Börse am Mittag: Kurserholung gestoppt - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Kurserholung gestoppt

Die deutschen Aktienmärkte sind ins Minus gerutscht und geben kräftig nach. Gewinnmitnahmen lasten auf den Technologiewerten. Gegen den Trend legt die T-Aktie zu. Sixt profitiert von guten Zahlen.
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Frankfurt am Main – Nachdem sich der Dax im frühen Handel noch freundlich präsentiert hatte, rutschte der Leitindex zum Mittag deutlich in den roten Bereich. Um 12.40 Uhr notierte das Börsenbarometer auf 3794 Punkten, ein Minus von 1,1 Prozent. Der MDax verlor leicht um 0,2 Prozent auf 3443 Zähler. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 um 0,8 Prozent ab und fiel wieder unter die Marke von 500 Punkten.

Händler erklärten die nachgebenden Kurse mit Gewinnmitnahmen, nachdem die Börsen im späten Montagshandel kräftig zugelegt hatten. Zudem notierten die richtungsweisenden Futures der US-Börsen im Minus und deuteten eine schwachen Handelsstart der Wall Street an.

Zusammen mit der MLP-Aktie   führte das Papier der Deutschen Telekom   die Dax-Gewinnerliste an. Die Anteilsscheine verteuerten sich um zwei Prozent. Die T-Aktie profitierte von Presseberichten, in denen es hieß, die US-Tochter VoiceStream verhandele mit dem zweitgrößten US-Mobilfunkanbieter Cingular Wireless über eine Partnerschaft.

Die ebenfalls am Markt kursierenden Gerüchte über einen Komplettverkauf von VoiceStream hielten Händler dagegen für "ausgemachten Humbug". Zwar habe die Telekom die Absicht ihren Schuldenberg abzubauen, eine Finanzierung über einen VoiceStream-Verkauf sei allerdings unwahrscheinlich. Realistischer sei der bereits seit längerem aufgeschobene Verkauf des Kabelnetzes.

Gewinnmitnahmen drücken Infineon

Die Aktie von Infineon   gehörte mit einem Abschlag von 4,1 Prozent auf 12,85 Euro zu den größten Verlierern im Dax. Die Titel machten Gewinnmitnahmen für das Minus verantwortlich, nachdem die Titel am Vortag mehr als 13 Prozent zugelegt hatten. "Es gibt keine fundamentalen Daten aus dem Unternehmen", sagte ein Analyst. "Gestern haben sich Hedge Fonds eingedeckt. Zudem gibt es eine Konsolidierungs-Phantasie im DRAM-Speicherchip-Markt." Am Vortag hätten auch Spekulationen die Runde gemacht, dass der angeschlagene südkoreanische Halbleiter-Konzern Hynix zerschlagen werde. Das habe auch den Kurs von Infineon in die Höhe getrieben.

Auch Siemens   und Epcos   mussten nach den kräftigen Aufschlägen vom Vortag Verluste hinnehmen, hielten diese jedoch in Grenzen. Die SAP-Aktie   präsentierte sich hingegen freundlich.

Finanz- und Versicherungswerte wieder unter Druck

Nachdem die in der jüngsten Zeit arg gebeutelten Aktien der Versicherungs- und Finanzbranche am Montag zu einer kleinen Rallye angesetzt haben, kam heute wieder die Ernüchterung: Bis auf die Allianz-Aktie   notierten alle Dax-Werte aus diesem Bereich im Minus. "Bei der Allianz fand nach der Hochwasserkatastrophe ein regelrechtes Rumgezocke statt", sagte eine Analystin vom Bankhaus Metzler. Die Schadenshöhe, die den Versicherer treffe, sei derzeit noch nicht absehbar; erst Ende dieser, Anfang nächster Woche, wolle sich die Allianz dazu äußern. "Anfangs wurde Schlimmes befürchtet, dann wurde klar, dass nur zwischen zehn und 15 Prozent der entstandenen Schäden durch Versicherungen abgedeckt ist." Bei Kursen von 125 bis 130 Euro habe sich nun der Boden gefunden, so die Analystin. Anleger, die auf der Suche nach günstigen Blue-Chips seien, griffen bei der Allianz als einem der "Substanzwerte" jetzt wieder zu.

