Börse am Mittag: Infineon rutscht ab - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Infineon rutscht ab

Dax und Nemax bauen ihre Verluste aus. Gewinnmitnahmen und Angst vor militärischen Vergeltungsschlägen der USA lasten auf den Aktienmärkten.
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Frankfurt am Main - Nach einer schwachen Eröffnung gab der Dax bis 12.30 Uhr um 1,9 Prozent auf 4226 Punkte ab. Der Nemax 50 rutschte um 2,1 Prozent auf 785 Zähler.

Die Stimmung am Markt wurde belastet von der unsicheren politischen Situation. Zudem befürchteten Marktteilnehmer schlechte Konjunkturdaten: In den USA steht die Veröffentlichung des aktuellen Einkaufsmanager-Indexes an. Volkswirte versprechen sich von dem Frühindikator Aufschluss über den Stand der wirtschaftlichen Abwärtsentwicklung in den Vereinigten Staaten.

Nachdem die deutschen Blue Chips in der vergangenen Woche mehr als zwölf Prozent zugelegt hatten, würden Anleger auch verstärkt Gewinne mitnehmen, hieß es am Markt.

Im Dax notierte am frühen Mittag nur die Aktie von DaimlerChrysler   deutlich im Plus. Das Papier legte 1,6 Prozent auf 33,22 Euro zu. Marktbeobachter führten den Kursaufschlag auf Käufe von Schnäppchenjägern zurück, nachdem die Aktie in den vergangenen Wochen arg unter Druck stand. Die Titel der Rivalen BMW   (minus 2,8 Prozent auf 27,25 Euro) und Volkswagen   (minus 2,7 Prozent auf 37,98 Euro) gaben dagegen deutlich nach.

Im Blickpunkt standen die Aktien von Siemens, die ein Prozent auf 41,49 Euro verloren. Einem Bericht des "Wall Street Journal Europe" zufolge führt Siemens Verhandlungen mit dem US-Telekomausrüster Motorola über ein Gemeinschaftsunternehmen im Mobilfunkbereich. Der Transaktionswert werde auf 21,96 bis 27,46 Milliarden Euro geschätzt.

Markbeobachter bewerteten die Nachricht mit gemischten Gefühlen. Den Experten von Delbrück zufolge reagieren die Unternehmen auf den "starken Wettbewerb und die schwächelnde Nachfrage". Die Partnersuche sei "richtig", allerdings dürften die Verhandlungen Zeit brauchen. Ein Händler einer anderen Bank ergänzte, dass Siemens mit dem Gemeinschaftsunternehmen nicht nur einen Partner gewinne, sondern auch einen wichtigen Konkurrenten los werde. Ein US-Börsianer zeigte sich hingegen skeptischer: Siemens müsse die bereits bestehenden Joint Ventures entweder auflösen oder dazu ordnen. Zudem seien die deutsch-amerikanischen Fusionen in der Vergangenheit nicht immer von Erfolg gekrönt worden.

Größter Dax-Verlierer war die Aktie der Siemens-Tochter Infineon  . Das Papier verlor über sechs Prozent auf 12,66 Euro. Händler führten die Abgaben auf eine negative Analyse der UBS Warburg zurück. Die Analysten hatten das Kursziel für die Aktie von 25 auf zehn Euro gesenkt. "Die verdienen zu wenig", sagte ein Händler. Infineon hatte in der vergangenen Woche einen strikten Sparkurs wegen seiner Liquiditätsengpässe angekündigt. Dennis Nacken von der Helaba Trust sieht als einen weiteren Grund die allgemein schlechte Stimmung am Halbleitermarkt. Nach einer noch nicht veröffentlichten Bilanz des Industrieverbands Semiconductor Industry Association (SIA) sei der Halbleiterabsatz im Dreimonatsdurchschnitt zum zehnten Mal in Folge eingebrochen, erklärte er.

Die Titel der Deutschen Bank   verloren 3,9 Prozent auf 57,84 Euro. Das Unternehmen bleibt auch nach der Übernahme des amerikanischen Vermögensverwalters Scudder auf Partnersuche. Die Expansion sei "noch lange nicht beendet", sagte der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf. E. Breuer, dem "Handelsblatt". Zudem steht am Mittwoch das Listing an der New York Stock Exchange an.

Neues Regelwerk am Neuen Markt

Das umstrittene Regelwerk für den Neuen Markt wird heute wirksam. Den sogenannten Pennystocks droht damit das Aus an der Wachstumsbörse. Die rund 40 Titel, die von einem Zwangs-Delisting betroffen wären, haben überwiegend leichter notiert. Es sei kein Wunder, dass die Penny Stocks fast durchweg nachgeben, sagte ein Händler. "Es interessiert keinen Menschen, ob die Aktien jetzt noch 40 oder 50 Cent kosten." Viel Druck sei aber im Handelsverlauf nicht zu erwarten, denn die neuen Regeln der Deutschen Börse seien schon weitgehend in den Kursen eingepreist, und einige Unternehmen hätten ja noch eine Gnadenfrist.

Die Titel von Intershop   brachen um annähernd acht Prozent auf 1,53 Euro ein. Die Softwarefirma hat ihre Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2001 von zuvor rund 120 Millionen Euro auf rund 80 Millionen Euro zurückgenommen. Dies gehe auf eine anhaltende Konjunkturschwäche und zurückhaltende Investitionen im IT-Bereich zurück, teilte das Unternehmen mit. Um im vierten Quartal 2001 schwarze Zahlen beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erreichen zu können, will Intershop ein Viertel der rund 1000 Stellen streichen.

Mit einem deutlichen Kursplus von über 20 Prozent auf 32,56 Euro setzte sich die Aktie von Morphosys   an die Spitze der Nemax-50-Gewinnerliste. Ebenfalls stark präsentierte sich D.Logistics   .

Tokio schließt im Plus

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat sich am Montag nach anfänglichen Verlusten wegen des drastisch verschlechterten Wirtschaftsklimas wieder gefangen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte kletterte bis zum Handelsschluss um 197,60 Punkte oder zwei Prozent auf 9972 Punkte. In den ersten 15 Handelsminuten hatte der Nikkei noch einen Verlust von 151,04 Punkten verbucht.

Euro leicht unter Druck

Die europäische Gemeinschaftswährung hat im frühen Handel deutlich nachgegeben, im weiteren Handelsverlauf aber wieder etwas gefangen. Gegen 12.20 Uhr notierte der Euro bei 0,9117 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 0,9131 Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 2,1420 Mark.