Börse am Mittag: Grausamer Freitag - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Grausamer Freitag

Die Aktienmärkte brechen zum Wochenschluss erneut ein. Im Dax verlieren Epcos zeitweise rund 20 Prozent, auch Versicherungstitel erleiden drastische Kursverluste. In New York rauschen die vorbörslichen Barometer in den Keller, der Euro ist auf Rekordfahrt.
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Frankfurt am Main -Der Dax gab bis 12.30 Uhr 3,7 Prozent ab und notierte deutlich unter 4000 Punkten. Die Wachstumswerte im Nemax50 verloren 5,5 Prozent auf 539 Zähler.

"Die schwachen US-Vorgaben drücken den Dax runter. Außerdem belasten die unbefriedigenden Geschäftszahlen des schwedischen Handyherstellers Ericsson und die katastrophalen Zahlen von Epcos den Markt", sagte ein Frankfurter Aktienhändler.

Epcos warnt vor schwachen Ergebnissen

Epcos   hat nach einem schwach verlaufenen dritten Quartal seine Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2001/2002 (30.September) nach unten korrigiert. Die Aktie stürzte in der Spitze um fast 20 Prozent ab. Der Hersteller passiver Bauelemente rechnet nun einschließlich Restrukturierungskosten mit einem operativen Verlust (Ebit) im zweistelligen Millionen Euro-Bereich. Bislang hatte Epcos ein zweistelliges positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in Aussicht gestellt, verglichen mit 208 Millionen Euro im Vorjahr.

Beim Umsatz gehe Epcos nach den Worten des Sprechers von einem Rückgang um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 1,9 Milliarden Euro aus. Bislang war ein Minus zwischen 20 und 30 Prozent angekündigt worden.

Der Chipkonzern Infineon  hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2001/2002 (30. September) seine Verluste gegenüber dem Vorquartal durch Kostensenkungsmaßnahmen weiter reduziert und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Doch der Ausblick ist verhalten. In einem stark angespannten Umfeld für Technologiewerte rutschte die Aktie um mehr als drei Prozent ab.

Nach den schwachen Vorgaben der US-Technologiebörse Nasdaq rutschten auch alle anderen Technologiewerte in Deutschland ab. Siemens   fielen zuletzt um mehr als vier Prozent. SAP   konnte seine Verluste auf 1,30 Prozent begrenzen. Die US-Geschäftsentwicklung des Softwarekonzerns im dritten Quartal 2002 wird nach Aussage von Vorstandssprecher Henning Kagermann besser ausfallen als im Vorjahreszeitraum.

Ericsson-Aktie im Sturzflug

Belastet wurden Technologiewerte auch von der Nachricht, dass der schwedische Handykonzern Ericsson   derweil im siebten Quartal in Folge einen Verlust verbuchte und seine Umsatzprognose für sein Kerngeschäft im Gesamtjahr gesenkt hat. Die Aktien des Konzerns stürzten in Frankfurt um fast 24 Prozent auf 1,20 Euro ab.

Großinvestoren verkaufen Versicherungstitel

Unter Druck standen auch die Schwergewichte Allianz   und Münchener Rück  , die rund fünf Prozent verloren. Ausländische institutionelle Investoren haben nach Händlerangaben die Werte gegenwärtig auf ihrer Verkaufliste.

"Bei den Versicherern sind größere institutionelle Investoren auf der Abgabeseite", sagte Aktienhändler Christian Schmidt von der Helaba. Es sei schwer zu sagen, welche Investoren derzeit verkaufen, aber Marktgerüchten zufolge bauen japanische Anleger relativ große Positionen bei den deutschen Versicherern ab.

Nach Aussage eines anderen Händlers pendelt der Aktienpreis der Münchener Rück immer wieder um charttechnisch interessante Marken. Zudem sei der Handel in dem Wert derzeit sehr volatil. Diese hohen Kursschwankungen und ein hohes Handelsvolumen würden die Manager von Hedgefonds anlocken, die von den Kurssprüngen profitieren wollten, sagte der Börsianer. Zudem sei der Dividendenabschlag nach der Hauptversammlung im Kurs enthalten.

T-Aktie legt Rückwärtsgang ein

Die Deutsche Telekom   will in ihrer Informationstechniksparte T-Systems nach einem Pressebericht die Kosten um 500 Millionen Euro drücken. Dies sei ein Teil aus dem Sparplan für den gesamten Konzern, berichtet die "Financial Times Deutschland" heute unter Berufung auf Unternehmenskreise. Dennoch fiel die T-Aktie zuletzt mehr als drei Prozent auf 12,20 Euro. Der Titel hatte am Vortag mehr als fünf Prozent hinzugewonnen.

Neuer Markt: Nur Logistikwerte können punkten

Neuer Markt: Nur Logistikwerte können punkten

Zu den wenigen Werten, die am Neuen Markt im Plus standen, gehörte D.Logistics   und Thiel Logistik  . Während die Papiere von D. Logistics zuletzt rund zehn Prozent auf 2,41 Euro stiegen, legten die von Thiel um 4,40 Prozent auf 5,24 Euro zu.

Schlechte Nachrichten gab es dagegen vom Chipkartenhersteller Winter  . Das Unternehmen hat seine Ergebnisprognose für dieses Jahr wegen der anhaltenden Flaute auf dem Telekommunikationsmarkt gesenkt. Die Aktie verlor knapp acht Prozent auf 3,35 Euro.

