Börse am Mittag Kauflaune ungebremst
Frankfurt am Main - Die Stimmung am deutschen Aktienmarkt ist gut. Offenbar geleitet von der Hoffnung auf eine anhaltende Erholung der Aktienmärkte kaufen die Investoren wieder verstärkt ein. Davon profitieren heute insbesondere Technologiewerte. Ihre Kursgewinne, Aufschläge bei Finanztiteln und eine starke T-Aktie hieven den Dax gegen Mittag auf ein Tageshoch von 5555 Zählern, ein Plus von 1,8 Prozent. Die Wachstumswerte im Nemax 50 präsentierten sich 2,3 Prozent fester auf 1157 Punkte. Am Nachmittag werden Spannung neue Konjunkturdaten aus den USA erwartet.
Zu den Gewinnern zählten ebenso Technologiewerte wie Infineon, SAP und Siemens gewannen zwischen 3,24 und 2,60 Prozent hinzu. Techwerte profitierten insbesondere von einer Heraufstufung des Halbleitersektors ebenfalls durch Goldman Sachs am Vortag.
Der Finanzdienstleister MLP verteidigte seine Spitzeposition im Dax mit einem Plus von 3,84 Prozent auf 94,55 Euro. MLP hat im ersten Halbjahr 2001 das Konzernergebnis vor Steuern um 32,5 Prozent auf 53,8 Millionen Euro gesteigert. Die Zahlen zeigten, dass MLP gegenüber äußeren Einflüssen weitestgehend resistent sei, hieß es in der Mitteilung. MLP bekräftigte frühere Angaben, nach denen das Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte ein Gewinnwachstum von 30 Prozent erwartet.
Die Allianz hat im ersten Halbjahr 2001 einen Gewinnrückgang um fast acht Prozent verzeichnet und damit ein Ergebnis am unteren Rand der Analystenerwartungen erzielt. Der Gewinn nach Steuern und Anteilen Dritter habe in den ersten sechs Monaten bei 1,4 Milliarden Euro nach 1,5 Milliarden im Vorjahreszeitraum gelegen, teilte Europas größter Versicherer, seit Ende Juli die Muttergesellschaft der Dresdner Bank, am Dienstag mit. Die Dresdner Bank steigerte im ersten Halbjahr ihren Gewinn nach Steuern wegen einer niedrigen Steuerbelastung. Die Aktie notierte zuletzt rund ein Prozent fester auf 324,60 Euro.
Analysten sehen bei Allianz-Zahlen Klärungsbedarf
Karsten Keil, Analyst von der Helaba Trust, sieht die Allianz-Halbjahreszahlen "am unteren Rande der Erwartungen und in einzelnen Bereichen etwas schlechter als erwartet". Im Bereich Lebensversicherung sei das Prämienwachstum geringer ausgefallen. Insgesamt hält Keil die Allianz-Prognose für das Gesamtjahr einer Steigerung des bereinigten Ergebnisses um 13 Prozent für realistisch. Ausschlaggebend für den Börsenkurs seien jedoch die Eckdaten der Dresdner Bank und ob deren Integration in den Versicherungskonzern erfolgreich verlaufe.
Die West LB hat am Dienstag ihre Kaufempfehlung für Allianz erneuert. Die Halbjahreszahlen des Versicherers sind nach Ansicht der West LB im Rahmen. Konrad Becker, Analyst bei Merck Finck hält ebenfalls an seinem bisherigen Einstufung der Allianz als "Outperformer" fest. Die Allianz-Zahlen seien keine Überraschung nach oben gewesen. Klärungsbedarf sieht Becker hingegen bei den Zahlen der Dresdner Bank vor allem bei der "absolut geringen Steuerquote". Die Zahlen seien besser als erwartet ausgefallen.
T-Aktie hochgestuft, Händler sind skeptisch
Die T-Aktie belegte mit Kursaufschlägen von 4,71 Prozent auf 20 Euro weiter einen Spitzenplatz bei den Standardwerten. Das Investmenthaus Goldman Sachs hat die Telekom von bisher "Outperform" auf die "Recommended List" gesetzt und nennt ein Kursziel von 30 Euro.
