Börse am Mittag Epcos unter Druck
Hamburg - Die deutschen Aktienmärkte haben sich gegen Mittag weiter im roten Bereich präsentiert. Das gestiegene Geldmengenwachstum in Euroland hat Zinssenkungsphantasien an zunächst einen Dämpfer versetzt. Analysten gehen gleichwohl davon aus, dass die EZB am Donnerstag die Leitzinsen um 25 Basispunkte senken wird. Vor den am Nachmittag erwarteten US-Konjunkturdaten hielten sich die Investoren mit einem Engagement zurück. Der Dax konnte sein Minus zuletzt auf 0,2 Prozent bei 5397 Punkte reduzieren. Die Wachstumswerte im Nemax 50 standen mit 1,5 Prozent auf 1118 Zähler im Minus. Die vorbörslichen Barometer in New York standen leicht im roten Bereich.
Händler sprachen von großer Nervosität am Markt. Außer bei Bayer und der Deutsche Telekom gebe es allerdings keine nennenswerten Umsätze. Der Telefon-Konzern hielt mit seiner Pressekonferenz zum Geschäftshalbjahr den Markt in Atem. Gegen Mittag lag die T-Aktie noch mit rund einem Prozent auf 18,34 Euro im Plus. Am Morgen waren die Aktien zeitweise über die Marke von 19 Euro gestiegen.
Konzernchef Ron Sommer hatte Verluste im Mobilfunkgeschäft und bei den Töchtern T-Systems und T-Online gemeldet und zugleich ein "deutlich positives" Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bis 2002 angekündigt. Mittel- bis langfristig werde die T-Aktie wieder stärker steigen als der Markt, sagte Sommer. Gleichwohl bleibt die Besorgnis, dass mit dem Auslaufen der Haltefrist für Millionen von T-Aktien am 1. September das Papier weiter unter Druck geraten könne.
Mit Kursaufschlägen von rund vier Prozent auf 36,50 Euro lagen die in der Vergangenheit arg gebeutelten Aktien von Bayer weiter an der Spitze des Dax. Das Papier profitierte von der Meldung, dass die Schweizer Roche Holding für die Pharma-Sparte von Bayer ein vorläufiges Angebot über rund 20 Milliarden Dollar gemacht habe. Die Zahlung solle in Aktien und in bar erfolgen, berichtete "News-Alert" Online am Dienstag unter Berufung auf Unternehmenskreise. Der Aufsichtsrat von Bayer wolle die Offerte von Roche während eines Treffens am 13. September diskutieren. Bayer selbst kommentierte die Meldung nicht.
Volkswagen standen mit 0,78 Prozent auf 50,60 Euro im Plus. Die Wolfsburger und die Gewerkschaft IG Metall einigten sich am Morgen auf das Tarifmodell "5000 mal 5000". Es sieht völlig neue Regelungen bei Arbeitszeit, Organisation und Bezahlung vor.
Uneinheitlich notierten die Technologietitel. Infineon, die schwach gestartet waren, verloren zuletzt noch 1,20 Prozent auf 26,93 Euro. Epcos gaben 1,70 Prozent auf 47,10 Euro nach. Siemens zeigten sich 0,57 Prozent leichter auf rund 60 Euro. SAP erzielten ein Plus von 0,40 Prozent auf 161,25 Euro. Das Walldorfer Softwarehaus rechnet mit einem Anziehen des Geschäfts in Japan. Laut Vorstandssprecher Henning Kagermann sollen die japanischen Software-Lizenzeinnahmen das Neugeschäft in Deutschland in einigen Jahren übertreffen.
ThyssenKrupp verzeichneten nach Vorlage der Geschäftszahlen zum dritten Quartal zuletzt ein Minus von 0,73 Prozent auf 14,99 Euro. Der Stahlkonzern hatte gewarnt, dass der Vorsteuergewinn des Gesamtjahres wegen der Konjunkturflaute das Vorjahresniveau nicht erreichen wird. Offenbar hatten die Märkte einen schwachen Ausblick des Konzerns aber erwartet.
Die im M-Dax notierten Aktien von Jenoptik zogen nach um mehr als fünf Prozent auf 22,63 Euro an. Der Technologiekonzern hat seine Prognosen für das Gesamtjahr bestätigt. Trotz der anhaltenden Schwäche der Halbleiterindustrie würden für 2001 Auftragseingänge in Vorjahreshöhe erreicht. Der Umsatz soll im Gesamtjahr um mindestens 25 Prozent und der Jahresüberschuss um mehr als 30 Prozent steigen.
Die Aktien des Erotikkonzerns Beate Uhse legten um 2,50 Prozent auf 12,40 Euro zu. Das Flensburger Unternehmen hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz um 76 Prozent auf 205,4 Millionen Markt gesteigert.
Der Einstieg der Kirch-Gruppe bei dem angeschlagenen Medienunternehmen EM.TV ist einem Bericht der "FTD" zufolge zunächst geplatzt. Die beiden Unternehmen hätten einen für den Einstieg notwendigen Antrag beim Bundeskartellamt zurückgezogen, berichtet das Blatt in seiner Dienstagsausgabe. Die Aktie fiel um 4,56 Prozent auf 2,72 Euro.
Die Aktien von Cybio sind nach Vorlage der Halbjahreszahlen um mehr als 30 Prozent auf 7,19 Euro eingebrochen. "Die Halbjahreszahlen waren grottenschlecht", begründete ein Händler den Kurssturz. Das Biotechnologie-Unternehmen geht nach dem ersten Halbjahr von einem Umsatz unter dem Vorjahresniveau aus. Zudem sollen eigene Aktien zurückgekauft werden. Derzeit würden die Anleger nur auf die Zahlen achten und solche Fehlleistungen "gnadenlos abstrafen", sagte der Händler.
QS Communications hat seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt. Erwartet werde nur noch ein Umsatz zwischen 26 und 34 Millionen Euro, teilte der alternative DSL-Anbieter mit. Zuvor war das Unternehmen von Erlösen zwischen 38 und 46 Millionen Euro ausgegangen. Geschäftskunden würden angesichts des drastischen Konjunktureinbruchs Investitionen in IT- und TK-Dienste zurückhalten, begründete QSC. Die Aktie verlor 14,63 Prozent auf 1,40 Euro.