Börse am Mittag: Infineon stürzt ab - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Infineon stürzt ab

Die deutschen Börsen haben ihre Verluste weiter ausgebaut. Besonders hart erwischte es Infineon: Der offene Streit mit der Mutter Siemens beunruhigt die Anleger.
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Frankfurt am Main - Bis zum Mittag verlor der Dax 1,5 Prozent auf 6048 Punkte. Deutlich ins Minus rutschten auch die Wachstumswerte am Neuen Markt: Mit 1732 Zählern notierte der Nemax 50 3,8 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag. Der M-Dax gab 0,2 Prozent auf 4596 Punkte nach.

Die Wall-Street-Futures zeigten ebenfalls nach unten und deuteten einen schwachen Wochenauftakt in New York an. Die Stimmung wurde von überraschend guten Konjunkturzahlen belastet, die gegen eine deutliche Zinssenkung der US-Notenbank sprechen. Die Fed wird am Dienstag auf ihrer planmäßigen Sitzung über eine mögliche Zinssenkung beraten.

Im Dax hat sich die Aktie von Linde mit einem Gewinn von 0,5 Prozent auf 50,49 Euro an die Spitze der Gewinnerliste geschoben und Preussag verdrängt. Die Anteilsscheine des Touristikkonzerns fielen nach einem deutlichen Kursanstieg am Morgen wieder zurück, notierten mit 0,3 Prozent auf 37,45 Euro aber immer noch im Plus. Das Unternehmen wurde von Lehman Brothers in das europäische Musterportfolio aufgenommen. Die Investmentbank hatte dazu erklärt, dass zyklische Werte künftig eine bessere Kursentwicklung haben sollten. Im Gegenzug wurde ein Finanztitel aus der Empfehlungsliste genommen.

Alle anderen 30 Dax-Titel notierten am Mittag im Minus. Die rote Laterne hat Infineon übernommen. Die Titel verloren 3,4 Prozent auf 44,79 Euro. Medienberichten zufolge will der Chiphersteller die Bindung an das Mutterunternehmen Siemens reduzieren. Siemens solle seine Beteiligung an Infineon auf 10 bis 15 Prozent statt der bisherigen 56 Prozent reduzieren, verlangte der Infineon-Vorstandsvorsitzende Ulrich Schumacher.

Siemens verhalte sich gegenüber Infineon zeitweise immer noch wie ein Besitzer, beschwerte sich Schumacher. Erst im Vorjahr war Infineon von Siemens ausgegliedert worden. Damals hatte Siemens zugesagt, seine Beteiligung an dem Unternehmen zu reduzieren. Der niedrigere Börsenwert Infineons seit Mitte 2000 habe dies jedoch verhindert, begründete Siemens die Verzögerung. Die Aktie des Mutterkonzerns gab zwei Prozent auf 82,81 Euro nach, Epcos-Papiere notierten ein Prozent schwächer, die von SAP gaben 2,6 Prozent nach.

Die Anteilsscheine des Einzelhandelskonzerns Metro verbilligten sich um 2,8 Prozent auf 45,19 Euro. "Zwei Investmenthäuser haben die Aktie herabgestuft", erklärte Gorodsinsky die Kursverluste. Der Markt sei von der Entwicklung der Unterhaltungselektronik-Sparte enttäuscht.

Die Finanzwerte präsentierten sich zum Wochenauftakt schwach. Das Papier der Dresdner Bank büßte 2,8 Prozent auf 49,73 Euro ein. "Die schlechten Quartalszahlen und andauernd negativen Schlagzeilen drücken den Kurs der Aktie", begründete ein Händler die Abschläge. Die Deutsche Bank und die Commerzbank bauten ihr Minus auf 1,1 bzw. 0,8 Prozent aus.

Im Blickpunkt des Interesses stand erneut die Lufthansa. Nachdem die Tarifverhandlungen zwischen der deutschen Fluggesellschaft und den Piloten in der vergangenen Woche gescheitert waren, setzten sich die beiden Kontrahenten erneut an den Verhandlungstisch. Die Lohnstreitigkeiten belasteten die Aktie weiter. Das Papier rutschte um 1,3 Prozent auf 21,52 Euro.

Deutliche Verluste am Neuen Markt

CE Consumer Electronic mussten erneut Federn lassen. Die Papiere verloren 14,2 Prozent auf neun Euro und waren damit schwächster Wert im Nemax 50. Das Unternehmen hatte am Freitag den Markt mit einer versteckten Gewinnwarnung verwirrt und daraufhin einen Kurssturz verbuchen müssen. Bereits am Freitag sackten die Anteilsscheine von CE Consumer Electronic um 17,48 Prozent.

Der Nürnberger Discount-Broker Consors notierte ebenfalls im Minus. Die Papiere verloren 7,9 Prozent auf 26,85 Euro. "Das erste Quartal war nicht gut", und der schlechte Trend des Jahresendes 2000 habe sich fortgesetzt, hatte Consors-Vorstandssprecher Karl Matthäus Schmidt dem "Handelsblatt" gesagt. Als Konsequenz würden etwa 100 befristete Arbeitsverträge nicht verlängert, kündigte er an.

Zu den Gewinnern zum Wochenbeginn gehörte United Internet. Das Unternehmen verringerte im ersten Quartal 2001 den Verlust vor Steuern im Vergleich zum Vorjahr von 10,1 Millionen Euro auf 7,4 Millionen Euro. Der Verlust pro Aktie sei damit von 0,18 Euro auf 0,13 Euro gesunken, teilte die Beteiligungsgesellschaft mit. Die Anleger honorierten die Nachrichten und bescherten den Papieren ein Plus von 7,1 Prozent auf 3,90 Euro. Damit stand das Papier in der Nemax-50-Gewinnerliste ganz oben.

T-Online bekundete gegenüber der "Financial Times" Interesse am Kauf der Gelbe-Seiten-Sparte DT-Medien der Muttergesellschaft Deutsche Telekom. Wie T-Online- Vorstandsvorsitzender Thomas Holtrop mitteilte, sei dies Teil der Strategie, die Mediensparte des Portals auszubauen. Die Aktien verloren 2,1 Prozent auf 12,59 Euro.

Wahl in Italien belastet den Euro

Der Kurs des Euro ist zum Wochenbeginn leicht gefallen. Gegen 11.45 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung im Frankfurter Handel 0,8743 Dollar. Am Freitag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 0,8773 Dollar festgesetzt.

Wegen des Kopf-an-Kopf-Rennens bei den italienischen Parlamentswahlen gerate der Euro unter Druck, sagten Händler. Anleger hätten eine deutlichere Wahl-Entscheidung zu Gunsten des Mitte-Rechts-Bündnis von Oppositionschef Silvio Berlusconi erwartet. Es mehrten sich Befürchtungen einer politischen Instabilität in dem südeuropäischen Land. Dies könnte Auswirkungen auf die europäische Gemeinschaftswährung haben.

Zudem seien Anleger nach wie vor perplex über die überraschende Zinssenkung der EZB vergangene Woche, hieß es. Die Glaubwürdigkeit der EZB sei in Gefahr, und dies helfe der Gemeinschaftswährung nicht gerade, berichteten Analysten.