Börse am Mittag Kursrallye der Flut-Profiteure
Frankfurt am Main - Nach schwachem Start drehte der Dax am Vormittag ins Plus und baute seine Gewinne bis 11.45 Uhr auf 1,1 Prozent aus. Der Index notierte bei 3721 Punkten, während der Nemax seine Gewinne um 0,6 Prozent (486 Zähler) vergrößerte. Die Verlierer des frühen Handels wechselten im Laufe des Handels die Vorzeichen: Deutsche Telekom , Henkel , Deutsche Bank und Commerzbank notierten zuletzt deutlich im Plus.
Zu den größten Gewinnern zählten die Aktien des Chipherstellers Infineon und der Commerzbank , die jeweils um 3,5 Prozent zulegten. Händler begründeten die Gewinne der Commerzbank damit, dass das Beteiligungs-Unternehmen WCM an seiner Absicht festhalte, seinen Anteil an der Commerzbank auf 9,9 Prozent aufzustocken. Infineon profitierte dagegen eher von der freundlichen Tendenz an der US-Technologiebörse Nasdaq: Dort hatten sich Chiptitel im Laufe der vergangenen Woche erholt.
Bei einigen Börsianern wächst wieder die Hoffnung auf eine zaghafte Erholung. Nach Ablauf der Frist für den Bilanzeid in den USA in der vergangenen Woche setzen sie darauf, dass diese Maßnahme das Vertrauen in die Märkte langfristig stärkt. In Deutschland können die Unternehmen selbst etwas für mehr Vertrauen tun: In dieser Woche werden nach den Zahlen von Henkel noch die Geschäftszahlen von Deutscher Telekom , Linde und ThyssenKrupp erwartet.
Rekordverlust bei der Deutschen Telekom?
Die Aktie der Deutsche Telekom , die am Mittwoch ihre Halbjahreszahlen vorlegen wird, egalisierte ihre Anfangsverluste und notierte am Mittag mit einem Gewinn von zwei Prozent wieder knapp über elf Euro. Anleger sind vor Bekanntgabe der Halbjahreszahlen nervös: Der Konzern hat nach Informationen des Magazins "Focus" im ersten Halbjahr den bisher höchsten Fehlbetrag seiner Firmengeschichte erzielt. Danach fiel durch die Einbeziehung der amerikanischen Mobilfunktochter Voicestream von Januar bis Juni ein Fehlbetrag von rund drei Milliarden Euro an.
Dazu komme laut "Focus" ein außerordentlicher Verlust in Höhe von 600 Millionen Euro, da die Telekom die Anteile am Konkurrenten France Telecom neu bewertet habe. Damit habe der Konzern im ersten Halbjahr den Rekordverlust des Gesamtjahres 2001 von 3,5 Milliarden Euro übertroffen. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob Interims-Chef Helmut Sihler in der Position ist, die Kosten deutlich zu senken. Sihler hatte in der vergangenen Woche bekräftigt, die Schulden von aktuell 67 Milliarden Euro bis Ende 2003 auf 50 Milliarden senken zu wollen.
Henkel: Achterbahnfahrt nach guten Zahlen
Der Konsumgüterhersteller Henkel hat trotz lahmender Konjunktur und gebremster Kauflust der Konsumenten im zweiten Quartal deutlich zugelegt. Der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen kletterte um 11,5 Prozent auf 168 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Montag in Düsseldorf mit. Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,7 Prozent auf 2,49 Milliarden Euro gestiegen. Der Ausblick ist allerdings gedämpft: Für das Gesamtjahr erwartet Henkel einen Umsatz von fast 10 Milliarden Euro. Im Februar hatte man noch von einem Ergebnis von "mehr als 10 Milliarden Euro" gesprochen. Nach Gewinnmitnahmen zu Handelsbeginn drehte die Aktie bis zum Mittag deutlich ins Plus und notierte über 66 Euro.
Deutscher Bank droht Abschreibung in den USA
Die Aktie der Deutsche Bank gab zum Auftakt um rund ein Prozent nach. Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge besteht bei der Deutschen Bank ein Abschreibungsbedarf von 800 Millionen Euro: Die US-Beteiligung National Discount Brokers sei praktisch aufgelöst. Nach einem Dementi des Geldinstituts zog jedoch auch hier der Kurs wieder an.
Lufthansa vor den Zahlen gefragt
Die Lufthansa hatte zum Wochenschluss deutlich nachgegeben, konnte sich am Montag aber wieder erholen. Analysten erhoffen sich bei der Vorlage der Zahlen am Mittwoch nähere Angaben zur Entwicklung des Fluggeschäftes, nachdem die Lufthansa-Tochter Eurowings den Aufbau einer eigenen Billig-Linie angekündigt hatte. Auf Grund von Analysten-Empfehlungen baute die Aktie ihre Gewinne auf zuletzt 3,4 Prozent aus. Außer der Lufthansa präsentiert am Mittwoch auch der französische Versicherer AXA präsentieren seine Bilanz. Am Donnerstag folgen dann die Dax-Konzerne Linde und ThyssenKrupp .
Auch DaimlerChrysler verzeichnete trotz belastender Nachrichten ein Kursplus von zuletzt 1,4 Prozent. Wegen Lieferung von Unimogs an Polizei und Armee in Südafrika muss der Konzern mit einer Apartheid-Sammelklage rechnen. Die Sammelklage des US-Anwalts Edward Fagan gegen Konzerne, die das Apartheid-Regime in Südafrika unterstützt haben, soll sich auch gegen das Stuttgarter Unternehmen richten.
Techwerte: Reif für die Erholung
Die Technologiewerte im Dax können auf Erholung hoffen. Der US-Technologieindex Nasdaq Composite hatte am Freitag 1,2 Prozent fester geschlossen und damit auf Wochensicht rund vier Prozent zugelegt. Börsianer an der Nasdaq setzen ebenfalls darauf, dass der Bilanzeid in den USA eine Trendwende einläutet.
MDax: Rallye der Bauaktien durch "Aufbau Ost"
Bauaktien: Rallye durch "Aufbau Ost"
Im MDAX profitierten Bauwerte weiterhin von der Fantasie, neue Aufträge in den von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Gebieten zu erhalten. Die Aktie von Bilfinger Berger legte erneut um mehr als zehn Prozent zu, während Hochtief um acht Prozent kletterten. Auch der Autovermieter Sixt, der stärker in das Gebrauchtwagengeschäft einsteigen will, setzte zur Kursrallye an.
Im MDax gibt Großbäcker Kamps am Mittwoch seine Zahlen bekannt. Am selben Tag lädt Autovermieter Sixt seine Anleger zur Hauptversammlung ein.
Neuer Markt: Medion im Blickpunkt
Am Neuen Markt zählten die Chiphersteller ACG und Dialog Semiconductor zu den größten Gewinnern. Sie profitierten von der Erholung der US-Chiptitel. Das Nemax-Schwergewicht Medion , das am Dienstag Zahlen vorlegt, notierte dagegen nur knapp behauptet. Stark unter Druck blieben die Aktien von Lion Bioscience .
Nikkei schwach, Euro fester
Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag deutlich schwächer geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fiel um 189 Zähler (1,9 Prozent) auf 9599 Punkte. Auch der breit angelegte TOPIX büßte deutlich ein. Der Euro notierte am Montag fester und wurde mit 0,9851 US-Dollar gehandelt.