Börse am Mittag: Lufthansa fliegt tief - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börse am Mittag Lufthansa fliegt tief

Weder schlechte Konjunkturdaten noch die fehlenden Impulse aus den USA können Anleger aus der Ruhe bringen. Dax und Nemax halten sich im Plus. Die Technologiewerte bauen ihre Gewinne aus, während Lufthansa nachgibt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Bei umsatzschwachem Handel zeigte der Dax wenig Bewegung, konnte sein Plus bis zum Mittag ( 0,7 Prozent) jedoch leicht ausbauen. Der Nemax 50 legte zuletzt 0,9 Prozent auf 1316 Punkte zu. Auf Grund des Feiertags in den USA lassen es Anleger ruhig angehen: Der Glaube an eine weitere Erholung ist trotz schwacher Konjunkturdaten jedoch ungebrochen.

Goldman Sachs schiebt Siemens an

Die Technologietitel, die gestern deutlich verloren hatten, verteidigten am Donnerstag ihre Position in der Dax Spitze. Infineon  , Epcos   und Siemens   bauten ihre Gewinne aus und lagen zwischen 6,4 und 1,7 Prozent im Plus. Siemens profitierte von einer Heraufstufung durch das Investmenthaus Goldman Sachs. Die Investmentbank hat am Morgen das Kursziel von 63 auf 72 Euro erhöht. SAP   und T-Aktie   folgten der Siemens-Familie mit Zuwächsen von je ein Prozent, obwohl die Commerzbank Anlegern empfiehlt, SAP-Aktien zu reduzieren.

Wenig Hilfe für die Lufthansa

Größter Verlierer war bis zum Mittag die Aktie der Lufthansa   mit einem Verlust von rund 3,3 Prozent. Offenbar kann die Fluglinie mit weniger staatlichen Hilfen nach dem 11. September rechnen als erhofft.

"Von den 180 Millionen, die die Lufthansa gefordert hat, erhält sie von der EU offensichtlich höchstens 70 Millionen", sagte ein Händler. Der Streit um den Sparbeitrag der Mitarbeiter und die stockenden Verhandlungen mit den Gewerkschaften mache sich dagegen kaum noch bemerkbar. Der Kurs-Rückschlag am Donnerstag sei auch auf Gewinnmitnahmen zurück zu führen, nachdem die Aktie in der Vorwoche stark angezogen hatte.

"Vitaminkartell" belastet BASF

Unter den Verlierern im Dax war dagegen BASF   zu finden. Die EU-Kommission hat gestern gegen acht Unternehmen ein Rekordbußgeld von 855 Millionen Euro wegen verbotener Preisabsprachen bei Vitaminpräparaten verhängt. Auf den Ludwigshafener Chemiekonzern entfallen 296 Millionen Euro. Auch die defensiven Werte Post   und Henkel   gaben leicht nach.

RWE erfüllt Erwartungen

Der im Dax notierte Essener Versorgungskonzern RWE   gab nach den Quartalszahlen seine Anfangsgewinne wieder ab und notierte am Mittag weiterhin um den Vortagesschluss. RWE hat im ersten Quartal des Rumpfgeschäftsjahres 2001 das betriebliche Ergebnis um 37,9 Prozent auf 903 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert und damit die hohen Erwartungen der Analysten getroffen. Der Konkurrent Eon   rutschte dagegen leicht ins Minus: Nach Medienberichten plant der Konzern weitere Zukäufe in den USA.

Optimismus trotz Rezessionsgefahr

Der Optimismus der Anleger hält an, obwohl die neuen Konjunkturdaten alles andere als erfreulich sind. Im Vergleich zum Vorquartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) saison- und kalenderbereinigt um 0,1 Prozent gesunken, nachdem es im Vorquartal stagniert hatte, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit.

Damit ist die Gefahr einer Rezession in Deutschland gestiegen, die Volkswirte in der Regel als zwei aufeinander folgende Quartale mit negativem Wachstum definieren. Im Jahresvergleich ist die Wirtschaft im dritten Quartal um 0,3 (Vorquartal: 0,6) Prozent gewachsen. Das sei die geringste Zunahme seit dem ersten Quartal 1997 gewesen. Analysten hatten im Schnitt ein Plus von 0,5 Prozent zum dritten Quartal 2000 und zum Vorquartal eine Stagnation erwartet.

Heute kommen die EZB-Banker zur Ratssitzung in Frankfurt zusammen. Eine Zinssenkung gilt als unwahrscheinlich, obwohl der erneut gesunkene ifo-Geschäftsklimaindex und das BIP in Deutschland ein düsteres Bild der Konjunktur zeichnen.

Neuer Markt: Gewinnmitnahmen bei D-Logistics

Die Hoffnung der Investoren, trotz schwacher Daten an der Rezession vorbeizuschrammen, macht sich besonders am Aufwärtstrend am Neuen Markt bemerkbar. Broadvision   und der Zockerwert Biodata   blieben mit zweistelligen Gewinnen an der Dax-Spitze. Das Biotechnologieunternehmen MediGene   gehörte mit einem Abschlag von knapp fünf Prozent am Vormittag zu den größten Verlierern im Index.

MediGene hat seine Verluste in den ersten neun Monaten nochmals ausgeweitet. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wurde der Verlust vor Zinsen und Steuern auf 19,2 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Der Logistik-Dienstleister D.Logistics gab um rund fünf Prozent nach: Nach der Rallye am Vortag nahmen Anleger Gewinne mit. Außerdem wird das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel nach Informationen von manager-magazin.de eine Voruntersuchung einleiten, um zu klären, wie es zu den hohen Umsatz- und Kurssprüngen vor der jüngsten Ad-hoc-Meldung kommen konnte.

Feiertag in den USA

Am Feiertag Thanksgiving ruht in den USA der Handel. Der Dow Jones schloss gestern bei niedrigen Umsätzen 0,7 Prozent schwächer, erholte sich aber im späten Handel von seinem Tagestief. Die Technologiebörse Nasdaq ging gestern mit 0,3 Prozent minimal leichter aus dem Handel.

Der Euro hat sich am Donnerstag Vormittag kaum von seinem am Vortag erreichten Drei-Monats-Tief erholen können. Die unerwartet besseren Konjunkturdaten aus den USA im Kontrast zum erneuten Rückgang des deutschen Ifo-Indexes auf den tiefsten Stand seit acht Jahren sorgte weiterhin für lebhafte Dollar-Nachfrage. Gegen 13 Uhr MEZ notierte der Euro mit 0,8779 Dollar nahe dem Drei-Monats-Tief von 0,8754 Dollar am Mittwoch.