Börse am Mittag: Extrem schwankende Kurse - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Extrem schwankende Kurse

Bei niedrigen Umsätzen präsentieren sich die deutschen Aktienmärkte unentschlossen. Händler versuchen, den Markt zu beruhigen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - An der Börse in Frankfurt finden die Kurse einen Tag nach den Terroranschlägen in den USA keine einheitliche Richtung. Die Dax-Werte präsentierten sich mit extrem schwankenden Kursausschlägen. Auch am Neuen Markt konnte kein Trend ausgemacht werden.

Die Händler der deutschen Banken hielten sich weitestgehend zurück: "Es werden nur die wichtigsten Aufträge ausgeführt, bis deutlich wird, welche Auswirkung die Terrorserie hat", sagte ein Börsianer. Erschwert wurde die Situation zudem durch die geschlossenen US-Börsen. Seit Dienstag ist der Handel an den Weltleitbörsen ausgesetzt, dadurch seien vernünftige Preise nur schwer festzustellen, monierten Händler in Frankfurt. In Deutschland sind lediglich die amerikanischen Werte vom Handel ausgesetzt.

"Es wird schwer sein, die nächsten Tage vernünftig zu überstehen. Erst wenn die Leitbörse in New York wieder offen ist, werden wir wissen, wohin die Reise geht", sagte Fidel Peter Helmer vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser.

In seinen 25 Jahren an der Börse habe er einige Crashs erlebt, aber momentan sei die Situation besonders gespannt, sagte Bruno Kling von der Kling Jelko Wertpapierhandelsbank. Heftige Kritik übte er an der Deutschen Börse, die den Handel nicht unmittelbar nach Bekannt werden der Anschläge ausgesetzt hatte. "Das ist eine Respekt- und Pietätlosigkeit." Ein geordneter Handel sei ohnehin nicht mehr möglich gewesen.

Am Mittag hatte der Dax seine Gewinne vom Morgen wieder abgegeben und mit 0,7 Prozent auf 4244 Punkten im Minus notiert. Der Nemax 50 rutschte ebenfalls wieder ab und verlor 0,2 Prozent auf 839 Zähler.

Die Aktien der Lufthansa   haben zum Mittag wieder stark verloren, nachdem sie sich zuvor von den herben Verlusten des Vortages leicht erholen konnten. Marktbeobachter erwarten für die kommenden Wochen "massenweise Stornierungen", die Airlines und Touristikunternehmen unter Druck setzen könnten.

Auch die Versicherer Münchner Rück   und Allianz   gaben im Handelsverlauf wieder weiter nach.

Nemax 50 kurzfristig unter 800 Punkten

Der Neue Markt ist im frühen Handel dramatisch eingebrochen, im weiteren Verlauf stabilisierte sich die Situation aber wieder. Am Morgen wurde im Nemax 50 ein Allzeittief von 790,74 Punkten gemessen. "Wir sind bestrebt, jetzt Ruhe in den Markt zu bringen", sagte ein Händler. Andere Händler berichteten von einer Absprache der Großbanken, die Situation zu beruhigen. Die Lage sei derzeit überhaupt nicht einzuschätzen, hieß es.

Die beiden größten Gewinner im Auswahlindex Nemax 50 waren die beiden Pennystocks von Fantastic   und Kinowelt   . Deutlich unter Druck standen Heyde   und PrimaCom   .

Herbe Verluste in Tokio

Nach den Terroranschlägen in den USA hat die Börse in Tokio mit deutlichen Kursverlusten geschlossen. Der Nikkei-Index fiel am Mittwoch um über 680 Punkte auf 9610 Zähler, ein Minus von rund 6,6 Prozent. Die Börse hatte den Handel wegen der Anschläge mit halbstündiger Verspätung eröffnet. Der japanische Finanzminister Masajuro Shiokawa erklärte, er rechne mit negativen Auswirkungen der Attentate auf die gesamte Weltwirtschaft. Die wichtigsten Wirtschaftsnationen müssten zusammenstehen, um die "Auswirkungen der Tragödie" zu überwinden.

An der Börse in Hongkong fiel der Hang Seng kurz nach Eröffnung bereits um über sieben Prozent auf 9659 Zähler. "Was wir hier sehen, sind Panikverkäufe, allerdings nicht in so großem Ausmaß, wie ich erwartet hatte", sagte Alex Wong, Leiter der Analyse-Abteilung der OSK Asia Securities. Auf Grund der Terroranschläge hatten die Börsen in Taiwan, Thailand und Malaysia geschlossen.

Euro unter die Marke von 91 Cent gefallen

Der Euro ist am Mittwoch wieder unter die 0,91-Dollar-Marke gefallen. Gegen 12 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung 0,9048 Dollar. Am Vortag schnellte die europäische Gemeinschaftswährung nach den Terrorangriffen auf die USA sprunghaft nach oben.

Nach der Ankündigung des japanischen Finanzministers Masajuro Shiokawa, geeignete Maßnahmen zu ergreifen - auch Interventionen -, wenn an den Devisenmärkten die scharfen Reaktionen anhielten und die Märkte nicht zur Normalität zurückkehrten, hat sich der Dollar etwas erholt. Shiokawa hat eigenen Angaben zufolge ein zehnminütiges Telefonat mit dem US-Finanzminister Paul O'Neill nach den Anschlägen geführt.