossen werden. Zudem sagte der frühere Ministerpräsident Baden-Württembergs, Lothar Späth (CDU), dass im Falle eines Wahlerfolges der CDU/CSU die Telekom möglichst schnell vollständig privatisiert werden soll. Er plädierte zudem für eine "knallharte Deregulierung".

SAP: Goldman Sachs reduziert Gewinnerwartung

Technologiewerte standen durch die Bank auf den Verkaufslisten der Anleger. SAP   verloren mehr als zwei Prozent auf knapp 66 Euro. Die Investmentbank Goldman Sachs senkte ihr Kursziel für SAP auf 90 Euro von zuvor 100 Euro und reduzierte ihre Gewinnerwartungen je Aktie für 2002 und 2003.

Siemens   gaben mehr als drei Prozent auf 43 Euro ab. Epcos   verloren etwa 4,30 Prozent auf 12,73 Euro und waren damit zwischenzeitlich schwächster Wert im Dax. Infineon   notierten rund drei Prozent leichter.

Nach Angaben eines Frankfurter Händlers dürften die Aussagen von Siemens-Chef Heinrich von Pierer in der "Welt am Sonntag" zum Stellenabbau des Unternehmens kaum Einfluss auf den Kurs genommen haben. Der Konzernchef hatte gesagt, er wolle keine Massenentlassungen. Siemens werde sämtliche Instrumente nutzen, "um den Prozess so weit es geht erträglich zu gestalten". Zu der kursierenden Zahl von bis zu 35.000 Stellenstreichungen wollte sich von Pierer nicht äußern.

Versicherungstitel gaben nach ihren deutlichen Zugewinnen am Freitag wieder ab. Münchener Rück   verloren rund drei Prozent auf rund 168 Euro. Die Ratingagentur Moody's hatte zuvor ihren Ausblick für die Branche der europäischen Rückversicherer mit negativ angegeben. Papiere der Allianz   gaben rund 1,50 Prozent auf 117 Euro ab.

Neuer Markt: Biotechwerte gefragt

Das Biotechnologie-Unternehmen Morphosys   verhandelt mit British Biotech über eine mögliche Fusion. Das Bestätigte Morphosys-Finanzchef Dave Lemus auf Anfrage von Nachrichtenagenturen. Zuvor hatten bereits die Briten die laufenden Fusionsverhandlungen bestätigt. Die Aktie von Morphosys   kletterte zuletzt um rund sieben Prozent auf 19 Euro. Am Vormittag hatte das Plus schon rund 13 Prozent betragen.

Das deutsch-amerikanische Biotechnologie-Unternehmen Medigene   hat eigener Einschätzung nach vielversprechende Ergebnisse bei der Entwicklung eines Medikaments gegen Leberkrebs erzielt. Dies beflügelte die im Nemax 50 notierte Aktie zuletzt auf 5,40 Euro: ein Plus von acht Prozent.

Die klinische Phase 1 Studie für den Wirkstoff NV 1020 sei erfolgreich abgeschlossen worden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Die Ergebnisse seien "sehr ermutigend und veranlassen uns dazu, die klinische Entwicklung des Wirkstoffs weiterzuführen", sagte der Forschungs- und Entwicklungsvorstand, Johanna Holldack.

Die gentechnisch modifizierten Herpes-Viren bekämpften durch Dickdarmkrebs ausgelöste Lebermetastasen, ohne dabei gesundes Gewebe zu zerstören. Nach Unternehmensangaben vom August diesen Jahres schätzen Analysten das jährliche Umsatzpotenzial von NV1020 auf mehr als 200 Millionen Euro.