Börse am Mittag: Kaufrausch hebt den Dax - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Kaufrausch hebt den Dax

Der Dax legt den zweiten Tag in Folge deutlich zu. Die Lufthansa fliegt allen davon, aber auch die gebeutelten Finanzwerte erholen sich kräftig.
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Frankfurt am Main – Der Dax hat seine Gewinne bis zum Mittag auf 4,3 Prozent ausgebaut und notierte bei 2850 Punkten. Am Neuen Markt präsentierte sich der Nemax 50 mehr als drei Prozent fester und stieg auf 343 Punkte. In New York lagen die Futures im Plus. Mit Spannung werden nun die die aktuellen Daten zum Verbrauchervertrauen erwartet, die den Handel maßgeblich beeinflussen dürften.

Manche Anleger hoffen bereits auf eine breite Erholung, das Wort von der "Jahresendrallye" machte am Markt die Runde. Volker Borghoff, Aktienstratege von HSBC Trinkaus & Burkhardt, sah sich durch die Entwicklung in seinen Prognosen bestätigt. "Auslöser sind - wie erwartet - die positiv aufgenommenen Unternehmensdaten zum vergangenen Quartal in den USA. Das zieht uns hoch", sagte er. In den USA hatten die Aktienmärkte mit deutlichen Kursgewinne auf positive Quartalszahlen von Unternehmen wie Yahoo und Pepsico reagiert.

In Deutschland gewannen Aktien der Lufthansa   mehr als zehn Prozent auf 9,70 Euro. Lufthansa-Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley hat die bisherige Prognose für den operativen Gewinn anlässlich der ersten neun Monate als möglicherweise zu niedrig bezeichnet. "Wir sind mit der bisherigen Entwicklung äußerst zufrieden, vielleicht war unsere Gewinnprognose doch sehr konservativ", sagte Kley der "Süddeutschen Zeitung" (Freitagausgabe). Anfang August hatte der Finanzvorstand einen operativen Gewinn von rund 500 Millionen Euro prognostiziert. 2002 solle möglicherweise auch wieder eine Dividende gezahlt werden.

Die in der Vergangenheit arg gebeutelten Finanzwerte aber auch Technologietitel konnten sich in die Dax-Spitze vorschieben. Münchener Rück   gewannen mehr als neun Prozent, Allianz   verteuerten sich um sieben Prozent auf 90 Euro. Unter den Bankenwerten rückten HypoVereinsbank-   und Commerzbank  -Aktien an die Spitze und gewannen jeweils mehr als zehn Prozent. Deutsche Bank   gewannen mehr als vier Prozent.

Die Technologiewerte Infineon  , Epcos  , SAP   und Siemens   verbesserten sich zwischen acht und fünf Prozent. Die Papiere zeigten sich damit unbeeindruckt von Analystenkommentaren. Morgan Stanley Dean Witter senkte Händlern zufolge das Kursziel für den Titel des Elektronik-Konzerns von 55 auf 39 Euro. Zugleich bestätigten sie die Aktie mit "equal-weight".

Zu den wenigen Verlierern im Dax zählten die Aktien von Schering  , die um 3,40 Prozent auf 48 Euro fielen und damit schwächster Wert im Dax waren. Die Papiere reagierten mit Kursverlusten auf die vorläufige Ablehnung der US-Gesundheitsbehörde FDA für das Hormonpflaster Climara Pro.

Am Freitag hatte Schering mitgeteilt, es habe von der FDA für das Hormonpflaster Climara Pro erhalten, mit dem Wechseljahresbeschwerden behandelt werden. Damit muss Schering weiter auf eine Zulassung in den USA warten. Die Entscheidung der FDA habe jedoch keine Auswirkung auf die Umsatz- und Gewinnprognosen für das laufende Jahr. Der Konzern gehe weiter von einem Umsatzplus im hohen einstelligen Prozentbereich sowie einem zweistelligen Gewinnplus aus.

Aktien des Warenhauskonzerns KarstadtQuelle   gewannen nach Veröffentlichung der Bilanz für das dritte Quartal zuletzt noch vier Prozent auf knapp 15 Euro. Händler werteten die Umsatzzahlen als positiv. Zudem habe die allgemein positive Stimmung am Markt dem Titel zusätzlichen Rückhalt gegeben.

Die Aktie des Flughafenbetreibers Fraport   hat sich am Freitag in die Spitze des MDAX geschoben, nachdem das Unternehmen Passagierzahlen am oberen Ende der Prognosen gemeldet hatte. Der Wert legte knapp sechs Prozent zu und wurde bei knapp 20 Euro gehandelt.

Gerüchte über eine mögliche Verlängerung des Milliardenkredites für die angeschlagene Mobilfunkgesellschaft Mobilcom  haben den Wert beflügelt. Mobilcom-Aktien gewannen zuletzt mehr als 20 Prozent auf 1,72 Euro. "Es sind Gerüchte im Markt, dass die Stundung für den Kredit verlängert wird", sagte Christian Grube, Händler von der NordLB. Darauf sei der Kursprung von Mobilcom zurückzuführen. "Am Montag muss Mobilcom 4,7 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Wenn sie das nicht schaffen, muss Mobilcom Insolvenz ", sagte ein Aktienhändler.

"Da zockt einer darauf, dass sie das schaffen." Bei Mobilcom wollte man sich nicht zum Stand der Verhandlungen äußern. Mit Ergebnissen sei erst am Montag zu rechnen.

