Börse am Mittag: Gewinne auf breiter Front - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Gewinne auf breiter Front

Im Dax erholen sich vor allem Technologie- und Autowerte. Biotechnologiewerte am Neuen Markt legen sogar eine kleine Rallye hin.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte konnten ihre Zugewinne gegen Mittag halten. Freundliche Vorgaben aus den USA und positive Analystenkommentare lassen die Kurse weiter steigen. Händler sahen neben den US-Vorgaben noch Gerüchte über verstärkte Käufe von Fondsgesellschaften und Versicherungen, die die festere Tendenz im Dax erklärten: "Wir haben heute den letzten Handelstag im Quartal, da muss noch etwas Kurspflege betrieben werden", sagte ein Händler in Frankfurt.

Der Dax kletterte bis 13.10 Uhr um zwei Prozent auf 4267 Punkte. Am Neuen Markt stand der Nemax 50 nicht zuletzt wegen starker Kursaufschläge bei Biotechnologietiteln mit 4,7 Prozent auf 787 Zähler im grünen Bereich. Der Branchenindex für Biotechnologiewerte am Neuen Markt setzte sich mit einem Plus von rund 8,5 Prozent von allen anderen Branchen deutlich ab.

Die in den vergangenen zwei Wochen arg verprügelten Aktien von Infineon   waren stark nachgefragt. Die Papiere führten die Gewinnerliste im Dax mit Kursaufschlägen von mehr als zehn Prozent auf 13,55 Euro an.

SAP   legte zuletzt 4,37 Prozent auf 115 Euro zu. Die Softwareschmiede hatte am Morgen angekündigt, ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von bis zu 400 Millionen Euro zu starten. Eine "ziemlich gute Sache", sagte ein Marktteilnehmer. Er hofft auf eine Bodenbildung durch den angekündigten Aktienrückkauf. Ein Händler bewertete das Rückkaufprogramm als Ausdruck des Optimismus der Geschäftsführung. Die HypoVereinsbank setzte Händlern zufolge ihr Kursziel für SAP auf 140 Euro hoch.

Adidas Salomon   mischten weiter im Spitzenfeld des Dax mit und notierten rund 3,84 Prozent auf 57 Euro im Plus. Unternehmenschef Herbert Hainer hatte in einem Gespräch mit dem Handelsblatt die Wachstumsprognosen von 15 Prozent bestätigt.

Mit deutlichen Kursgewinnen beschleunigten Autowerte den Dax. DaimlerChrysler   setzt auf Kontinuität: Jürgen Schrempp soll bis zum Jahr 2005 Vorstandschef bleiben. Wie das Unternehmen in Stuttgart am späten Donnerstagabend bekannt gab, hat der Aufsichtsrat entsprechende Beschlüsse gefasst. Die Börse honorierte die Entscheidung zuletzt mit einem Kursanstieg von 3,32 Prozent.

BMW   stiegen ebenfalls um 4,17 Prozent auf knapp 28 Euro. Plus 3,93 Prozent auf 38,30 Euro verbuchte die Volkswagen   -Aktie . Zuvor hatte die Deutsche Bank nach Angaben von Marktbeobachtern die BMW-Aktie auf "buy" von "market perform" heraufgestuft. Volkswagen wurde dagegen von "buy" auf market perform" heruntergestuft.

Die im M-Dax notierte Aktie von ProSiebenSat.1 verlor 16,70 Prozent auf 5,24 Euro, nachdem der Medienkonzern seine Prognosen für das Geschäftsjahr 2001 nach unten revidiert hat. Im Vergleich zum Rekordjahr 2000 werde jetzt mit einem Umsatzrückgang von vier Prozent gerechnet, hieß es. Der Jahresüberschuss werde voraussichtlich um rund zehn Prozent sinken. Das Ergebnis vor Steuern werde um rund 30 Prozent sinken.

Stark präsentierten sich am Morgen Biotechnologiewerte am Neuen Markt. Lion Bioscience   legten 18,66 Prozent auf 11 Euro zu. Qiagen   gewannen 13,86 Prozent auf 15,94 Euro. Evotec   standen mit 18,56 Prozent bei 6,60 Euro. MorphoSys   steigerten sich um 11,65 Prozent auf 23,77 Euro.

Händler und Analysten führten die Hausse bei den Biotechwerten auf die Unterbewertung der Branche und die bevorstehenden Quartalszahlen zurück. Zwar hätten Firmen der Biotechnologiebranche auch unter den Anschlägen in den USA gelitten, jedoch dürfte sich das weniger stark auf die Ergebnisentwicklung niederschlagen, als bei anderen Branchen.

In der Spitzengruppe lagen auch Aktien von EM.TV  . Die Papiere gewannen zehn Prozent auf 1,70 Euro. Der einstige Liebling des Neuen Marktes hatte am Morgen einen Verlust vor Steuern in Höhe von 127 Millionen Euro für das erste Halbjahr 2001 gemeldet. Ein Händler sagte, das sei nicht unerwartet gewesen. Allerdings sehe der prozentuale Anstieg bei einem so geringen absoluten Gewinn"größer aus als er ist".

US-Konjunkturdaten erwartet

Händler in Frankfurt warten unterdessen auf neue Konjunkturdaten aus den USA. Gegen 16 Uhr (MESZ) wird der Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan für September veröffentlicht. Der Anfang der Woche von dem unabhängigen Forschungsinstitut Conference Board veröffentliche Index zum Verbrauchervertrauen ist bereits dramatisch gefallen und hat den niedrigsten Stand seit 1996 erreicht. Marktbeobachter rechnen damit, dass die wirtschaftliche Erholung noch auf sich warten lässt, solange die Konsumenten nicht wieder Vertrauen in die Wirtschaft schöpfen und die Konsumausgaben ankurbeln.

Euro gibt wieder ab

Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen elf Uhr 0,9165 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag noch auf 0,9205 (Mittwoch: 0,9219) Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 2,1247 (2,1215) Mark.