Börse am Mittag Handel ausgesetzt
Frankfurt am Main - Man habe das Xetra-System gegen 12.30 Uhr "kontrolliert heruntergefahren", sagte ein Sprecher der Deutschen Börse. Wann der Handel über dieses System wieder aufgenommen werde, könne derzeit noch nicht gesagt werden. Nach Angaben von Marktteilnehmern ruht der Handel fast ganz. Über das Parkett würden derzeit nur wenige Aufträge ausgeführt, heißt es.
Börse am Vormittag: Kräftige Gewinne
Die deutschen Aktienmärkte haben am Vormittag ihre Gewinne ausgebaut. Der Dax stieg bis 11 Uhr um 1,9 Prozent und notierte bei 5160 Punkten. Die Wachstumswerte im Nemax 50 legten um 4,6 Prozent auf 1306 Punkte zu.
Die Hoffnung auf eine baldige Konjunkturbelebung beflügelt die Märkte, obwohl der Aufschwung noch nicht von guten Unternehmens- oder Konjunkturdaten gestützt wird. Skeptiker warnen bereits vor dem hohen Tempo des Aufschwungs. Innerhalb einer Woche ist der Dax um mehr als drei Prozent gestiegen, in den vergangenen vier Wochen legte der Blue-Chip-Index um satte zwölf Prozent zu.
Für Ernüchterung könnten der Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland und das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan sorgen, die am Mittwoch veröffentlicht werden. Der Ifo-Index gilt als wichtiger Gradmesser für die Konjunktur in Deutschland.
Technologiewerte steigen
Dennoch musste man am Vormittag Verlierer in Dax und Nemax mit der Lupe suchen. Im Dax gaben lediglich die defensiven Werte Post und Henkel leicht nach. Spitzenreiter im Dax war der Finanzdienstleister MLP mit einem Plus von mehr als vier Prozent.
Technologiewerte tendierten zum Wochenstart einheitlich freundlich. Stärkster Technologiewert war die Aktie von Epcos mit einem Plus von rund 3,5 Prozent. Experten erwarten, dass der Bauelemente-Hersteller morgen rote Zahlen präsentieren wird. Doch auch Siemens und Infineon waren in der vergangenen Woche nach Vorlage äußerst mäßiger Zahlen stark gestiegen.
Die Titel von Siemens drehten am Vormittag ins Plus und kletterten über 68 Euro, nachdem sie im frühen Handel noch zu den Verlierern gezählt hatten. Gerüchte um hohe US-Verluste von annähernd 1,3 Milliarden Mark und Probleme bei der Markteinführung der Mobilfunktechnologie UMTS konnten den Titel nur vorübergehend belasten. Auch SAP und Deutsche Telekom legten jeweils rund zwei Prozent zu. Lediglich Infineon notierte um den Vortagesschluss, nachdem die Aktie in der Vorwoche bereits stark zugelegt hatte.
Kartellklage gegen BASF
Die Aktie von BASF notierte 2,1 Prozent fester, obwohl dem Chemiekonzern eine EU-Kartellklage droht, die ein Loch von 50 Millionen Euro in die Kasse reißen könnte. Grund für die Klage: Im Vitamingeschäft soll es wettbewerbswidrige Preisabsprachen gegeben haben.
Lufthansa-Titel gehörten mit einem Plus von 3,5 Prozent neben Epcos zu den stärksten Gewinnern im Dax. Die Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi über einen Lohnverzicht des Boden- und Kabinenpersonals waren am Wochenende vorerst gescheitert, doch Anleger hoffen weiterhin auf eine Einigung in absehbarer Zeit. Zudem nützen die niedrigen Ölpreise der Fluglinie. Auch Chemietitel profitieren von dem Preisverfall.
DaimlerChrysler im Vorwärtsgang
Die Aktie von DaimlerChrysler war mit einem Plus von 3,3 Prozent auf 46,50 Euro stärkster Autotitel. Volkswagen und BMW legten jeweils rund ein Prozent zu. Besonders bei den Autotiteln könnte die erhoffte Konjunkturbelebung beflügelnd wirken.
Neuer Markt: Consors bricht ein
Händler am Frankfurter Neuen Markt äußerten sich besorgt über die rasante Erholung des Index. Der Index hatte am Morgen zeitweise schon mehr als fünf Prozent zugelegt. Zu den größten Gewinnern im Nemax 50 zählten SCM und Broadvision sowie die Zockerpapiere Biodata und Carrier1 mit Kursgewinnen von jeweils knapp 20 Prozent.
Der Chipbroker ACG legte rund zehn Prozent zu, nachdem das Unternehmen rote Zahlen und einen gestiegenen Umsatz gemeldet hatte. Einziger Verlierer im Nemax 50 war am Montag der Online-Broker ConSors mit einem Verlust von elf Prozent. Offenbar hat das Bankenkonsortium, das den angeschlagenen Consors-Anteilseigner Schmidt-Bank aufgefangen hat, noch keinen Käufer für Consors gefunden.
Euro unter Druck
Der Euro hat am Montagmorgen an Wert verloren. Die Gemeinschaftswährung kostete in Frankfurt am Vormittag 0,8808 Dollar. Am Freitag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 0,8845 Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 2,2112 Mark.
Der Markt wart neue Konjunkturzahlen für den Euroraum ab, sagten Händler. Im Mittelpunkt des Interesses dürften dabei die Daten zur Industrieproduktion der Eurozone im September stehen, die an diesem Montag veröffentlicht werden und der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex für Oktober. Dieser wird am Mittwoch vorgelegt.