Börse am Mittag: Lufthansa im Aufwind - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Lufthansa im Aufwind

Die Anleger an den deutschen Aktienmärkten halten sich zurück. Am Neuen Markt stehen die Papiere von Direkt-Banken unter Druck. Software-Papiere sind dagegen gefragt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Das Kaufverhalten der Investoren gleicht derzeit einer Rolle Schlaftabletten. Im Dax bauen die Gewinner ihre Kurszuwächse leicht aus, und die Verlierer ihre Verluste leicht ab. So steht der Dax derzeit nahezu unverändert mit 0,4 Prozent im Plus. Die Wachstumswerte im Nemax-50 haben mit 0,4 Prozent in den grünen Bereich gedreht. Hier lassen sich die Anleger wohl von dem freundlichen Nasdaq-Future (plus 0,9 Prozent) inspirieren.

Zu den Gewinnern zählten Autowerte. DaimlerChrysler zogen um rund zwei Prozent an. Händler begründeten die Kursgewinne mit den Absatzzahlen in Japan, die ganz ordentlich ausgefallen seien. Auch die BMW-Aktie verbesserte sich um 1,74 Prozent. Volkswagen verteuerten sich um 0,82 Prozent.

Handfeste Nachrichten gab es bei Volkswagen für die Kurszuwächse. Die Wolfsburger haben im Raum Asien-Pazifik im vergangenen Jahr rund 10 Prozent Autos mehr ausgeliefert als im Vorjahr. Volkswagen erwarte in den kommenden fünf Jahren eine Fortsetzung dieses Trends.

Zu den Gewinnern gehörten auch die Papiere der Lufthansa an. Das Papier kletterte zuletzt um 1,98 Prozent auf 25,75 Euro. Analystin Pia Schulze von Merck Finck und Co. führte die Kursgewinne bei der Lufthansa-Aktie auf mehrere Faktoren zurück.

Zum einen habe der zukünftige Chef der Scandinavian Airlines System (SAS), Jörgen Lindegaard, geäußert, er könne sich noch eine stärkere Bindung an die Lufthansa gut vorstellen. Zum anderen legte British Airways (BA) am Vortag trotz Restrukturierungsproblemen gute Zahlen vor. Die Lufthansa-Aktie habe zudem in der jüngsten Vergangenheit nachgegeben und sei daher unterbewertet.

Die Aktie der Deutschen Bank drehte nach Anfangsverlusten ins Plus. Der Titel gehörte zuletzt mit einem Plus von rund zwei Prozent auf 98,26 Euro zur Spitzengruppe im Dax. Der deutsche Branchenprimus hat verschiedene europäische Spezialgeschäftsbereiche an die französische Société Générale (SocGen) verkauft. In Bankenkreisen wird das Volumen des Geschäfts auf 1 Milliarde. Euro geschätzt.

Infineon konnten einen Teil ihrer Verluste wieder abbauen. Zuletzt gab der Titel noch um 2,42 Prozent auf 43,19 Euro nach. Die Aktien litten unter der Gewinnwarnung des Chipherstellers und Elektronikkonzerns Toshiba.

Unter den Wachstumswerten im Nemax-50 führten die Papiere von Brokat die Gewinnerliste an. Die Aktie verzeichnete Aufschläge von zuletzt 13,75 Prozent auf 21,10 Euro. Gefragt waren auch die Aktien des Konkurrenten Intershop, die sich um 8,01 Prozent auf 9,03 Euro verbesserten. Intershop-Chef Stephan Schambach hatte am Wochenende angekündigt, dass der von ihm gegründete Softwarespezialist Ende dieses Jahres schwarze Zahlen schreiben werde. Das Vertrauen der Anleger in den Wert scheint so langsam zurückzukehren.

Der Kursverfall von Pixelpark scheint hingegen kein Ende zu nehmen. Wie bereits am Montag standen Pixelpark unter massivem Abgabedruck und verbilligten sich zuletzt um weitere 9,60 Prozent auf 22,60 Euro und waren damit schlechtester Wert im Nemax-50.

Zu den Verlierern gehörten auch die Aktien von Direktbanken. Comdirect Bank hatte am Montag nach Börsenschluss gemeldet, dass das Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr mit deutlich weniger Neukunden rechnet als im vergangenen Jahr. Das passt den Anlegern nicht. Sie verkaufen. Die Aktie verliert zuletzt rund vier Prozent auf 18,65 Euro. Am Vormittag hatten die Verluste zeitweilig sogar acht Prozent betragen. Schlechter erging es der Direkt Anlage Bank. Hier rauschten die Aktien mit Verlusten von zuletzt 6,64 Prozent in den Keller und notierten bei rund 40 Euro. Consors hingegen drehten gegen 13.15 Uhr mit 0,43 Prozent auf 46,80 Euro ins Plus.

Nach vorläufigen Zahlen hat das Medienunternehmen Brainpool im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000 seinen Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) um 191 Prozent von 4,4 auf 12,8 Millionen Mark gesteigert. Der Umsatz weitete sich um 60 Prozent auf 88,5 Millionen Mark aus. Die Zahlen lagen im Rahmen der Erwartungen von Analysten. Das Papier ist gefragt und verbesserte sich um rund 20 Prozent auf 13,20 Euro.

Die Multimedia-Agentur I-D Media hat einen großen Fisch an Land gezogen. I-D Media und die Deutsche Telekom wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen. Die Telekom will im laufenden Geschäftsjahr Aufträge im Volumen von mindestens 25 Millionen Mark über I-D Media abwickeln. Das schürt Wachstumsfantasien bei den Anlegern. Das Papier ist gefragt und legte zuletzt rund 32 Prozent auf 8,81 Euro zu.

Die Letsbuyit.com-Spekulanten legen derzeit eine kleine Pause ein. Das Papiere hatte am Vormittag schon mit mehr als 130 Prozent im Plus gestanden. Zuletzt ging es noch rund 60 Prozent bei 0,83 Euro aufwärts. Anleger sollten diese Zocker-Aktie meiden. Die Interneteinkaufsgemeinschaft verfügt über frisches Geld und zeigt sich optimistisch, den Konkurs nun endgültig abwenden zu können.