Börse am Mittag Infineon vorn
Frankfurt am Main - Die deutschen Standardwerte haben nach Signalen für einen freundlichen Handelsauftakt in den USA zugelegt. Der Dax notierte gegen 12 Uhr auf 4977 Punkten, ein Plus von 0,9 Prozent. Am Neuen Markt legte der Nemax 50 um 0,7 Prozent auf 1072 Zähler zu.
Wenig Einfluss auf den Handel hatte der am Vormittag vorgelegte EZB-Monatsbericht. Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet mit einer konjunkturellen Erholung in der Euro-Zone ohne nennenswerte Inflationsgefahren. Insgesamt signalisierten die verfügbaren Daten einen wirtschaftlichen Aufschwung, auch wenn Zeitpunkt und Ausmaß noch unklar seien, heißt es darin. Analysten sagten, der zuversichtliche EZB-Konjunkturausblick lasse keine weitere Leitzinssenkung mehr erwarten. Vielmehr sei im Falle eines stärkeren Wirtschaftswachstums in der zweiten Jahreshälfte mit einer Leitzinserhöhung zu rechnen.
Überwiegend freundlich präsentierten sich die Technologiewerte: Die Siemens-Aktie kletterte um 0,9 Prozent auf 66,73 Euro. Ein Händler erklärte Gewinnen mit den am Vorabend veröffentlichten "guten Zahlen" des US-Computerkonzerns Hewlett-Packard. Diese seien besser als erwartet ausgefallen. Ein anderer Händler zeigte sich skeptisch. "Zwar waren die HP-Zahlen gut, aber der Ausblick fiel nicht besonders aus. Und das ist ja, was mittlerweile nur zählt."
HP ist unsicher, ob der Nachfrage-Anstieg der Verbraucher anhalten wird. Für das zweite Geschäftsquartal erwartet der Konzern einen Umsatz leicht unter dem des Vorquartals. Für Druck auf die Siemens-Aktie dürfte nach Ansicht eines Händlers auch der Kampf der Münchener mit dem US-Mischkonzern General Electric sorgen. Beide Unternehmen bieten für die französische Legrand. "Das ist ein fünf-Milliarden-Euro-Geschäft", sagte der Händler. Bislang habe noch kein Aktionär von einer so großen Fusion profitiert.
Anteilsscheine des Bauelementeherstellers Epcos haben ihre Verluste reduziert und notierten mit 0,6 Prozent im Minus auf 44,75 Euro. Die Siemens-Beteiligung rechnet im laufenden Geschäftsjahr 2001/02 (zum 30. September) mit einem Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent und erwartet erst danach wieder einen deutlichen Aufschwung. Infineon-Titel führten mit einem Plus von 2,6 Prozent auf 26,24 Euro die Gewinnerliste an. Der Chiphersteller hat mitgeteilt, keine Zusammenarbeit mit dem südkoreanischen Wettbewerber Hynix mehr zu verfolgen.
Gewinnmitnahmen drückten die Lufthansa tief ins Minus. Die Papiere verloren zwei Prozent auf 17,34 Euro, nachdem sie am Vortag mit einem Plus von mehr als fünf Prozent den Dax angeführt hatten. Die Aktie Gelb verlor 1,7 Prozent auf 15,44 Euro und büßte damit einen Teil des am Vortag erzielten Gewinns ein.
DaimlerChrysler-Titel haben ihre frühen Verluste wieder gutgemacht und notierten nahezu unverändert bei 44,01 Euro. Der kanadische Bahnbauer Bombardier will den Autobauer auf rund eine Milliarde Euro Schadenersatz verklagen. Es habe bei den Verhandlungen mit den Stuttgartern keine Einigung über bestimmte Vermögenswerte des Berliner Schienenfahrzeugbauers ADtranz gegeben, teilte Bombardier am Donnerstag mit. ADtranz gehört seit 1. Mai vergangenen Jahres zu Bombardier. Die Kanadier hatten das Unternehmen von Daimler für rund 1,6 Milliarden Mark übernommen.
