Börse am Mittag: Goldman Sachs belastet "Aktie Gelb" - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Goldman Sachs belastet "Aktie Gelb"

Bankentitel liegen nach Vorlage der Geschäftszahlen im Dax vorn. Negative Analystenkommentare drücken die Titel der Deutschen Post. Bei der Software AG nehmen die Kursverluste dramatische Ausmaße an.
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Frankfurt am Main - Angespornt durch die guten Vorgaben der US-Technologiebörse haben die deutschen Aktienmärkte bis Dienstag Mittag ihre Zugewinne gehalten. Der Dax kletterte stand gegen 12 Uhr mit 0,5 Prozent auf 5206 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 verzeichneten ein Plus von 0,7 Prozent auf 966 Punkte. Bankentitel gehörten neben Technologiewerten zu den Gewinnern im Dax.

Die Aktien des Finanzdienstleisters MLP   bauten ihre Zugewinne auf 3,65 Prozent oder 74,65 Euro aus und führten damit weiter die Gewinnerliste im Dax an. MLP hat im abgelaufenen Geschäftsjahr sein Ergebnis je Aktie (EPS) deutlich gesteigert und die Dividende angehoben. Derlei Nachrichten hören die Investoren gern und greifen zu.

Das EPS sei von 0,68 Euro auf 1,05 Euro gewachsen, teilte die Gesellschaft am Dienstag in Heidelberg mit. Damit lag das Unternehmen etwas besser als von Analysten erwartet. Nach den endgültigen Zahlen kletterte der Jahresüberschuss auf 98,9 Millionen Euro nach 61,9 Millionen im Vorjahr. Für 2001 will MLP eine Dividende von 0,50 Euro je Aktie ausschütten. Im Vorjahr hatte der Konzern noch 0,38 Euro je Titel ausgezahlt.

Die Commerzbank   -Titel kletterten nach Vorlage der Geschäftszahlen um 1,95 Prozent auf rund 19,86 Euro. Das Vorsteuerergebnis der Bank ist im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres auf rund 150 Millionen Euro eingebrochen. Das teilte der Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller am Dienstag in Frankfurt mit. Nach wie vor geht er jedoch von einem Vorsteuerergebnis von 700 bis 800 Millionen Euro für das Gesamtjahr aus. Investoren hielten sich am positiven Ausblick fest und würdigten die angekündigten Umstrukturierungen des Instituts mit Käufen. Der Titel hatte am Vortag mehr als vier Prozent abgegeben.

Nach endgültigen Zahlen erzielte die Bank einen Jahresüberschuss von 102 Millionen Euro und damit zehn Millionen Euro mehr als am 4. Februar bei der Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen veröffentlicht worden war. Vor einem Jahr hatte die Commerzbank allerdings noch einen Überschuss von 1,342 Milliarden Euro ausgewiesen.

Technologiewerte im Dax notierten weiter im Plus und setzten damit ihren Erholungstrend fort. Am Vortag hatten sie unter der Gewinnwarnung von IBM gelitten. Epcos   kletterten um 1,83 Prozent auf 50,21 Euro. Siemens   und Infineon   notierten noch mit rund einem Prozent im grünen Bereich. SAP   allerdings reduzierten ihr Plus auf knapp 0,40 Prozent oder 156,61 Euro.

Schwächster Wert im Dax war die Aktie der Deutsche Post   , die um 2,56 Prozent auf 15,96 Euro nachgab. Händler wiesen auf die überwiegend negativen Schlüsse hin, die von der Investmentbank Goldman Sachs nach der Pressekonferenz am Montag gezogen wurden. Die negativen Aspekte überwogen gegenüber den Positiven, hieß es laut Händlern in der Analyse der Investmentbanker an ihre Kunden. Allerdings bestätigten die Experten die Deutsche Post-Aktie als "Marketperformer", während die Experten der West LB Panmure den Wert von "Outperformer" auf "Neutral" abgestuft und ein Kursziel von 18 Euro gesetzt hätten.

Sorgen bereiten den Händlern die zunehmenden Margenrückgänge im Briefgeschäft und Strategiemängel bei der Logistiktochter DHL. Allerdings wertete Goldman die Absicht eines Aktienrückkaufs positiv.

Für die im M-Dax notierte Software AG   gab es nach der Gewinnwarnung kein Halten mehr. Das Unternehmen hatte nach Börsenschluss am Montag seine Geschäftsprognosen für das erste Quartal 2002 zum zweiten Mal gesenkt und dies im Wesentlichen mit geringeren Lizenzeinnahmen begründet. Angaben zu möglichen Auswirkungen auf die Gesamtjahresplanung machte das Unternehmen nicht. Die Aktie verlor zuletzt rund ein Drittel ihres Wertes auf 12,70 Euro. Goldman Sachs kürzte seine Gewinnprognose für die Aktie und senkte das Kursziel auf 13 Euro.

