Börse am Mittag : Infineon rast davon - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Infineon rast davon

Kräftige Zugewinne bei den Tech-Werten treiben den Dax steil nach oben. Auch der Nemax haussiert. In den USA deutet sich ein fester Handelsauftakt an.
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Frankfurt am Main - Der Dax stand gegen 13 Uhr mit 2,1 Prozent im Plus und notierte bei 4714 Zählern. Die Wachstumswerte im Nemax 50 verzeichneten ein Plus von 6,6 Prozent und stiegen auf 1094 Punkte. Die vorbörslichen Barometer in New York notierten deutlich im grünen Bereich. Für den frühen Nachmittag wurden mit Spannung die Quartalszahlen von DaimlerChrysler und vor allem die Prognosen erwartet, den der Konzern angeben wird.

Technologiewerte waren bei den Anlegern gefragt. Siemens   , Infineon   und Epcos   legten zwischen fünf und 3,50 Prozent zu. SAP   kletterten zuletzt um 2,50 Prozent auf 119,60 Euro. Die Investmentbank JP Morgan hatte die Gewinnerwartung für Siemens-Aktien vor Handelsbeginn für 2001 und das kommende Jahr deutlich gesenkt. Die Experten sehen in den Papieren allerdings langfristig weiter einen Kauf.

In Deutschland werden mit Spannung die Geschäftszahlen für das dritte Quartal des DaimlerChrysler   -Konzerns erwartet. Die Aktie kletterte zuletzt um rund drei Prozent und durchbrach damit die Marke von 40 Euro.

US-Bericht beflügelt DaimlerChrysler

Automobilexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler begründete den Kursgewinn mit einem Bericht der "Detroit Post", nachdem der Quartalsverlust des deutsch-amerikanischen Automobilriesen im dritten Quartal mit zwischen 200 und 300 Millionen Dollar deutlich niedriger ausfallen könnte als vom Markt erwartet. "Eigentlich glauben alle an einen Verlust um die 600 Millionen Dollar. "Ausserdem habe am Morgen der zum Daimler-Chrysler-Konzern gehörende japanische Autohersteller Mitsubishi über Plan liegende Zahlen veröffentlicht.

Ein Frankfurter Aktienhändler nannte Äußerungen von Daimler-Finanzvorstand Manfred Gentz zum Ausblick auf das Gesamtjahr als Grund für den steigenden Kurs. Gentz hatte in einem Interview mit der "Börsenzeitung" (Dienstagausgabe) am Ziel eines operativen Gewinns zwischen 1,2 und 1,7 Milliarden Euro im laufenden Jahr festgehalten, das Erreichen dieses Ziels aber nicht als gesichert angesehen. "Der Ausblick war zwar vorsichtig, stimmt aber angesichts der schwierigen Lage der Branche optimistisch", sagte der Händler.

Finanztitel fester

Fester notierten auch die Finanztitel Allianz   und Deutsche Bank sowie Münchener Rück   , die zwischen zwei und 1,70 Prozent vorrückten. Die Papiere der HypoVereinsbank lagen mit 0,60 Prozent im Plus bei 35 Euro. Das Kreditinstitut legt am Donnerstag seine Quartalszahlen vor. Analysten rechnen mit einem Gewinneinbruch von bis zu 60 Prozent.

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer   hat seine pessimistischen Geschäftsaussichten für 2001 bekräftigt. "Das dritte und vierte Quartal entspricht nicht unseren Erwartungen", sagte Bayer-Chef Manfred Schneider dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). Eine wirtschaftliche Erholung sei nicht in Sicht und er rechne erst für das zweite Halbjahr 2002 mit einer konjunkturellen Belebung. Die Aktie drehte nach schwachem Auftakt ins Plus.

RWE   konnten sich auf ihre Vortagesniveau bei knapp 45 Euro hocharbeiten. Nach Informationen des Nachrichtensenders ntv erwartet der Vorstand für das Rumpfgeschäftsjahr von Juli bis Dezember keinen Gewinnanstieg. Schwächster Wert im Dax waren die Aktien von ThyssenKrupp   , die ohne neue Nachrichten mehr als zwei Prozent auf 11,57 Euro nachgaben

Direktbanken geben Ton in Nemax 50 an

Einen guten Tag erwischten auch die Aktien von Direktbanken. comdirect   führten die Gewinnerliste im Nemax 50 mit einem Plus von knapp 24 Prozent auf rund elf Euro an. DAB Bank   kletterten um zwölf Prozent. Auch der Konkurrent ConSors   verbesserte sich um rund zwölf Prozent auf zuletzt 13,21 Euro.

ComROAD   , der im Nemax 50 notierte Anbieter von Telematiknetzwerken, hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2001 den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um über 110 Prozent auf Euro 27,9 Millionen gesteigert. Der Vorstand gehe davon aus, dass der geplante Umsatz in Höhe von 95 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2001 erreicht wird. Die Aktie verzeichnete ein Plus von 19 Prozent auf 9,36 Euro und gehörte damit zu den stärksten Werten im Nemax 50.

US-Börsen: JP Morgan sieht Boden noch nicht erreicht

Schwache Wirtschaftsdaten haben die Stimmung an den US-Aktienmärkten nicht getrübt. Obwohl der gestern veröffentlichte Index der Frühindikatoren den deutlichsten Rückgang seit 1996 aufwies und damit das Ende der US-Konjunktur-Schwäche weiter nicht abzusehen ist, schlossen die Börsen in New York deutlich im Plus.

Der Dow Jones präsentierte sich 1,9 Prozent fester auf 9377 Zähler. Der Nasdaq Composite rückte 2,2 Prozent vor auf 1708 Punkte. Vor allem zum Handelsschluss holte die Nasdaq bei überdurchschnittlichen Umsätzen dank positiver Analysten-Kommentare zum Chipsektor kräftig auf.

Heute nach US-Börsenschluss wird die Branchenvereinigung Semiconductor Equipment and Materials International die sogenannte Book-to-Bill-Ratio für September veröffentlichen: Nach Ansicht der Analysten von UBS Warburg könnte die Zahl der neuen Aufträge zum ersten Mal seit Monaten die Zahl der auslieferten Chips übersteigen. Der Chiphersteller Altera wies indes nach Börsenschluss einen Gewinn je Aktie von fünf Cents aus und traf damit genau die Analysten-Erwartungen. Der Ausblick ist positiv. Unter diesen Vorzeichen sollten vor allem Technologiewerte an den deutschen Aktienmärkten heute gut starten.

Gleichwohl fehlt es in den USA nicht an mahnenden Stimmen. Das Investmenthaus JP Morgan sieht etwa beim S&P 500 den Boden noch nicht erreicht. Dafür sei es zu früh, erklärte die Bank gestern. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse seien aus Sicht der Experten zu hoch und zu viel Hoffnung im Markt, dass der Index seine Tiefstände nicht mehr markieren werde. Die Analysten hingegen glauben, dass der S&P 500 seine Tiefstände noch einmal testen werde. In den USA legen heute unter anderem AT&T Wireless (vor Börsenbeginn) sowie Amazon.com, Compaq (nach Börsenschluss) und Lucent Technologies ihre Geschäftszahlen vor.