Börse am Mittag Eichels Pläne schrecken nicht
Frankfurt am Main - Nach einem freundlichen Auftakt haben die deutschen Aktienmärkte ihre Gewinne bis zum Mittag ausgebaut. Der Dax kletterte bis zwölf Uhr um zwei Prozent auf 3254 Punkte. Ein wichtiger charttechnischer Widerstand liege jetzt aber bei 3266 Punkten, und noch sei keine nachhaltige Aufwärtsbewegung in Sicht, sagte ein Marktbeobachter. Die derzeitige Trading-Range reiche bis zu 3450 Punkten.
Der MDax gewann um 0,2 Prozent auf 3111 Punkte. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 431 Zählern, ein Plus von einem Prozent.
Die Absicht der Bundesregierung, ihre ursprünglichen Pläne für die Besteuerung von Kursgewinnen aufzugeben und Aktienkursgewinne künftig pauschal mit 15 Prozent zu besteuern, wurde von Händlern begrüßt. "Darauf kann sich jeder einstellen, und damit kann jeder leben", sagte ein Marktbeobachter. Möglicherweise werde es durch eine solche Regelung auch weniger Steuerhinterzieher geben.
Gestützt wurde der Markt auch von positiven Analystenstimmen. So haben die Analysten von Merrill Lynch den europäischen Telekommunikationssektor hochgestuft. Die neue Einstufung lautet "Übergewichten" nach zuvor "Neutral". Davon profitierte vor allem die T-Aktie , die um über fünf Prozent auf 12,16 Euro stiegen.
Im Blickpunkt der Investoren stand Bayer . Medienberichten zufolge hat der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline Interesse an der Pharmasparte von Bayer und will für diese rund acht Milliarden Euro bieten. Dies wäre eine sehr gute Nachricht für Bayer, sagten Händler. Die Aktie reagierte mit einem Plus von 4,3 Prozent auf 23,29 Euro.
Technologiewerte tendierten fester: SAP-Aktien gewannen 2,6 Prozent auf 84,99 Euro und Epcos-Titel 8,3 Prozent auf 13,44 Euro. Die Anteilsscheine von Siemens verteuern sich um 1,5 Prozent auf 48,38 Euro.
Auch die Versicherer legten deutlich zu: Allianz-Aktien rückten um 3,9 Prozent auf 107 Euro vor, und die der Münchener Rück um sechs Prozent auf 138,70 Euro. Auch hier half eine positive Analystenstimme: Die Deutsche Bank hatte ihre Bewertung der Münchener Rück auf "Halten" von "Verkaufen" angehoben Gleichzeitig sei das Kursziel auf 138 Euro von zuvor 121 Euro angepasst worden, bestätigten die Analysten.
Die Zahlen zum dritten Quartal haben KarstadtQuelle kurz nach Erscheinen auf den letzten Platz im MDax gedrückt. Die Aktie sank am Vormittag um 3,2 Prozent, erholte sich im weiteren Verlauf aber wieder. Zuletzt stand das Papier auf 19,69 Euro, ein Minus von 0,8 Prozent.
Marktteilnehmer monierten sowohl die Umsatzzahlen - KarstadtQuelle hatte das Ziel von 0,8 Prozent Umsatzwachstum im dritten Quartal verfehlt - als auch den Ausblick auf das Gesamtjahr. Hier erwartet Europas größter Einzelhandels- und Versandkonzern einen Umsatzrückgang um drei Prozent. "Die Zahlen sind enttäuschend", sagte ein Händler im Gespräch mit dpa-AFX. Ein süddeutscher Analyst hatte dem wenig hinzuzufügen: "Die Ergebnisprognose ist enttäuschend, das war aber vorauszusehen", sagte er. Insgesamt sei für die Aktie in der nächsten Zukunft "keine große Belebung" zu erhoffen, denn KarstadtQuelle erwirtschafte rund 90 Prozent seiner Umsätze in Deutschland im Retail- und Textilbereich. "Und die laufen derzeit nicht gut", erklärte der Marktteilnehmer.
Analytik Jena schmiert nach Gewinnwarnung ab, Herbe Verluste in Tokio, Euro hält sich über der Dollar-Parität
Der Neue Markt präsentierte sich im Gleichklang mit den Standardwerten ebenfalls freundlich. Der Messtechnik-Hersteller Analytik Jena hat am Morgen mit einer Gewinnwarnung enttäuscht. Die Gesellschaft erwarte nun ein ausgeglichenes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), nachdem sie bisher von rund 1,7 Millionen Euro ausgegangen sei, hieß es in einer Ad-hoc-Mitteilung. Die Aktie reagierte mit einem Kursrutsch von mehr als zwölf Prozent auf 5,69 Euro.
Die Gewinnerliste im Nemax 50 wurde angeführt von IM International Paper . Das Papier kletterte um über zwölf Prozent auf 1,07 Euro. Das Unternehmen legt nach eigenen Angaben ein hartes Sparprogramm auf und streicht jede dritte Stelle. Damit verlieren etwa 30 der rund 90 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Den Gesamtbetrag des geplanten Programms zur Kostensenkung bezifferte IM auf 28,7 Millionen Euro.
Die Börse in Tokio hat am Montag schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte 157,58 Punkte oder 1,8 Prozent ein und ging mit 8346 Punkten aus dem Handel. Der breit angelegte Topix gab ebenfalls deutlich nach und schloss mit einem Minus von 15,50 Punkten oder 1,8 Prozent beim Stand von 823 Zählern.
Kursverluste der Banktitel belasteten den Handel. Mizuho fielen um 15.000 Yen auf 119.000 Yen. UFJ Holdings verloren 9000 Yen auf 99.000 Yen. Mitsubishi Tokyo Financial fielen um 20.000 Yen auf 680.000 Yen und Sumitomo Mitsui Banking gaben elf Yen auf 356 Yen ab.
Die japanische Notenbank will am 29. November mit dem Kauf von Aktien aus den Portfolios japanischer Geschäftsbanken beginnen. Damit solle das Finanzsystem stabilisiert werden, teilte die Bank von Japan am Montag in Tokio mit. Geldinstitute können sich bis 25. November melden, wenn sie Aktien an die Notenbank abgeben wollen. Bis zum folgenden Tag werde die Notenbank bekannt geben, welche Aktien sie kaufen wolle.
Auch Technologiewerte waren schwach. Advantest fielen um 20 Yen auf 4630 Yen. Tokyo Electron gaben zehn Yen auf 5110 Yen nach. Kyocera verbilligten sich um 120 Yen auf 6860 Yen.
Der Kurs des Euro ist am Montag zum Wochenstart gestiegen. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 11.30 Uhr 1,0086 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag bei 1,0029 (Donnerstag: 1,0095) Dollar festgesetzt.
Chancen auf eine Stabilisierung des Euro bei der Marke von 1,01 Dollar sehen die Analysten der Bank Trinkaus & Burkhardt. Ursache dafür dürften schwache Wirtschaftsdaten aus den USA sein. Unterstützung für den Dollar kam hingegen aus Japan. Neue Finanzskandale belasteten die dortigen Aktienmärkte.