Wie Winter nach Börsenschluss in Frankfurt mitteilte, rechnet das Unternehmen für 2002 nur noch mit einem ausgeglichenen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), nachdem Vorstandssprecher Osterrieder im Mai noch einen operativen Gewinn von 2,8 (2001: 0,8) Millionen Euro in Aussicht gestellt hatte. An der Umsatzprognose von 48,6 (44,2) Millionen Euro hielt Winter fest. Im ersten Halbjahr rutschte Winter den Angaben zufolge mit einem Ebit von minus 1,2 Millionen Euro in die Verlustzone, nach einem Gewinn von 1,45 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz fiel leicht auf 20,5 (20,8) Millionen Euro.

Nikkei verliert deutlich

In Tokio reagierte die asiatsiche Leitbörse empfindlich auf die schwachen US-Vorgaben. Der Nikkei schloss am Donnerstag mit 2,8 Prozent auf 10.202 Zähler im tiefroten Bereich.

Euro auf Rekordflug

Euro auf Rekordflug

Der Euro ist am Freitag zeitweise auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren über 1,02 Dollar gestiegen. Wegen der erneut schwächeren Wall Street und einiger enttäuschender US-Konjunkturdaten vom Vortag habe der Dollar seinen zaghaften Erholungskurs nicht fortgesetzt, sagten Händler.

"Im Moment gibt es keinerlei Faktoren, die einen Kursanstieg des Dollar nahe legen", sagte Kazunari Kobayashi von der State Street Bank in Tokio. Am Vortag hatte sich der Dollar noch etwas erholt. Der Euro stieg zum Wochenausklang zeitweise bis auf 1,0210 Dollar, nachdem er am Vorabend im New Yorker Geschäft noch rund einen US-Cent tiefer notiert hatte. Im europäischen Handelsverlauf stabilisierte sich die Gemeinschaftswährung bei Kursen um 1,0150 Dollar.

Die US-Valuta verlor zum Yen zeitweise bis auf 115,73 Yen und näherte sich damit seinem 17-Monatstief von 115,50 Yen. Am Donnerstag hatten die US-Börsen nach einer kurzen Erholungsphase am Vortag den Handel erneut mit kräftigen Kursverlusten beendet.

Der Dollar leide daher weiterhin unter dem Verlust von Vertrauen in US-Finanzanlagen, sagten Händler. Impulse dürfte der Markt am Nachmittag von weiteren US-Konjunkturdaten erhalten, sagten Händler. Erwartet werden unter anderem die Verbraucherpreise für Juni und die Außenhandelsdaten für Mai.

Angesichts der erneuten Kursverluste des Dollar zum Yen seien erneute Interventionen der japanischen Notenbank zu Gunsten der US-Währung nicht auszuschließen, sagten Händler. Der japanische Finanzminister Masajuro Shiokawa äußerte sich besorgt über die heftigen Kursbewegungen am Devisenmarkt. Die Regierung ergreife bedacht mehrere Schritte, ohne dabei auf mögliche Interventionen einzugehen. Japan befürchtet bei einem starken Yen Einbußen für die Exportwirtschaft des Landes.

Japans Notenbank-Chef Masaru Hayami sagte, er gehe nicht von einem weiteren Abrutschen des Dollar zu anderen wichtigen Währungen aus. "Es gibt keine anderen verlässlichen Devisen, daher denke ich nicht, dass der Dollar weiter fällt", sagte Hayami.

Wall Street: Türkte AOL Time Warner Bilanzen?

Wall Street im Tiefrausch

Nach Handelsschluss in Frankfurt ging es an den New Yorker Aktienmärkten noch einmal kräftig bergab. Der Dow Jones fiel um 1,6 Prozent auf 8409 Zähler. Der Index der US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, gab 2,9 Prozent auf 1356 Punkte ab.

Die Zahlenflut nach Börsenschluss war alles andere als schmeichelhaft. Der Ausblick von Sun Microsystems   und EBay   ist schwach. Katastrophale Ergebnisse legte Gateway   vor. Die Fluggesellschaft US Airways stürzte beim Ergebnis ab. Ihr droht die Pleite.

Die Zahlen für das abgelaufene vierte Quartal beim weltgrößten Softwarehersteller Microsoft   lagen im Rahmen der Erwartungen. Doch der Ausblick kam bei der Börse nicht gut an. Die Aktie gab nachbörslich nach. Der Ausblick zeige, sagten Analysten in New York, dass Microsoft als mittlerweile reiferes Unternehmen nicht mehr so stark wachse. Mitte der 90er Jahre hatte der Software-Riese im Durchschnitt Wachstumsraten von fast 38 Prozent gezeigt.

Schönte AOL Time Warner die Bilanz?

Zu allem Überfluss gab es nach Börsenschluss schlechte Nachrichten zu AOL Time Warner  . Der Medienriese taumelt im Sog der Enronitis. Mit "fragwürdigen" Geschäften soll die Bilanz geschönt worden sein. Nach wochenlangen Spekulationen trat Chef Bob Pittman von seinem Posten als Chief Operating Officer zurück, wie das Unternehmen bekannt gab. Pittmans Name wird allgemein mit hochfliegenden Wachstumsprognosen für die Zeit nach der Fusion des Medienkonzerns in Verbindung gebracht. Allerdings sind diese Ziele nie erreicht worden.