Börse am Mittag: Gerüchte belasten MLP - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Gerüchte belasten MLP

Die Investoren halten sich zurück. Die Papiere der Deutschen Post leiden unter Gerüchten. Unter den Technologiewerten ziehen SAP am stärksten an: Konkurrent Oracle hatte sich zuvor optimistisch zur Geschäftslage geäußert.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte haben sich trotz der guten Vorgaben aus New York gegen Mittag nur wenig verändert präsentiert. Börsianer zeigten sich vom Handelsverlauf enttäuscht. Der Dax hatte zwar ein wenig Boden gut gemacht, verharrte gegen 13 Uhr aber mit rund einem halben Prozent auf 5132 Zähler im Plus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 notierten ein 0,2 Prozent leichter auf 1154 Zählern.

"Die Skepsis der Anleger ist sehr groß", sagte ein Händler mit Blick auf den umsatzschwachen Handel und die nachgebenden Kurse. Der Markt verharre weiterhin in der Handelsspanne zwischen 4900 und 5300 Punkten. "Da brauchen wir schon einen ziemlich starken Impuls, um da raus zu kommen", fügte er hinzu. Ein anderer Börsianer verwies auf die gegen Nachmittag zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten aus den USA, auf die Investoren mit großem Interesse warteten.

Gegen 15.45 Uhr wird die Bekanntgabe des Index für das US-Verbrauchervertrauen der Universität Michigan erwartet, gegen 16 Uhr soll der US-Einkaufsmanager-Index veröffentlicht werden. Außerdem seien im späteren Geschäft Gewinnmitnahmen möglich, da einige Anleger vor dem Wochenende Bestände abbauen könnten, hieß es.

Die Aktien des Finanzdienstleisters MLP   zählten mit Kursverlusten von zuletzt noch 1,70 Prozent auf 66,90 Euro zu den schwächsten Werten im Dax. Zeitweilig hatten die Verluste mehr als vier Prozent betragen.

Händler sagten, Gerüchte um angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung lasteten auf dem Papier. "Dieses Gerücht ist mehr als unwahrscheinlich, auch wenn es nicht zum ersten Mal aufgekommen ist", sagte ein Börsianer. Eine Sprecherin des Unternehmens wies die Gerüchte ausdrücklich zurück. Das Papier hatte in den vergangenen vier Tagen rund 14 Prozent verloren. Schwächer notierten auch die Versicherungstitel Münchener Rück   und Allianz   .

Die Deutsche Post   kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Der Konzern soll nach einem Bericht der "Bild" Mehrwertsteuer von Kunden kassiert haben, von der das Unternehmen befreit war. Trotz eines heftigen Dementis gab die Aktie zuletzt noch rund ein Prozent nach.

Nach der Kursrallye am Vortag (plus fünf Prozent) gaben Infineon   zunächst ein halbes Prozent nach, drehten dann aber wieder mit 0,36 Prozent auf 25,10 Euro ins Plus. Der südkoreanische Hynix Semiconductor soll Gläubigern zufolge den Gesprächen mit der US-Firma Micron Technology Vorrang gegenüber Verhandlungen mit Infineon eingeräumt haben. "Es ist immer noch nicht klar, was da passieren wird", sagte ein Frankfurter Händler.

SAP   zogen 1,50 Prozent auf 164,39 Euro an und waren damit stärkster Technologiewert im Dax. Marktteilnehmer führten die Kursgewinne auf zuvor positive Aussagen aus dem Hause Oracle zurück. Der US-Konkurrent hatte seinen Geschäftsausblick angehoben und angedeutet, dass eine Erholung bevor stehe. Siemens   und Epcos notierten jeweils mit rund einem halben Prozent im grünen Bereich.

Schering   kletterten um 1,85 Prozent auf 66 Euro, nachdem eine Investmentbank die Aktien auf "Outperform" hochgestuft hatte. Ohne neue Nachrichten führten ThyssenKrupp   (plus 3,50 Prozent) die Gewinnerliste vor MAN   (plus 3,27 Prozent) an.

Am Neuen Markt zeigten sich die Investoren trotz der guten Vorgaben der Nasdaq weiter lustlos. Im Mittelpunkt des Handels stand die Aktie von United Internet, nachdem Unternehmenschef Ralf Dommermuth ein Aktienpaket der AdLink AG für 35,5 Millionen Euro an den amerikanischen Werbevermarkter DoubleClick verkauft hat. Das Papier zog zuletzt noch 2,30 Prozent auf 5,86 Euro an.

"Das hat der Markt schon lange gewusst, aber der Vollzug des Geschäfts lockt dann immer noch einige hervor, die den richtigen Einstieg verpennt haben", sagte ein Händler. AdLink-Aktien zogen um 22 Prozent auf 2,74 Euro an. "Die Anleger spekulieren jetzt auf das von United angekündigte Übernahmeangebot für den Rest der Aktien", sagte ein Börsianer.

ComROAD   , die am Vortag nach Gerüchten unter mit Kursabschlägen unter die Räder gekommen waren (minus 17 Prozent), machten einen Teil ihrer Verluste wieder wett und setzten sich mit Aufschlägen von 5,20 Prozent auf 7,52 Euro an die Spitze des Nemax 50. Das Anlegermagazin "Börse Online" hatte berichtet, es bestehe der Verdacht, dass das Unternehmen für das Jahr 2000 einen zu hohen Umsatz ausgewiesen habe. Der Vorwurf ist nicht neu, und ComRoad kündigte rechtliche Schritte gegen das Blatt an.

Euro leicht erholt

Der Kurs des Euro konnte sich wieder ein wenig erholen. Die Gemeinschaftswährung kletterte wieder über die Marke von 86 US-Cent nachdem sie am Morgen bei 0,8582 Dollar gestanden hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag bei 0,8637 (Mittwoch: 0,8642) US-Dollar festgesetzt.

Die sich abzeichnende Erholung der US-Wirtschaft habe den Euro unter Druck gebracht, hatten Händler in Tokio am Morgen erklärt. Die Kursverluste dürften auch in den kommenden Tagen anhalten, hieß es.