Lufthansa auf Höhenflug

Lufthansa-Titel   stiegen um annähernd zwei Prozent und kletterten an die Marke von zwölf Euro. Die Tochtergesellschaft Lufthansa Cargo verzeichnete den dritten Monat in Folge ein steigendes Frachtaufkommen. Das Ergebnis werde 2002 besser ausfallen als im Vorjahr und über den bisherigen Planungen liegen, sagte Cargo-Vorstandschef Jean-Peter Jansen Medienberichten zufolge.

Sixt nach Zahlen auf Höhenflug, Medion dreht ins Minus, Euro etwas leichter

Sixt steigert Umsatz und Ergebnis

Deutschlands größter Autovermieter Sixt   hat im ersten Halbjahr seinen Vorsteuergewinn bei sinkenden Umsätzen kräftig gesteigert. Das im MDax notierte Unternehmen bestätigte zudem am Dienstag seine Jahresprognose. Im ersten Halbjahr stieg der Vorsteuergewinn um 26,7 Prozent auf 16,3 Millionen Euro. Der Umsatz sank auf 1,12 Milliarden Euro nach 1,23 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Der Mietumsatz fiel um 10,9 Prozent auf 306,2 Millionen Euro. Die Aktie, die schon am Vortag deutlich zulegen konnte, knüpfte am Dienstag an den Höhenflug an und kletterte um über acht Prozent auf 11,79 Euro.

Die Dyckerhoff-Aktie hat um 7,3 Prozent auf 10,45 Euro zugelegt. Am Morgen hatte der Zementhersteller mitgeteilt, dass er im Kartellverfahren um Absprachen im Zementmarkt maximal mit 95 Millionen Euro Bußgeld rechnet. Zu dieser Einschätzung sei das Unternehmen auf Grund seiner Gespräche mit dem Bundeskartellamt gekommen. Ferner rechnet die Dyckerhoff damit, den Betrag in mehreren Jahresraten zahlen zu können. Die Wettbewerbshüter hatten Ende Juli 30 Unternehmen der Zementbranche wegen des Verdachts auf Preis- und Quotenabsprachen durchsucht. Dyckerhoff hat nach eigenen Angaben bei der Aufklärung mit den Behörden zusammengearbeitet. Das zu erwartenden Bußgeld sei in der bisherigen Ergebniserwartung des Unternehmens nicht enthalten. Wegen der Bauflaute war der Wiesbadener Baustoffhersteller im ersten Halbjahr 2002 in die roten Zahlen gerutscht.

Medion steigert Umsatz und Gewinn

Am Neuen Markt drehte die Aktie von Medion   nach einem freundlichen Auftakt ins Minus und verlor zuletzt rund 2,1 Prozent auf 35,20 Euro. Der Computerhersteller hat im ersten Halbjahr sein Ergebnis deutlich steigern können und sich für den weiteren Jahresverlauf zuversichtlich gezeigt. Der Ergebnis je Aktie (EPS) sei gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent auf 0,70 Euro gestiegen, teilte das im Nemax 50 notierte Unternehmen vor Börseneröffnung mit. Der Umsatz wuchs von 818,8 Millionen Euro auf 1,04 Milliarden Euro.

Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) erhöhte sich von 44,8 auf 57,3 Millionen Euro und das Vorsteuerergebnis von 44,2 auf 55,5 Millionen Euro. Medion erwartet "trotz eines weiterhin schwierigen Umfeldes", dass die Wachstums- und Ertragsprognosen "vollständig" erfüllt werden können. Zu den Kunden des Unternehmens zählt unter anderem auch die Einzelhandelskette Aldi.

