Börse am Mittag Epcos und Telekom an der Spitze
Frankfurt am Main - Zum Mittag haben die deutschen Börsen ihre Gewinne ausgebaut. Der Dax legte rund ein Prozent zu und notierte damit über der Marke von 6300 Punkten. Die Erholung des Nemax 50 ging mit Riesenschritten voran: Satte 4,4 Prozent legten die Werte zu und hoben den Indexstand auf rund 1950 Zähler.
Die gute Stimmung an der Börse konnte auch der Ifo-Geschäftsklimaindex nicht nachhaltig trüben. Gegenüber dem Vormonat sank der Geschäftsklimaindex im April von 93,9 auf 92,5 Punkte, teilten die Münchener Wirtschaftsforscher am Vormittag mit. Obwohl die Zahlen schlechter ausfielen, als von Händlern erwartet, kletterten die Kurse weiter nach oben.
Der Rückgang des Konjunktur-Barometers könne die Europäische Zentralbank zu einer weiteren Zinssenkung bewegen, hieß es. Eine Reihe von Wirtschaftsindikatoren würden zur Veröffentlichung anstehen, sagte Marius Gero Daheim, Analyst bei der Westdeutschen Landesbank. Sämtliche Indikatoren würden voraussichtlich schwächer ausfallen. Das wiederum werde die Erwartungen auf fallende Zinsen anheizen.
Die Aktien der Lufthansa sind nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen abgestürzt. Mit einem Minus von 1,3 Prozent auf 22,40 Euro führten die Titel die Verliererliste im Dax an. Die Gehaltsverhandlungen sind nach wochenlangem Tauziehen endgültig gescheitert, sagte eine Firmensprecherin am Dienstag. Ihr Unternehmen werde nun einen Schlichter anrufen. Auf diesem Wege soll ein weiterer Streik verhindert werden. Nach den allgemein gültigen Regeln darf während der Schlichtung nicht gestreikt werden.
Die Gewinnerliste wurde weiterhin von den Technologiewerten angeführt. Ganz oben notierte Epcos. Die Aktien knüpften an die gute Kursperformance vom Vortag an und gewannen 5,6 Prozent auf 80,39 Euro. Ebenfalls stark präsentierten sich die Titel von SAP (plus 3,3 Prozent auf 179,81 Euro), Infineon (plus 2,7 Prozent auf 47,75 Euro) und Siemens (plus 2,2 Prozent auf 91,95 Euro). Die T-Aktie verteuerte sich um 4,3 Prozent auf 27,18 Euro.
Die MAN-Aktie stand unter Verkaufsdruck und verlor 0,4 Prozent auf 28,29 Euro. Der Maschinen- und Nutzfahrzeugkonzern hat am Morgen enttäuschende Zahlen vorgelegt. Wegen der Konjunkturflaute leide das Unternehmen unter einem Gewinneinbruch, hieß es. Im ersten Quartal sei das Ergebnis vor Steuern um 19 Prozent auf 91 Millionen Euro gesunken. Ein Jahr zuvor waren es noch 113 Millionen Euro gewesen. Die Zahlen lägen unter den Erwartungen der Analysten, begründeten Händler die Verluste.
Die HypoVereinsbank setzte ihre Talfahrt fort. Die Aktie verbilligte sich um 0,7 Prozent auf 58,34 Euro. Am Montag hatte die Münchener Bank Quartalszahlen vorgelegt, die weit unter den Erwartungen der Analysten lagen. Heute wird zur Hauptversammlung geladen.
Die im M-Dax notierte Aktie des Konsumgüterherstellers Wella verteuerte sich nach Vorlage von Quartalszahlen um 4,1 Prozent auf 52 Euro. "Die Wella-Zahlen für das erste Quartal haben unsere Erwartungen übertroffen", sagte ein Händler der DG Bank. Das Unternehmen hatte vor Eröffnung der Börse einen Anstieg des Konzerüberschusses um 47,2 Prozent auf 20,3 Millionen Euro im Vergleich zu den ersten drei Monaten 2000 gemeldet. "Die positiven Zahlen haben uns in unserer Einschätzung bestärkt, die Aktie zum Kauf zu empfehlen", sagte der Händler.
Neuer Markt steigt im Sog einer starken Nasdaq
Am Neuen Markt profitierten die Titel von den deutlichen Kursgewinnen an der Nasdaq. Die gute Stimmung hat sich branchenübergreifend durchgesetzt. Im Nemax 50 notierten lediglich vier Titel im Minus.
Die Gewinnerliste im Nemax 50 führten die Aktien von Trintech (plus 14,3 Prozent auf 2,95 Euro) und United Internet (plus 13,7 Prozent auf 5,40 Euro) an.
Die schon in der vergangenen Woche unter die Räder geratenen Papiere von Pandatel waren größte Verlierer im Nemax 50. Die Papiere sackten 12,8 Prozent auf 18,40 Euro ab. Das Unternehmen hatte am Vorabend nach Börsenschluss enttäuschende Quartalszahlen gemeldet. Als Grund nannten die Hamburger den Nachfragerückgang in Europa und den USA. Wegen der Ertragsprobleme der Telekom-Konzerne und der abflauenden Konjunktur dürfte der Bedarf auch in den kommenden beiden Quartalen nicht anziehen, hieß es.
Im breiter gefassten Nemax All Share überzeugten die Papiere der GPC Biotech, die sich um 15,7 Prozent auf 16,05 Euro verteuerten. Das Unternehmen berichtete für das erste Quartal ein starkes Umsatzwachstum und einen deutlich geringeren Verlust.
Wie schon am Vortag in den USA konnten die Internet-Werte deutlich zulegen. So stieg der Branchenindex Neuer Markt Internet um über vier Prozent. Die Zugpferde waren die Aktien von Gedys Internet (plus 33,3 Prozent auf 2,92 Euro) und Internolix (plus 23,8 Prozent auf 6,25 Euro).
Euro fällt unter wichtige Unterstützungslinie
Der Euro hat am Vormittag schwächer tendiert. Die europäische Gemeinschaftswährung notierte um 11.40 Uhr bei 0,8714 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag auf 0,8754 Dollar festgesetzt. Toshikazu Shimamura, Analyst von der North Pacific Bank, sagte, dass die EZB erneut auf dem Devisenmarkt eingreifen könne, wenn der Euro dauerhaft unter der Unterstützungslinie von 0,8750 Dollar bleiben sollte.