Börse am Mittag Infineon schiebt, Telekom bremst
Frankfurt am Main Verluste beim Schwergewicht Deutsche Telekom haben den Dax im Mittagshandel unter Druck gesetzt. Mit Ausnahme von Infineon gaben Technologiewerte ihre Gewinne wieder ab. Der Dax stand gegen 12.40 Uhr mit 0,2 Prozent auf 5193 Zählern im roten Bereich. Auch die Wachstumswerte im Nemax 50 gaben ihre Gewinne wieder ab. Der Index stand bei 885 Zählern.
Die vorbörslichen Barometer an der Wall Street ließen keinen eindeutigen Handelsauftakt voraussagen. Am Nachmittag wird US-Notenbankchef Alan Greenspan zu den Konjunkturaussichten sprechen.
Die T-Aktie fiel nach Bekanntgabe der Zahlen um rund ein Prozent auf 16,53 Euro. Die Telekom strebt im laufenden Geschäftsjahr weitere Zuwächse beim Umsatz und beim operativen Ergebnis an, rechnet aber weiter mit Belastungen durch Zinsaufwand und Abschreibungen.
Der Umsatz soll im Gesamtjahr 2002 um rund zehn Prozent zum Vorjahreswert von 48,3 Milliarden steigen, wie Konzernchef Ron Sommer am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Bonn sagte. Das operative Ergebnis Ebitda (Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen) soll nach Telekom-Angaben 2002 wie im Vorjahr um einen zweistelligen Prozentsatz wachsen.
Diese Nachrichten konnten die Investoren aber offenbar nicht überzeugen. Denn das Hauptproblem der Telekom bleibt der hohe Schuldenberg, der im ersten Quartal auf rund 67 Milliarden Euro angestiegen ist.
Die Papiere von Bayer verloren 2,4 Prozent auf 39,1 und waren das Schlusslicht im Dax. Der Chemie- und Pharmakonzern will bis zum Ende des laufenden Jahres entscheiden, wie die Zukunft seiner Pharmasparte aussieht. Dies sagte der designierte Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Wenning. Im Pharma-Bereich sucht Bayer seit längerem nach Partnern. Der Pharma-Sparte von Bayer war 2001 nach dem Rückruf des Cholesterinsenkers Lipobay/Baycol in 2001 unter Druck geraten.
An der Spitze des Indizes konnte sich die Aktie von Infineon halten. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2001/02 (30. September) sei wegen gestiegener Nachfrage und höherer Preise das Minus vor Steuern und Zinsen verglichen mit dem Vorquartal von 564 Millionen Euro auf 178 Millionen Euro reduziert worden. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der meisten Analysten. Für die kommenden Monate gab sich Infineon aber nur vorsichtig optimistisch. Die Aktie lag bei 1,3 Prozent auf 23,47 Euro im Plus.
Epcos , Siemens und SAP drehten nach einem guten Start ins Minus.
Siemens gaben 1,6 Prozent ab. Händler erklärten die Kursabschläge mit einer Abstufung der Titel von Ericsson durch das Investmenthaus Merrill Lynch. Der schwedische Handykonzern hatte am Vortag schwache Zahlen vorgelegt und die Aktie ein Viertel ihres Wertes verloren. Der Kursverfall setzte sich heute mit Verlusten von weiteren zwölf Prozent auf 2,72 Euro fort.
Europas führender Großbäcker Kamps gibt seinen Widerstand gegen die Übernahme durch den weltweit größten Pasta-Hersteller Barilla auf. Kamps und Barilla einigten sich unmittelbar vor der Hauptversammlung des Düsseldorfer Konzerns auf ein erhöhtes Angebot von 12,50 Euro je Kamps-Aktie durch Barilla. Zuletzt notierte die Aktie bei 12,41 Euro: ein Verlust von rund 1,5 Prozent. Vor Handelsbeginn hatte der Backkonzern seine Geschäftszahlen vorgelegt. Demnach hat Kamps im ersten Quartal 2002 ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) über dem eigenen Plan eingefahren, der Nettogewinn sank dagegen.
Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hat im abgelaufenen Jahr einen Gewinn je Aktie von 1,12 Euro erzielt. Analysten hatten zuvor ein Ergebnis zwischen 1,27 und 1,70 Euro erwartet. Wie das Unternehmen am Dienstag in Frankfurt mitteilte, will der Vorstand eine Dividende von 40 Cent je Aktie vorschlagen. Ende März hatte Fraport bereits den Jahresüberschuss von 101,1 Millionen Euro bekannt gegeben. Das ist 22 Prozent weniger als im Vorjahr. Die ebenfalls im M-Dax notierte Aktie rutschte mit 1,3 Prozent in die Verlustzone auf 27,19 Euro.
Neuer Markt: Thiel-Aktie findet keinen Boden
Insgesamt beflügelnd hätten sich zunächst die Unternehmenszahlen von ausgewirkt, sagte ein Börsianer. Dass im Streit um den Zwangsausschluss von Billigaktien (PennyStocks) vom Neuen Markt die Deutsche Börse eine Niederlage einstecken musste, sah der Händler als "sehr negativ für den Gesamtmarkt" an. Nun werde die Spreu nicht vom Weizen getrennt. Sechs Aktiengesellschaften hatten sich in einem Eilverfahren dagegen gewehrt, wegen ihres niedrigen Börsenwertes vom Neuen Markt verbannt zu werden.
Die Aktien des Chipbrokers ACG kletterten um 3,2 Prozent auf 5,22 Euro und gehörten damit zu den Gewinnern des Nemax 50. Deutlich im Plus notierten auch Biotechnologiewerte. Evotec , MorphoSys und MediGene verzeichneten Gewinne zwischen vier und 5,6 Prozent.
Der Vorstand von Thiel Logistik kann dementieren wie er will. Gerüchte um Bilanzprobleme belasteten auch heute das Papier, das gestern eine Berg- und Talfahrt hingelegt hatte. Thiel gaben zuletzt mehr als neun Prozent auf 9,97 Euro nach. Am Vortag war die Aktie bei Verlusten von mehr als 40 Prozent zeitweilig unter die Marke von sieben Euro gerutscht.