Christian Glowig, Aktienhändler von der SEB-Bank bezeichnete dieses Kursziel als "ziemlich ambitioniert". Er erwartet, dass sich eine Bodenbildung über einen längeren Zeitraum hinziehen wird, bis sich das charttechnische Bild verbessert. Der Titel sei in den letzten Tagen stark überverkauft gewesen. Die Kursgewinne vom Dienstag stellten eine kurzfristige Gegenbewegung dar, meinte der Händler.
Der Spezialchemiekonzern Degussa hat ebenfalls Halbjahreszahlen vorgelegt. Der Gewinn vor Steuern (Ebit) ist in den ersten sechs Monaten um vier Prozent auf 484 Millionen Euro gesunken. Wie Degussa weiter mitteilte, sei der Reingewinn im ersten Halbjahr dagegen um vier Prozent auf 138 Millionen Euro gestiegen. Der Konzern rechne weiter mit einem verbesserten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sowie mit einem auf Vorjahreshöhe liegenden Betriebsergebnis. Die Aktie steigerte sich zuletzt um 1,80 Prozent auf 30,18 Euro.
Dirk Thiele, Analyst der BHF-Bank, erwartet auch eine weiterhin positive Geschäftsentwicklung und stufte den Wert des Spezialchemie-Konzerns auf "kaufen" mit einem Kursziel zwischen 38 und 40 Euro.
Der Chemie- und Konsumgüterhersteller Henkel hat im ersten Halbjahr 2001 sein Ebit auf 463 Millionen Euro nach 462 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum leicht gesteigert. Für das Gesamtjahr erwarte Henkel bei einer "guten Umsatzsteigerung" ein betriebliches Ergebnis, einen Jahresüberschuss und ein Ergebnis je Aktie etwa auf Niveau des Vorjahres oder ein leichtes Plus, hieß es. Die Aktie rutschte zuletzt mit einem Prozent ins Minus auf 72,50 Euro und belegte damit den letzten Platz im Dax.
Morphosys auf dem Weg zur Profitabilität
Morphosys-Aktien führten die Gewinnerliste im Nemax 50 mit Kursaufschlägen von 15,22 Prozent auf 35,20 Euro an. Sowohl beim Umsatz als auch beim Verlust je Aktie (EPS) habe das Unternehmen die Erwartungen der Marktbeobachter übertroffen, sagte Thomas Höger, Biotechnologie-Analyst bei DG Bank Asset Management. Morphosys erwirtschaftete im ersten Halbjahr einen kumulierten Umsatz von 7,9 Millionen Euro. Prognostiziert worden seien 6,5 Millionen Euro, sagte der Analyst.
Der Verlust je Aktie habe 0,65 Euro betragen. Die Konsensschätzung betrug nach Angaben Högers minus 0,91 Euro. "Wenn man das mit den Zahlen für das erste Quartal vergleicht, ist das Unternehmen auf dem Weg zur Profitabilität", sagte er.
Die Aktien von Parsytec sind nach der Umsatzwarnung für das Gesamtjahr abgestürzt. "Das ist das Worst-Case-Szenario", sagte Friederike Herkommer, Software-Analystin bei der HypoVereinsbank, die zu den Parsytec-Betreuerbanken gehört. Die Aktie des Software-Herstellers sackte um 58 Prozent auf 2,59 Euro ab.
Wall Street wartet auf Konjunkturzahlen
Die US-Technologiebörse Nasdaq hatte nach Handelsschluss in Deutschland noch deutlich zugelegt und mit einem Plus von 1,3 Prozent auf 1982 Zähler geschlossen. Der Dow Jones hingegen zeigte sich unverändert bei 10.415 Punkten. Allerdings bemängelten Händler den vergleichsweise geringen Umsatz von 840 Millionen Aktien an der Wall Street. In der Regel seien es an einem vergleichbaren Handelstag bis zu 300 Millionen Titel mehr. Händler begründeten die Zurückhaltung damit, dass Anleger offenbar schlechtere Einzelhandelsumsätze für den Monat Juli erwarten, die von den Märkten als ein weiterer Hinweis auf eine drohende Rezession mit fallenden Aktienkursen beantwortet werden könnten.