Börse am Mittag: Ein gelungener Wochenstart - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Ein gelungener Wochenstart

Technologie- und Finanztitel ziehen den Dax nach oben. Neben der Siemens-Familie bauen SAP und T-Aktie ihre Gewinne aus. Die Dresdner Bank profitiert von Übernahmegerüchten.
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Hamburg - Nach den starken Verlusten der Vorwoche beginnt der Dax mit großen Schritten seine Aufholjagd. Der Index kletterte bis zum Mittag um mehr als 160 Punkte (3 Prozent) über die 5700-Punkte-Marke.

Deutlicher waren die Gewinne am Neuen Markt: Der Nemax 50 gewann 5,1 Prozent auf 1603 Zähler, und der Nemax All Share legte 4,6 Prozent auf 1760 Punkte zu. Händler sehen die deutlichen Gewinne zunächst als technische Reaktion auf einen überverkauften Markt - von einer Trendwende mag kaum jemand sprechen.

Technologietitel verbuchten nach guten Vorgaben aus Japan und den USA bis zum Mittag die größten Gewinne. Doch die Allianz und die Dresdner Bank waren das bestimmende Thema. Nach einem Bericht des "Spiegel" erwägt der Versicherungskonzern eine Übernahme der Beraterbank, an der sie bereits als Großaktionär beteiligt ist. Die Dresdner Bank notierte ebenso wie die Deutsche Bank mit 4,2 Prozent Plus in der Spitzengruppe des Dax. Bei der Allianz fiel das Plus mit 1,8 Prozent bescheidener aus.

Epcos führten mit einem Plus von 8,4 Prozent die Gewinnerliste an. Die Prognose, dass die Preise im Halbleiter- und Chipbereich steigen, gab der Aktie weiterhin Auftrieb. Siemens gewann 7,2 Prozent auf 118 Euro, nachdem sich der Konzern einen Großauftrag aus Spanien gesichert hat. Auch Infineon legte ebenso wie SAP 4,9 Prozent zu.

Siemens und der spanische Hersteller Talgo haben den Zuschlag zum Bau der Züge für die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Barcelona erhalten. Beide Unternehmen sollen bis zum Jahr 2004 je 16 Züge im Gesamtwert von fast 1,5 Milliarden Mark bauen.

Die Einführung der UMTS-Technologie in Europa wird laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey rund 270 Milliarden Euro kosten. Die Aktien der Deutschen Telekom gewannen dennoch 4 Prozent auf 25,91 Euro.

Lohnabschluss drückt Lufthansa

Verlierer am Vormittag war die Lufthansa mit einem Minus von 2,8 Prozent auf 20,20 Euro. Die Kranich-Linie und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di haben sich auf eine Erhöhung der Löhne und Gehälter für die 55.000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine um 3,5 Prozent vom 1. April an geeinigt. "Dies kommt der Lufthansa sehr teuer", erklärte ein Händler. Zudem rechnet der Markt, dass die Fluggesellschaft das Ergebnis vom Vorjahr nicht halten könne.

Neue Berater bei DaimlerChrysler

DaimlerChrysler erörtert nach einem Bericht des "Spiegel" mit einem neuen Berater der Deutschen Bank verschiedene Möglichkeiten zur Verbesserung der Ertragslage, darunter einen Verkauf von Chrysler, eine Großfusion mit Ford oder VW sowie einen Ausstieg aus dem Geschäft mit kleineren Autos wie der A-Klasse oder dem Smart. DaimlerChrysler gewannen ebenso wie Volkswagen 2,5 Prozent hinzu, während BMW etwas schwächer notierte.

Trotz der Kursgewinne sei die Stimmung immer noch unsicher, sagte ein Händler. Die wirtschaftlichen Aussichten bleiben trübe. Die deutschen Erzeugerpreise für den Februar sind mit 4,7 Prozent zudem deutlicher gestiegen als von Analysten erwartet.

Für den Dax droht derzeit hauptsächlich Gefahr von der technischen Seite. Sollte der Index für die 30 wichtigsten deutschen Titel in dieser Woche erneut nachhaltig unter 5.500 Punkte rutschen, sind nach Ansicht technischer Analysten weitere Rückschläge zu erwarten. Am Donnerstag war der Index für einen Tag unter die Marke von 5.500 Zählern gesackt.

Neuer Markt erholt sich, Intershop bricht ein

Größte Gewinner im Nemax 50 waren am Vormittag die Biotechnologietitel. Lion Bioscience (plus 14 Prozent), Evotec(plus 18 Prozent) und Qiagen (plus 12 Prozent) legten ebenso wie Medigene (plus 11 Prozent) zweistellig zu.

Der Hightechbroker ACG hat einen Großauftrag von Siemens Hellas im Wert von 45 Millionen Euro erhalten - der größte Auftrag in der Unternehmensgeschichte von ACG. Das Unternehmen kletterte um 12 Prozent. Eine Zusammenarbeit mit der Victoria-Versicherung verhilft auch ID Media zu einem Kurssprung von rund 20 Prozent.

Intershop gehörte am Morgen zu den größten Verlierern. Der Umsatz für das erste Quartal werde statt 30 Millionen nur noch 18 bis 20 Millionen Euro betragen, teilte das Unternehmen mit. Die Aktien der Jenaer Softwareschmiede verloren bis zum Mittag rund 16 Prozent auf 3,89 Euro.

Adva Optical folgten mit einer Umsatzwarnung und verloren rund 13 Prozent. Das Unternehmen korrigierte die Umsatzerwartungen von 135 auf 120 Millionen Euro herunter und verschob seine Bilanzpressekonferenz. Verwirrung um die eigenen Bilanzzahlen und Informationsprobleme gab es bei TTL Information Technology. Das Unternehmen hat seine Ad-hoc-Mitteilung von Montagmorgen korrigiert. Der Jahresfehlbetrag betrug demnach 3,4 und nicht 13,4 Millionen Mark. Die Aktie gab 8 Prozent nach.

Der IT-Service-Dienstleister Teleplan hat im Jahr 2000 seinen Umsatz um 34 Prozent auf 292 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen sei um 73 Prozent gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Gute Zahlen präsentierte auch Mania Technologie: Das Unternehmen hat eigenen Angaben zufolge im Jahr 2000 den Konzernumsatz um 52 Prozent auf 160 Millionen Euro gesteigert, dies honorierten die Anleger mit einem Plus von 5,64 Prozent.

Nikkei deutlich fester

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Montag kräftig zugelegt. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte schloss mit einem Plus von 4,9 Prozent auf einem Stand von 13.862 Zählern. Technologietitel hatten die Kursrallye in Asien angeführt.

Viele Investoren glauben, dass der Kurssturz in der vergangenen Woche zu heftig ausgefallen ist. Außerdem erhöhen die Zinssenkungen der US-Notenbank den Druck auf die Europäische Zentralbank, ihrerseits mit Zinssenkungen nachzuziehen. Der Dow Jones ging am Freitag mit einem Plus von 1,2 Prozent aus dem Handel. Die Technologiebörse Nasdaq konnte 1,6 Prozent zulegen.

Euro unter 90 Cent

Der Euro notierte zuletzt bei 0,8922 Dollar. Am Wochenende haben Erwartungen Auftrieb erhalten, dass die EZB in den nächsten drei Wochen die Zinsen senken wird. Gründe seien der nachlassende Preisdruck in Deutschland sowie die zunehmend skeptischen Äußerungen von führenden Wirtschaftspolitikern zur Konjunkturentwicklung in Europa.