Mit zu den Spitzenwerten zählten die Aktien des Martinsrieder Biotech-Unternehmens Morphosys  . Der Kurs legte um 18 Prozent auf 11,30 Euro zu. Der Aufschwung sei eine Reaktion auf den starken Abgabedruck, den angelsächsische Anleger im Wochenverlauf verursacht hätten, sagte ein Aktienhändler in Frankfurt. Vermutlich hätten einige Fonds Stücke gegeben. So wie es zuvor "extrem nach unten gegangen ist, so geht es auch wieder hoch. Das ist die reine Markttechnik". Die Aktie sei langfristig nicht uninteressant, da Morphosys mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 40 Millionen Euro durchaus den Sprung in das zukünftige Premiumsegment der Deutschen Börse schaffen könnte.

Die feste Tendenz in Frankfurt überraschte ein wenig, hatten doch Händler mit Gewinnmitnahmen gerechnet. Auch an der Wall Street gab es skeptische Stimmen. Hier schloss der Dow 3,4 Prozent fester auf 7533 Punkte. Der Nasdaq Composite rückte um 4,4 Prozent auf 1163 Stellen vor. Es gebe aber Zweifel, ob die Kursgewinne von Bestand sind.

"Der Pessimismus ist derzeit ebenso stark wie der Optimismus vor zweieinhalb Jahren", merkte ein Marktteilnehmer an. Der S&P-Index befinde sich im schlimmsten Bärenmarkt seit der Zeit von 1929 bis 1932, "und die wichtigste Frage nach dieser Short-Covering-Rally sei nun: Sind die Kursgewinne nachhaltig oder wird das nur eine neue Bärenmarkt-Rallye?"

Die Antwort hänge von den Unternehmensergebnissen ab. Sollten diese die Prognosen überwiegend übertreffen, könnte das die Rallye auf sichere Füße stellen, sagte der Händler.

Erste Hinweise darauf wird heute mit dem General Electric   (GE) einer der weltgrößten Konzerne geben. Bei GE erwarten Analysten im dritten Quartal 2002 durchschnittlich einen Gewinn pro Aktie (EPS) von 0,40 Dollar. Dies ergab eine Umfrage des Instituts First Call/Thomson Financial. Das Unternehmen heute vor Handelsbeginn der Wall Street seine Zahlen vorlegen.

GE-Finanzchef Keith hatte auf einer Analystenkonferenz vor einer Woche für das dritte Quartal einen Nettogewinn von 4,1 Milliarden Dollar und ein EPS von 0,41 Dollar angekündigt, nach 0,33 Dollar ein Jahr zuvor. Beim Umsatz rechnet GE im dritten Quartal mit einer Steigerung zum Vorjahr um 6 bis 8 Prozent auf 32 Milliarden Dollar.

Vor drei Monaten hatte GE noch einen Zuwachs beim Überschussvon 20 bis 25 Prozent erwartet. Der Umsatz sollte um 8 bis 10 Prozent steigen, hatte GE im Juli berichtet.

Nach den Ausführungen Sherins senkten einige Analysten ihre Erwartungen, obwohl Sherin am EPS-Ziel von 0,41 Dollar festhielt. Sein Ausblick habe enthüllt, dass das zyklische Geschäft zwar expandiere, aber die Wachstumsrate niedriger werde.

Am Donnerstag stand die Aktie zeitweilig stark unter Druck. Mehrere Analysten hatten ihre Prognosen für GE gesenkt. Nachdem der Kurs im frühen Geschäft auf ein Fünf-Jahres-Tief bei 21,40 Dollar gefallen war, schlossen die Papiere mit einem Plus von 2,7 Prozent auf 22,60 Dollar.

Von zentraler Bedeutung für den Handel in Frankfurt und New York dürften heute auch neue Konjunkturdaten sein. Die Universität Michigan legt den Index der Verbraucherstimmung für den Monat Oktober vor. Experten rechnen damit, dass die vorläufigen Daten von aktuell 86,1 auf 85,5 Punkte fallen werden. Zuvor war der Index viermal in Folge gefallen. Der Index ist deshalb so wichtig, weil er Aufschluss über das Konsumentenverhalten gibt, das zwei Drittel des US-Sozialproduktes ausmacht. Noch vor Handelsbeginn erwarten die Börsianer die Erzeugerpreise für den Monat September.

Wenig Hoffnung machte vor dem Hintergrund neuer Konjunkturdaten dabei der Blick auf Einzelhandelssektor, dessen Titel nach der Veröffentlichung schwacher September-Umsätze teilweise deutliche Kurseinbußen verzeichneten. Kohl's büßten mehr als neun Prozent ein. Talbots stürzten gar um 21 Prozent ab. Aus der Reihe tanzte dagegen Wal-Mart   mit einem Umsatzplus für September von 3,3 Prozent. Die Anleger schickten die Titel daraufhin um 1,8 Prozent nach oben.

Unter den Einzelwerten schossen Yahoo   sowzusagen den Vogel ab. Die Aktie stieg um 23 Prozent auf 12,27 Dollar. Der Internet-Portal-Betreiber hatte gute Zahlen und einen guten Ausblick am Vorabend nach Börsenschluss vorgelegt. Merrill Lynch, Prudential aber auch die Deutsche Bank stuften die Aktie darauf auf Kaufen hoch. Auch andere Technologiewerte zeigten sich von ihrer besten Seite: Intel   verbesserten sich um 5,4 Prozent SBC Communications   um 4,4 Prozent.

Nach Börsenschluss hatte der zweitgrößte Internetausrüster Juniper Networks   seine Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt und erwartungsgemäß einen Verlust von zwei Cent je Aktie ausgewiesen nach einem Gewinn von zehn Cent im Vorjahr. Die Aktien des Unternehmen haben nachbörslich ihre Gewinne aus dem regulären Handel trotz leicht enttäuschender Quartalszahlen sogar ausgebaut.