Börse am Mittag Henkel rutscht ins Minus
Frankfurt am Main - Der Dax lag bis zum Mittag rund ein Prozent im Minus bei 3122 Punkten, nachdem der Index am Vortag bereits um 4,3 Prozent abgetaucht war. Der Nemax 50 gab bis zum Mittag 2,2 Prozent auf 419 Zähler nach. Das Wohl und Wehe der deutschen Börsen hängt wieder einmal von den US-Märkten ab: Da auch die US-Futures im Minus notieren, wagt sich in Frankfurt kaum ein Käufer aufs Parkett. Der Dow Jones hatte im späten Handel seine Verluste ausgebaut und 2,1 Prozent schwächer bei 8586 Punkten geschlossen - der größte Tagesverlust seit drei Wochen. Nun droht der Dax wieder unter 3100 Zähler zu fallen, nachdem der Index noch am Mittwoch die 3400 Punkte überwunden hatte.
Infineon reduziert Verluste
Auch die Zahlen von Infineon locken die Bären wieder hervor. Der Chiphersteller hat wegen der Krise in der Halbleiterbranche im abgelaufenen Geschäftsjahr erneut einen Milliardenverlust erlitten. Vor Steuern und Zinsen sei im Geschäftsjahr 2001/02 (30. September) ein Minus von 1,14 Milliarden Euro entstanden, teilte Infineon am Freitag mit. Im Geschäftsjahr 2000/01 betrug der Verlust vor Steuern und Zinsen 1,02 Milliarden Euro.
Im vierten Quartal hat das Unternehmen außerdem wegen Wertberichtigungen auf latente Steuern und Lagerbestände einen überraschend hohen Verlust verzeichnet. Die Aktie brach zum Auftakt um knapp zehn Prozent ein, konnte den Verlust jedoch zuletzt auf zwei Prozent reduzieren. Deutlicher als Infineon musste der Bauelemente-Hersteller Epcos abgeben.
Henkel am unteren Ende der Erwartungen
Die rote Laterne im Index übernahm bis zum Mittag der Konsumgüterhersteller Henkel . Dabei hat das Unternehmen im dritten Quartal einen Ergebnisschub erzielt und die Ergebnisziele für das Gesamtjahr bekräftigt. Im Berichtszeitraum erhöhte sich der Umsatz um 0,7 Prozent auf 2,37 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen sei in dieser Zeit um 14,7 Prozent auf 160 Millionen Euro gestiegen, teilte Henkel am Freitag mit. Damit lag der Konzern dennoch am unteren Ende der Analysten-Erwartungen: Die Aktie baute ihre Verluste zuletzt auf rund vier Prozent aus.
EZB bringt Finanzwerte unter Druck
Die Entscheidung der EZB, die Zinsen nicht zu senken, setzte auch die Finanzwerte unter Druck: HypoVereinsbank , Deutsche Bank und Commerzbank setzten ihre Talfahrt mit Verlusten zwischen 1,5 und 2,6 Prozent fort.
Telekom herabgestuft, defensive Titel gesucht
Lediglich die defensiven Titel Metro , BASF , Linde und Bayer legten zum Wochenschluss leicht zu. Nach den extremen Schwankungen der vergangenen Tagen und der erneuten Enttäuschung im Hightechsektor durch Cisco und Infineon schichten Investoren erneut um.
Auch die Aktien der Deutschen Telekom präsentierten sich knapp zwei Prozent schwächer. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein hat die Aktie auf "Halten" herabgestuft und ein Kursziel von 11,50 gesetzt.
Deutsche Börse: Umatz gestiegen, Gewinn enttäuscht
Trotz der Flaute am Aktienmarkt hat die Deutsche Börse im dritten Quartal 2002 ihr bislang bestes Ergebnis eingefahren. Wie das Unternehmen mitteilte, schloss das dritte Vierteljahr mit einem Umsatzrekord von 388,3 Millionen Euro und einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 87,9 Millionen Euro. Während die Terminbörse Eurex auch im dritten Quartal mit Umsatzerlösen von 97,3 Millionen Euro das stärkste Segment der Gruppe war, lag der Umsatz des Bereichs Xetra mit 53,5 Millionen Euro um acht Prozent unter dem des Vorjahresquartals.
Nach Bekanntgabe der Zahlen für das dritte Quartal bewertet Merrill Lynch die Deutsche Deutsche Börse AG weiter mit "Neutral". Die Zahlen seien zwar im Grunde gut ausgefallen, schreibt Merrill. Allerdings habe der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) die Erwartungen unterschritten.
MobilCom: Schmid-Theater geht weiter
Zu den schwächsten Werten im Nemax gehörte der Chipbroker ACG , der nach den schwachen Zahlen des Chipherstellers Infineon rund zehn Prozent abgab. Auch Aixtron setzte nach schwachen Quartalszahlen seine Talfahrt fort.
MobilCom: Schmid-Theater geht weiter
Die Bundesregierung hält an einer Weiterführung der Verhandlungen um die Zukunft von MobilCom fest. Zu einem offenen Brief des MobilCom-Großaktionärs Gerhard Schmid mit der Aufforderung an Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement, jetzt "persönlich die Initiative" zu übernehmen, wollte dessen Ministerium jedoch keine wertende Stellungnahme abgeben. MobilCom-Gründer Gerhard Schmid hat "neue inhaltliche Änderungen" seitens des Bundeswirtschaftsministeriums am Treuhandvertrag abgelehnt und ein persönliches Eingreifen des Ministers verlangt. Die Aktie pendelte am Vormittag weiter unter der Marke von fünf Euro, nachdem sie am Vortag zweistellig eingebrochen war.
Nikkei schwach, Euro weiter über Parität
Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag nach der negativen Vorgabe der Wall Street schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fiel um 229,67 Punkte oder 2,6 Prozent und ging beim Stand von 8.690,77 Punkten ins Wochenende.
Der Euro legte am Freitag weiter zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs bei 1,0013 (Mittwoch: 0,9955) US-Dollar festgesetzt. Am Freitag Mittag notierte der Euro bei 1,0103US-Dollar.