Börse am Mittag: Kellerkinder erholen sich - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börse am Mittag Kellerkinder erholen sich

Dax und Nemax verteidigten zum Mittag ihre leichten Gewinne. Investoren greifen bei geprügelten Werten wie Infineon, Bayer und Siemens zu. Morgan Stanley belastet den Bankensektor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Auch bis zum Mittag konnten die deutschen Indizes ihre stabile Tendenz vom Vormittag fortsetzen. Der Dax notierte gegen 12.30 Uhr 0,6 Prozent fester bei 4521 Zählern, der Technologie-Index Nemax 50 hielt sich mit 829 Punkten bei 0,4 Prozent im Plus. Die fortgesetzten Militärschläge und schwache Konjunkturdaten blieben im Hintergrund.

Schwacher Arbeitsmarkt, robuste Produktionsdaten

Auch die Arbeitslosenzahlen konnten die Stimmung nur wenig trüben, obwohl sie, wie die Bundesanstalt für Arbeit mitteilte, den schwächsten Herbstaufschwung seit 1996 erlebten. Insgesamt stieg die Zahl der gemeldeten Erwerbslosen im September auf 3.743.000. Gegenüber dem August sank die Zahl zwar um 45.800, aber im Vergleichsmonat vor einem Jahr waren es noch 58.200 Arbeitsplätze mehr gewesen. Einziger Lichtblick: Die Industrieproduktion in Deutschland stieg im September mit zwei Prozent deutlich stärker als erwartet.

Infineon erholt sich

Zu den Gewinnern im Dax zählten am Vormittag Infineon   , Bayer   und Siemens   . Investoren sehen bei einem Kursniveau unter 15 Euro bei Infineon Einstiegschancen. Auch Siemens legte auf niedrigem Niveau von 45 Euro zu, obwohl der Verkauf des deutschen Spritzgussmaschinenherstellers Mannesmann Plastics Machinery AG (MPM) an den britischen Finanzinvestor Apax geplatzt ist.

Geldbuße gegen DaimlerChrysler

Autowerte tendierten uneinheitlich. DaimlerChrysler   notierte zuletzt minimal im Plus. Der Autokonzern muss voraussichtlich 70 Millionen Euro zahlen, weil er gegen europäische Kartellregeln verstoßen habe. EU-Kommissar Mario Monti will dies nach Informationen der FTD beschließen lassen.

Volkswagen   gehörte dagegen mit einem Minus von 0,6 Prozent gemeinsam mit Metro   und Fresenius   zu den Verlierern. Volkswagen hat die im vergangenen Jahr für 2,3 Milliarden Euro zurückgekauften eigenen Aktien an eine Tochtergesellschaft übertragen. Dadurch können nach den heftigen Kursrückgängen hohe Buchverluste umgangen werden, schreibt die Börsen-Zeitung.

Morgan Stanley setzt Banken unter Druck

Verluste musste auch die Deutsche Bank   hinnehmen. Die Investmentbank Morgan Stanley hat ihre Gewinn-Prognosen für deutsche Banken drastisch reduziert. Wie die Analysten am Dienstag in einer Kurzstudie mitteilten, senkten sie ihre Erwartungen für dieses Jahr um 16 bis 34 Prozent. Für nächstes Jahr rechnen sie mit einem Rückgang zwischen 31 und 62 Prozent.

Lufthansa schwächer - Swissair streicht Stellen

Die Lufthansa   gab bis zum Mittag knapp ein Prozent nach: Die schlechten Nachrichten in der Branche reißen nicht ab. Der angeschlagene Schweizer Luftfahrtkonzern Swissair Group will weltweit rund 9000 von insgesamt 71.000 Arbeitsplätzen streichen. Die EU-Kommission scheint indessen Hilfsmaßnahmen für Airlines grünes Licht geben zu wollen.

Zocker spielen mit Biodata

Am Neuen Markt treiben Zocker die Aktie von Biodata   nach oben. Der Sicherheitsanbieter war nach einer Gewinn- und Umsatzwarnung in der Vorwoche um mehr als 50 Prozent eingebrochen. Auch MorphoSys   legte kräftig zu. Zu den Verlierern zählte der Handyausrüster Balda   mit einem Verlust von rund vier Prozent, nachdem das Unternehmen am Dienstag eine Gewinn- und Umsatzwarnung herausgegeben hatte. Auch Adva   und MobilCom   gaben gegen den Trend nach.

Wall Street richtungslos vor Bilanzsaison

Unsicherheit über Ausmaß und Dauer der Angriffe hat die Stimmung an der Wall Street zum Handelsschluss am Montag belastet und den Dow Jones um 0,6 Prozent ins Minus gedrückt. Die beginnende Bilanzsaison sorge außerdem für Unruhe bei den Investoren.

Aktien des Unterhaltungssektors gaben deutlich nach, während Rüstungswerte von den Militärschlägen und erwarteten höheren Verteidigungsausgaben profitieren konnten. An der Technologiebörse Nasdaq hätten allerdings Anleger die niedrigeren Kurse zum Kauf genutzt, sagten Händler. Der Index schloss unverändert bei 1605 Zählern.

Euro kaum verändert

Der Euro kostete am Mittag 0,9209 Dollar, nachdem er in New York mit 0,9200 geschlossen hatte. Der Markt sei erleichtert darüber, wie gelassen die Anleger auf die Luftangriffe auf Afghanistan reagiert hätten, hieß es.