Neuer Markt: IDS Scheer nach Zahlen im Plus

Neuer Markt: IDS Scheer nach Zahlen im Plus

Am Neuen Markt hatten die Aktien des US-Softwareunternehmens Broadvision   nach Vorlage vorläufiger Zahlen zugelegt, gaben dann allerdings einen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Zeitweilig kletterte das Papier um mehr als drei Prozent und stand zuletzt noch mit 1,36 Prozent auf 1,49 Euro im Plus.

Broadvision hatte am Morgen seine bereits zu Anfang April veröffentlichten revidierten Zahlen für das Jahr 2001 und die Umsatzprognose für das erste Quartal bestätigt. Demnach rechnet das Unternehmen nunmehr mit zwischen 29 und 32 Millionen Dollar Umsatz im ersten Quartal 2002, nachdem der Umsatz im vierten Quartal 2001 noch bei 47,7 Millionen Dollar gelegen hatte.

Das Beratungs- und Softwareunternehmen IDS Scheer   hat nach vorläufigen Zahlen ihr operatives Ergebnis (Ebit) im ersten Quartal 2002 um 73 Prozent auf 3,2 Millionen Euro gesteigert. Dies entspreche einer Ebit-Marge von 7,8 Prozent, teilte das im Nemax 50 notierte Unternehmen am Dienstag mit. Der Konzernumsatz sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 Prozent auf 41,0 Millionen Euro gestiegen. Für das Gesamtjahr rechnet IDS Scheer mit einem Umsatzwachstum von 15 Prozent und einer Ebit-Marge von acht Prozent. Die Aktie gab allerdings einen Teil ihrer Zugewinne wieder ab und notierte zuletzt mit einem Plus von 1,70 Prozent auf 9,75 Euro. Die WGZ-Bank empfahl die Aktie zum Kauf.

Euro verliert

Der Euro-Kurs hat am Dienstag Mittag sich von seinen Tagestiefständen ein wenig erholt und notierte in Frankfurt auf 0,8759 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte dagegen am Montag den Referenzkurs auf 0,8778 US-Dollar festgelegt.

Der US-Dollar habe im Wechselkurs zu allen wichtigen Währungen an Wert gewonnen, nachdem der israelische Verteidigungsminister einen Teilrückzug der israelischen Truppen aus der West Bank bestätigt habe, sagten Händler. Zuvor hatte US-Präsident George W. Bush Israel zu einem unverzüglichen Abzug seiner Militäreinheiten aus den palästinensischen Städten aufgefordert. Trotz dieser positiven Zeichen aus dem Nahen Osten, würden die Marktteilnehmer vorsichtig bleiben, hieß es unter Devisenmarktexperten.

Nasdaq mit furiosem Comeback

Nasdaq feiert Comeback, Tokio schwach

Es ist schon erstaunlich, wie sich die amerikanischen Aktienmärkte am Montag im Handelsverlauf erholt haben. Die Angst vor steigenden Ölpreise und die Gewinnwarnung von IBM, übrigens die erste seit zehn Jahren des Konzerns, hatten die Kurse zunächst stark belastet.

Offenbar aber setzte sich bei den Investoren dann die Einsicht durch, das die Notenbank wegen der steigenden Ölpreise die Zinsen vorerst nicht anheben werde. Auch seien die übrigen Opec-Staaten ohne weiteres in der Lage, die Lieferausfälle des durch den Irak angekündigten Exportstopps von einem Monat ohne weiteres auszugleichen, sagten Experten. Diese Erkenntnis ist nicht neu, stellte allerdings einmal mehr die psychologischen Effekte solcher Ankündigungen unter Beweis.

Schließlich besannen sich die Anleger darauf, dass die Saison der Ergebniswarnungen spätestens am 15 April vorüber sein wird und im Vergleich zum Vorquartal als auch zum Vorjahresquartal nach Einschätzung von Experten deutlich glimpflicher verlaufen ist.

Der Dow Jones schloss mit 0,2 Prozent leicht im Minus auf 10.249 Zähler. Der Nasdaq Composite baute sein Minus von zeitweise mehr als zwei Prozent vollständig ab und beendete den Handel mit plus 0,9 Prozent auf 1785 Zähler. Da die deutschen Aktienmärkte die Aufwärtsbewegung nur zum Teil nachvollzogen hatten, rechnen Börsianer am Dienstag mit einem festen Handelsauftakt, zumal der US-Computerhersteller Compaq nach Börsenschluss seine Prognosen bestätigte. Der Kurs der Compaq-Titel legte nachbörslich auf der elektronischen Handelsplattform Instinet auf 10,02 Dollar zu nach einem Schlusskurs von 9,59 Dollar. Compaq wird voraussichtlich am 18. April seine Geschäftszahlen für das erste Quartal vorlegen.

Die asiatische Leitbörse in Tokio konnte von dem Comeback der US-Börsen offenbar nicht profitieren. Der Nikkei schloss mit 2,1 Prozent im Minus auf 11.114 Punkten.