Börse am Mittag Gerüchte beuteln T-Aktie
Frankfurt am Main - Der Dax hat bis 13.30 Uhr sein Minus auf ein Prozent vergrößert und mit 6048 Punkten notiert. Der Nemax 50 gab 3.1 Prozent auf 1821 Zähler nach. Es fehlten einfach positive Impulse, sagte ein Händler. Die US-Computerbörse Nasdaq habe zwar am Dienstag mit Kursgewinnen geschlossen, die Futures stünden nun aber alle im Minus.
Zudem haben die Cisco-Zahlen enttäuscht. Der US-Netzwerkspezialist hat nach Börsenschluss in New York Zahlen für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres veröffentlicht. Das Unternehmen meldete nach Börsenschluss in den USA einen Rekordverlust von 2,69 Milliarden Dollar, der nach den Erläuterungen von Konzern-Chef John Chambers vornehmlich durch die Abschreibung von Lagerbeständen (2,2 Milliarden Dollar) und Rückstellungen für Umstrukturierung (1,17 Milliarden Dollar) verursacht wurde. Ohne diese Einmalaufwendungen hatte sich ein Gewinn von drei Cents pro Aktie ergeben.
Eine weitere schlechte Nachricht folgte von National Semiconductor. Der amerikanische Chiphersteller hat am Vorabend nach Börsenschluss eine Gewinnwarnung ausgegeben.
Mit diesem schweren Gepäck beladen rutschten die deutschen Technologiewerte deutlich ins Minus. Das Papier der Siemens-Halbleitertochter Infineon büßte 3,4 Prozent auf 45,65 Euro ein. Siemens-Papiere verloren 2,2 Prozent auf 82,25 Euro. Die Anteilsscheine von Epcos verbilligten sich um 0,6 Prozent auf 71,05 Euro. SAP-Titel fielen um 1,5 Prozent auf 167,55 Euro.
In dem trüben Börsenumfeld konnten sich nur vier Titel dem Abwärtstrend entziehen. Die Gewinnerliste wurde angeführt von den ThyssenKrupp-Aktien, die 1,9 Prozent auf 17,08 Euro zulegten. Die Titel von Schering verteuerten sich um 1,1 Prozent auf 56,47 Euro. Das Unternehmen profitiert noch immer von der gestrigen Ankündigung, in den USA die Zulassung für das Leukämie-Medikament Campath erlangt zu haben. Zudem hat der Rivale Aventis am Morgen sehr gute Zahlen präsentiert, von denen die gesamte Pharma-Branche profitiert.
Ebenfalls mit leichten Kursaufschlägen präsentierten sich Linde und die Deutsche Post.
Adidas Salomon hat die Lufthansa als größten Verlierer im Dax abgelöst. Die Aktie gab um 3,9 Prozent auf 66,60 Euro ab. Die Lufthansa-Aktie notierte mit 2,8 Prozent im Minus bei 21,52 Euro. Die Hoffnung auf eine schnelle Einigung bei den Tarifverhandlungen mit den Piloten ist in der vergangenen Nacht wie eine Seifenblase zerplatzt. Nachdem das neueste Angebot als unangemessen zurückgewiesen wurde, wollen die Flugzeugführer am Donnerstag erneut in den Streik treten. Dies bedeutet für die Lufthansa erneut mehrere Millionen Mark Kosten und weiteren Imageschaden.
Unter die Räder kamen die Aktien der Deutschen Telekom, die sich um 2,4 Prozent auf 26,17 Euro verbilligten. Gerüchte, wonach der Bonner Telekomriese weitere Aktien platzieren will, drückten nach Angaben eines Börsianers den Kurs nach unten.
Die Papiere des im M-Dax notierten Finanzdienstleisters MLP fielen um 3,5 Prozent auf 119 Euro. Die Deutsche Börse hatte am Dienstagabend mitgeteilt, den wichtigsten deutschen Börsenindex Dax zunächst unverändert zu lassen. Es war erwartet worden, dass MLP für die Dresdner Bank in den Dax aufrücken werde. MLP war bereits mehrfach als Dax-Kandidat im Gespräch gewesen.
Philipp Holzmann notierten nach der Ankündigung der Herausnahme aus dem M-Dax-Index der 70 mittelgroßen Werte zunächst unverändert, gaben dann jedoch um mehr als zehn Prozent auf 17,15 Euro nach. Die Aktie der Deutschen Börse wird ab dem 18. Juni die Titel des Baukonzerns ersetzen. Die Anteilsscheine der Börse notierten im frühen Handel im Plus, gaben am Mittag jedoch 0,5 Prozent auf 388 Euro nach.
Neues Insolvenzverfahren am Neuen Markt
Am Neuen Markt gab die Aktie von Infomatec mehr als 20 Prozent nach, nachdem das Unternehmen am Morgen einen Insolvenzantrag eingereicht hat. Wie die in den vergangenen Wochen häufig negativ aufgefallene Firma mitteilte, habe fehlende Liquidität zu diesem Schritt geführt.
Im Nemax 50 lagen am Mittag nur vier Werte im Plus, die zumeist vom Ende der Spekulation über einen Abstieg aus dem Index profitierten. Das Trintec-Papier legte um 4,7 Prozent auf 2,47 Euro zu. Constantin-Film-Titel legten um ein Prozent auf 19,19 Euro zu, nachdem die Aktie in den letzten Tagen unter Druck geraten war.
Die im Juni ausscheidende SER Systems stand hingegen unter Druck. Die Aktie verlor mehr als zehn Prozent auf 8,78 Euro und hielt damit die rote Laterne. Der Spezialist für Wissens- und Dokumentenmanagement verlässt den Nemax und wird durch Umweltkontor ersetzt. Die Börse honorierte den Aufstieg in das Edelsegment des Neuen Marktes zunächst mit einem Aufschlag. Im Handelsverlauf gab das Papier jedoch rund vier Prozent auf 59,01 Euro ab.
Die Net AG meldete einen Auftrag des Mobilfunk-Providers Hutchison Telecom. Dieser will unter eigenem Namen von der Net AG entwickelte mobile Anwendungen im Bereich des Infotainments weiter vermarkten. Die Papiere rückten um 10,6 Prozent auf 5,20 Euro vor.
Freenet steigerte im ersten Quartal 2001 den Verlust aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit vor Steuern von 2,19 Millionen Mark im Frühjahr 2000 auf 6,795 Millionen Mark. Die Umsatzerlöse indes stiegen im ersten Quartal um mehr als 50 Prozent von 8,32 Millionen Mark auf 12,73 Millionen Mark. Die Aktie verlor über fünf Prozent auf 21,88 Euro.
Internet-Aktien verloren auf breiter Front. Das Broadvision-Papier gab 5,5 Prozent auf 7,78 Euro nach, T-Online-Titel sanken um 5,8 Prozent auf 13 Euro.