Im MDax gewannen die Papiere des Sportartikelherstellers Puma rund 1,5 Prozent auf 38,50 Euro. Sowohl Händler als auch Analysten begrüßten die am Morgen vorgelegten Konzernzahlen. Puma hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr den Vorsteuergewinn um 124,9 Prozent auf 57,4 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Für den Gewinn je Aktie bedeute dies einen Sprung von 1,14 auf 2,58 Euro. Insbesondere wegen eines "äußerst positiven Verlaufs des 4. Quartals" sei die hauseigene Prognose deutlich übertroffen worden.
Neuer Markt: Umschichtung im Nemax 50
"Wir werden auch heute wahrscheinlich wieder nicht aus eigener Kraft nach oben treiben, sondern schauen, was da aus Amerika an Vorgaben kommt", sagte ein Neuer-Markt-Händler in München. In den USA stehen unter anderem wie jeden Donnerstag Arbeitsmarktdaten an. Wenig Impulse dürfte die Neugewichtung des Nemax 50 bringen, sagte der Händler. "Die Investmentfonds schichten nicht gleich bei jeder Neugewichtung um. Die Titel, die sie nicht haben wollen, haben sie eh schon längst herausgeschmissen."
- manager-magazin.de:Hektischer Handel vor Softmatic-Insolvenz - wer waren die Verkäufer?
- manager-magazin.de:Welche Werte Goldman Sachs empfiehlt.
Am Vorabend hatte die Deutsche Börse die Neugewichtung des Nemax 50 bekannt gegeben. Neulinge im Index sind demnach der Windkraftanlagenhersteller Nordex , der Anbieter von Versicherungs- und Finanzdienstleistungssoftware FJA und der Hersteller von Mobilfunktechnik Funkwerk . Aus dem Index fielen der insolvente Luxemburger Telekommunikationsausrüster Carrier 1 , das angeschlagene Softwareunternehmen Heyde und der Mainzer Kabelnetzbetreiber PrimaCom . Die Titel von Nordex gaben rund 0,3 Prozent auf 6,98 Euro nach, FJA-Aktien notierten etwas leichter auf 55,40 Euro und Funkwerk-Titel gewannen 3,5 Prozent auf 24,63 Euro.
Gute Vorgaben aus New York und Tokio
Der New Yorker Aktienmarkt hat am Mittwoch angesichts solider Einzelhandelszahlen fester geschlossen. Der Dow Jones stieg um 125,93 auf 9989 Punkte, die Nasdaq gewann 24,95auf 1859 Punkte. Umgesetzt wurden annähernd 1,20 Milliarden Aktien nach 1,10 Milliarden am Vortag.
Die Aktienbörse in Tokio hat ihre Erholung am Donnerstag fortgesetzt. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte kletterte erstmals seit dem 29. Januar wieder über die psychologisch wichtige Kursmarke von 10.000 Punkten. Zum Ende notierte das Kursbarometer ein Plus von 1,13 Prozent bei 10.081 Punkten. Der breit angelegte Topix stieg um 0,1 Prozent auf 984 Punkte.
Kurs des Euro leicht gefallen
Gegen 11.30 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung 0,8718 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch bei 0,8731 (Dienstag: 0,8753) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,1453 (1,1425) Euro. Der Euro war am Vortag nach unerwartet stark ausgefallenen US-Einzelhandelsumsätzen für Januar unter Druck geraten.
Mangels neuer Nachrichten habe der Euro keine großen Sprünge gemacht und sich knapp über 0,87 Dollar gehalten, sagten Händler in Tokio. Ein New Yorker Händler warnte indes davor, die Kursverluste des Euro überzubewerten. Die Handelsvolumen seien sehr niedrig. Dies deute darauf hin, dass sich die meisten Marktteilnehmer noch nicht darüber sicher seien, in welche Richtung sich die Währung bewege.