Evotec reduziert Verluste

Schlecht angekommen sind auch die Zahlen von Evotec  . Die Papiere verbilligten sich um 2,5 Prozent auf 3´,50 Euro. Die Hamburger Biotechnologiefirma hat im 1. Halbjahr ihren Verlust deutlich reduziert. Der Fehlbetrag wurde verglichen mit der Vorjahresperiode um 82 Prozent auf 13,7 Millionen Euro zurückgefahren, teilte das Unternehmen vor Börseneröffnung mit.

Der Umsatz legte im Berichtszeitraum um 26 Prozent auf 33,2 Millionen Euro zu. Der Gesamtumsatz von 63,2 Millionen Euro in 2001 soll in diesem Jahr um bis zu 30 Prozent übertroffen werden. Das Auftragsbuch sei kontinuierlich gewachsen und decke im Juli bereits fast zwei Drittel des prognostizierten Jahresumsatzes von 85 Millionen Euro ab, hieß es.

Finanz- und Technologiewerte treiben US-Börse an

Die New Yorker Börse schloss am Montag auf dem höchsten Stand seit fast sechs Wochen. Der 30 Standardwerte umfassende Dow-Jones-Index stieg um 212,73 Punkte oder 2,4 Prozent auf 8990 Zähler und der Nasdaq legte 33,67 Punkte oder 2,5 Prozent auf 1394 Zähler zu.

Citigroup   und der Versicherer American International Group gehörten zu den Tagesgewinnern. Auch Technologieaktien erholten sich von den jüngsten Kurseinbrüchen. Fluglinien-Aktien tendierten schwächer. Im Technologiesektor griffen die Anleger nach Chip-Aktien, darunter Intel  , Novellus und Lam Research und den Softwarefirmen Microsoft   und Oracle. Ölwerte gingen uneinheitlich aus dem Geschäft.

Die Aktien des Spielwarenhändler Toys R Us reagierten positiv auf das im Vergleich zum Vorjahr bessere Quartalsergebnis. Die Heimwerkerketten Home Depot   und Lowe's profitierten beide von Lowe's Ertragsanstieg im zweiten Quartal und einem positiven Ausblick.

Tokios Börse etwas fester

Die Tokioter Börse schloss am Dienstag geringfügig fester. Der Nikkei-Index für die 225 führenden Werte stieg um 21,59 Punkte beziehungsweise 0,2 Prozent auf 9620 Punkte. Der breit angelegte Topix legte um 1,22 Punkte beziehungsweise 0,1 Prozent auf 945 Punkte zu.

Die positiven Vorgaben von der Wall Street hätten die japanischen Kurse nach oben gezogen, sagten Händler. Grundsätzlich sei jedoch nicht damit zu rechnen, dass die japanischen Märkte den US-Börsen folgten, sagte der Wertpapiermanager Yoshihiko Kuroichi von Mizuho Investors Securities. Innerhalb der kommenden sechs Monate habe die fernöstliche Börse mit fundamentalen und strukturellen Problemen zu kämpfen.

Die Halbleiterwerte schlossen überwiegend mit Gewinnen – jedoch unter ihren Tageshöchstständen. Die Aktien von Advantest   kletterten um 1,5 Prozent auf 5680 Yen und die TDK-Papiere   verteuerten sich um 2,5 Prozent.

Euro-Kurs leicht gefallen

Der Euro notierte im frühen Handel leichter. Gegen 12.40 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung in Frankfurt 0,9772 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag bei 0,9799 (Freitag: 0,9825) Dollar festgesetzt.

Der Dollar hatte am Montag laut Händlern nach deutlichen Kursgewinnen an den US-Aktienmärkten kräftig zulegen können. Solange aber die Unsicherheit über die weitere Kursentwicklung an den Aktienmärkten anhalte, sei keine nachhaltige Kurserholung der US-Währung zu erwarten.