Börse am Mittag: Gewinnmitnahmen nach der Rallye - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Gewinnmitnahmen nach der Rallye

Wer auf eine rasante Erholung der Technologiewerte setzt, droht in die Bullenfalle zu geraten. Gewinnmitnahmen bei der Siemens-Familie und bescheidene Prognosen aus den USA drücken die Börsen.
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Frankfurt am Main – Anleger sind vorsichtig. Der Dax notierte bis zum Mittag 0,4 Prozent im Minus, und der Nemax 50 fiel nach seiner atemberaubenden Aufholjagd von gestern wieder leicht zurück. Mit einem Minus von 0,75 Prozent kämpfte sich der Blue-Chip-Index der Wachstumswerte aber wieder über die 2000 Punkte.

Die defensiven Oldies im Dax waren bislang die gefragtesten Werte. Münchner Rück, Degussa, und Henkel legten ein bis zwei Prozent zu, und auch Allianz erholte sich etwas von seinen Vortagesverlusten.

Die Gewinner von gestern litten dagegen unter Gewinnmitnahmen. Siemens, Infineon und Epcos gaben 1,8 bis 2,4 Prozent nach und notierten mit MAN am Ende des Index. Die US-Investmentbank Lehman Brothers hat die Prognose für Epcos herabgesetzt. Die Siemens-Familie hatte zwei Tage in Folge gemeinsam mit SAP die Spitzengruppe im Dax gebildet. SAPtendierte behauptet, während die T-Aktie 0,3 Prozent nachgab.

Für einen Dämpfer aufkommender Partylaune haben nach US-Börsenschluss die Schwergewichte Intel, JDS Uniphase und Broadcom gesorgt. Der weltgrößte Chip-Hersteller Intel gab einen verhaltenen Ausblick auf die Marktentwicklung. Auch der Anbieter von Glasfaserkomponenten für die Telekomindustrie, JDS Uniphase, senkte erneut seine Geschäftsprognosen. Broadcom, ein Hersteller von Kommunikationschips, senkte nach US-Börsenschluss seine Ergebnis- und Umsatzerwartungen für das erste Quartal.

Die Gewinne seit Wochenbeginn stehen auf wackligen Füßen. Der Aufschwung der vergangenen zwei Tage wurde von vergleichsweise dünnen Umsätzen getragen. Während der starken Korrektur in der Vorwoche wurden jedoch im großen Stil Aktien verkauft.

Jetzt warten Anleger erneut auf die US-Notenbank: Heute abend gibt die Fed mit ihrem Beige Book bekannt, wie sie die Zinssituation einschätzt.

Vor allem die Aufholjagd am Neuen Markt werteten Händler zunächst als technische Reaktion auf die starken Verluste der Vorwoche. Zu den Spitzenreitern zählten Gauss (plus 18 Prozent) und SCM Microsystems (plus 5,5 Prozent). Gauss Interprise verschaffte sich durch eine weitere Kapitalerhöhung in Höhe von 5,685 Millionen Euro finanziellen Spielraum.

Erneute Spekulationen gibt es um EM.TV. Der WestLB und der Investmentbank Merrill Lynch drohen nach einem Bericht der "Prior Börse" Schadenersatzklagen im Zusammenhang mit ihrer Rolle als Konsortialbanken des Filmrechtehändlers. Es gebe Hinweise, dass die Lock-up-Vereinbarung bei der im November 1999 platzierten Kapitalerhöhung nur zum Schein getroffen wurde. EM.TV verlor 1,4 Prozent.

Dem Nemax-50-Wert Adva Optical bläst heute ein rauher Wind aus den USA entgegen. Zum dritten Mal in sechs Wochen hat der größte Hersteller von Glasfaserkomponenten, JDS Uniphase, die Erwartungen reduziert. Adva verlor 3,6 Prozent.

Kamps: Geht das Rezept doch auf?

Die im M-Dax notierte Kamps AG hat ihren Vorsteuergewinn im Geschäftsjahr 2000 auf 202,2 (48,7) Millionen Mark gesteigert. Der Jahresüberschuss pro Aktie nahm auf 1,65 (0,84) Mark zu. Der Aktienkurs des Großbäckers hatte in den vergangenen Wochen unter Spekulationen gelitten, Kamps sei zu schnell gewachsen. Kamps will bis zum Jahr 2003 seinen Umsatz verdoppeln: Die Aktie stieg im frühen Handel um acht Prozent auf zwölf Euro.