Börse am Mittag Ein Damoklesschwert namens Intel
Frankfurt am Main - Der Dax baute bis 12 Uhr sein Plus auf 1,3 Prozent auf 4684 Zähler aus. Am Vortag hatte der Index auf Jahrestief geschlossen. Trotz der späten Erholung in den USA und den optimistischen Tönen aus dem Hause SAP und Oracle bleiben Anleger jedoch skeptisch: Noch schwebt der für heute erwartete Intel - Ausblick wie ein Damoklesschwert über den Märkten.
Besonders bei den Wachstumstiteln wollen sich Anleger nicht noch einmal die Finger verbrennen: Die Erholung im Nemax 50 fiel trotz der festen Nasdaq mit gerade einmal drei Punkten (0,3 Prozent) sehr bescheiden aus.
SAP-Rallye: Plattner und Ellison mit Doppelpass
Die Softwareschmiede SAP war mit einem Kursplus von knapp vier Prozent auf 113,90 Euro unangefochtener Spitzenreiter im Dax. SAP-Chef Hasso Plattner beruhigte ebenso wie sein US-Konkurrent Larry Ellison von Oracle die nervösen Anleger und hält an den Prognosen für das Geschäftsjahr 2002 fest. Es gebe keine neuen Fakten, die eine Änderung rechtfertigten, erklärte Plattner. Es stünden interessante Deals vor dem Abschluss, die aber erst veröffentlicht würden, wenn sie unterschrieben seien. Die Bemühungen von Microsoft, in den Software-Markt für mittelständische Betriebe einzusteigen, dürften viel Geld und Zeit kosten, so Plattner.
Erholung bei Hightechtiteln
Auch die übrigen Technologietitel holten die späten Gewinne an den US-Börsen nach. Infineon und Siemens legten jeweils mehr als ein Prozent zu. Entscheidend für den weiteren Verlauf an den Märkten dürfte der Ausblick des Chipriesen Intel sein. Analysten vermuten, dass das Unternehmen seine Umsatzprognose an diesem Donnerstag herunterschraubt. Ein schwaches zweites Quartal sei nach Meinung von Experten aber bereits in die Aktienkurse eingepreist.
Autotitel legen zu
Die Autotitel DaimlerChrysler , BMW und Volkswagen notierten am Donnerstag geschlossen auf der Gewinnerseite. Dabei war DaimlerChrysler mit einem Plus von 1,5 Prozent im Branchenvergleich stärkster Wert. Die Aktie profitierte davon, dass DaimlerChrysler und Deutsche Telekom offenbar den Zuschlag für das LKW-Mautsystem in Deutschland bekommen sollen. Auch Volkswagen drehte nach den Vortagesverlusten ins Plus: VW will die Produktionskosten der zusammen mit chinesischen Joint-Venture-Partnern hergestellten Automobile senken. Einem Artikel des "Wall Street Journal Europe" zufolge befürchte VW sonst, in China nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein.
Post am Tag der HV schwächer
Schwächste Werte bis Donnerstag Mittag waren Fresenius , Post und Eon mit Verlusten zwischen 0,5 und 1,9 Prozent. Post-Chef Klaus Zumwinkel tröstete während der Hauptversammlung in Köln die Anleger, die einen Kursverlust von rund 30 Prozent seit Börsengang beklagen. Das Unternehmen will sich ein Aktienrückkaufprogramm genehmigen lassen. Für den Druck auf die Aktie sorge vor allem die Ankündigung der Gewerkschaft ver.di, die Streiks auszuweiten, sagten Händler. Auch E.ON gab nach, obwohl der Konzern durch Verkauf seiner Orange-Anteile an die France Télécom knapp eine Milliarde Euro einnimmt.
T-Aktie: Großauftrag in Sicht
Die Aktie der Deutschen Telekom "erholte" sich bis Donnerstag Mittag um 1,4 Prozent auf 10,94 Euro, nachdem die Aktie am Mittwoch ein Allzeittief bei 10,75 Euro markiert hatte. Immerhin vergrößern sich die Chancen für einen neuen Großauftrag. Ein Konsortium aus Deutscher Telekom und DaimlerChrysler stehe kurz vor dem Zuschlag für einen Großauftrag zum Aufbau des Lkw-Maut-Systems in Deutschland, berichtet die "Financial Times Deutschland". Unterdessen wächst die Kritik am Aktienoptionsplan für Führungskräfte der Deutsche Telekom, schreibt das "Handelsblatt". Bilanzexperten sollen dem Bericht zufolge bemängeln, dass das Unternehmen die Aufwendungen für das Programm nicht in seiner Bilanz berücksichtigt.
Neuer Markt dümpelt weiter
Der Nemax 50 konnte die positiven Vorgaben der Nasdaq bis zum Mittag nicht umsetzen. Zu den größten Gewinnern zählten Gericom, Funkwerk und das Index-Schwergewicht T-Online , die sich deutlich stärker als der Markt erholten. Nach den schwachen Quartalszahlen brach die Aktie von Lion Bioscience um weitere zwölf Prozent ein und notiert unter vier Euro.
Nikkei gibt nach, Euro schwächer
Die Aktienbörse in Tokio hat am Donnerstag schwach tendiert. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte um 0,8 Prozent ein und notierte bei 11.574 Punkten. Der Euro notierte etwas schwächer mit 0,9344 Dollar nach 0,9381 Dollar am Vortag.