Börse am Mittag: Lufthansa ist der Überflieger - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Lufthansa ist der Überflieger

Die Telekom kann mit ihren verhaltenen Zahlen die gute Stimmung am Aktienmarkt nicht trüben. Mit einem Plus von über sieben Prozent führt die Lufthansa den Dax an. Auch die Schwergewichte Siemens und Allianz gewinnen kräftig.
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Frankfurt am Main - Der Dax hat nach einem mäßigen Start kontinuierlich an Kraft gewonnen und kletterte bis 12 Uhr um 2,8 Prozent auf 3875 Punkte. Damit hat der Leitindex heute bereits über 100 Punkte gutgemacht. "Der Aktienmarkt beginnt sich zu stabilisieren", sagte Marktstratege Robert Halver von Vontobel Asset Management. Natürlich könne es zu Schwankungen kommen. Allerdings glaube er nicht, dass der Dax erneut die Marke von 3200 Punkten testen wird.

Etwas verhaltener präsentierten sich die Nebenwerte: Der MDax gewann um lediglich 0,4 Prozent auf 3444 Zähler. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 504 Punkten, ein Plus von 1,7 Prozent.

Die Lufthansa-Aktien   stiegen um über sieben Prozent auf 13,05 Euro und führten damit die Gewinnerliste im Dax an. "Das sind sehr, sehr starke Zahlen", sagte Michael Benedikt von Julius Bär. Das Management der Fluggesellschaft habe gute Arbeit geleistet, und das Ergebnisziel mute nach den Halbjahreszahlen "äußerst konservativ" an. Die Fluglinie hat im ersten Halbjahr 2002 ein operatives Ergebnis von 332 (Vorjahreswert: 105) Millionen Euro erzielt. Analysten hatten im Schnitt mit 192 Millionen Euro gerechnet. In einem konstanten Umfeld werde sich der operative Gewinn im Gesamtjahr auf mindestens 500 Millionen Euro belaufen, bekräftigte Lufthansa.

Beflügelt von den starken Lufthansa-Zahlen stiegen auch die Anteilsscheine des Reisekonzerns TUI   um mehr als fünf Prozent auf 22,10 Euro.

Von der optimistischen Stimmung unter den Anlegern profitierten Händlern zufolge in erster Linie die Schwergewichte Siemens   und Allianz  , die um 5,5 beziehungsweise 4,2 Prozent zulegten. Aus technischer Sicht habe der Dax Luft bis in den Bereich von knapp 4000 Punkten, sagten Aktienhändler. Der Markt hoffe auf eine baldige Bodenbildung und interessiere sich für die großen Werte.

T-Aktie rutscht ins Minus

Die Aktien der Deutschen Telekom   sind nach Vorlage der Halbjahreszahlen ins Minus gerutscht. Zwischenzeitlich verloren die Titel annähernd drei Prozent. Zuletzt reduzierte die Aktie ihr Minus jedoch auf 0,8 Prozent. Damit kostete das Papier 11,77 Euro. "Das Nettoergebnis kam deutlich schwächer als erwartet", stimmten mehrere Analysten in einer ersten Einschätzung der Zahlen überein. Positiv sei dagegen, dass der Umsatz und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwert-Abschreibungen (Ebitda) im Rahmen der Schätzungen lagen und die Telekom beim Schuldenabbau vorankomme, sagte Robert Vinall, Telekomanalyst bei der DG Bank. Interims-Vorstand Helmut Sihler bekräftigte das Ziel, die Verschuldung bis Ende 2003 auf 50 Milliarden Euro zu senken. Zum Ende des zweiten Quartals lag die Nettoverschuldung noch bei 64,2 Milliarden Euro.

Neben den Kosteneinsparungen im operativen Geschäft werde die Telekom nach Einschätzung des Experten auch ihre Beteiligungen auf den Prüfstand stellen: "Eine der Möglichkeiten ist der Verkauf der Mobilfunk-Tochter Voicestream", sagte Vinall. VoiceStream ist derzeit die Nummer sechs unter den US-Mobilfunkanbietern. Die künftige Strategie der Telekom sollte nach Einschätzung des Experten nicht so sehr geographisch, sondern eher an den einzelnen Sparten ausgerichtet werden.

ThyssenKrupp vor Zahlen im Aufwind

Einen Tag vor Bekanntgabe von Zahlen hat die Aktie des Industrie- und Stahlkonzerns ThyssenKrupp   ihren Erholungskurs der vergangenen Tage fortgesetzt. Die Anteilsscheine verteuerten sich um 4,3 Prozent auf 13,43 Euro. "Die Fantasie einer Anhebung der Stahlpreise gibt der ThyssenKrupp-Aktie Auftrieb", sagte Marktstratege Halver. Langfristig werde die Konjunktur wieder anziehen und Stahlunternehmen wären dann einer der ersten Profiteure. "Es ist nur noch eine Frage der Zeit", fügte er hinzu.

Ein Händler einer Frankfurter Großbank führte hingegen die Gewinne auf die Zahlen zurück, die am Donnerstag veröffentlicht werden. "Es sieht so aus, als ob ein Marktteilnehmer schon mehr weiß", sagte er. Die Aktie entwickele sich schon seit Tagen gut. Es könnte ein Hinweis darauf sein, wie die Zahlen ausfallen werden, fügte er hinzu.

Techem-Talfahrt hält an, Neuer Markt präsentiert sich freundlich

Techem-Vorstandschef tritt zurück

Bewegung gab es am Mittwoch auch in der zweiten Börsenreihe. Bereits vor Handelsbeginn hat der Energiedienstleister Techem   seine am Montag herausgegebene Umsatz- und Gewinnwarnung präzisiert. Zudem trete Vorstandschef Dieter Dannheimer zum 31. August "im gegenseitigen Einvernehmen wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Ausrichtung der Techem-Gruppe" zurück, hieß es in einer Unternehmensmitteilung. Die Aktien des MDax-Unternehmens fielen vor diesem Hintergrund um weitere zwei Prozent auf 8,20 Euro. Seit der Prognosekorrektur am Montag haben die Titel damit rund ein Drittel ihres Börsenwertes verloren.

Die Dürr-Aktie notierte unverändert auf 19 Euro. Der Technologiekonzern ist im ersten Halbjahr 2002 vor allem wegen Umstrukturierungskosten in die roten Zahlen gerutscht. Für das Gesamtjahr 2002 gehe Dürr davon aus, dass Auftragseingang und Umsatz auf dem Niveau von 2001 stagnierten, hieß es. Sofern sich die konjunkturelle Entwicklung nicht weiter abschwäche, werde das Ergebnis vor Sonderposten (Umstrukturierungsaufwand) ebenfalls das Niveau des Vorjahres erreichen. Zuversichtlich sei Dürr, von 2003 an von einer konjunkturellen Belebung überdurchschnittlich zu profitieren.

Sixt plant keine Umwandlung der Vorzugsaktien

Die Sixt-Aktie   litt unter Gewinnmitnahmen, nachdem das Papier in den vergangenen Handelstagen deutlich zugelegt hatte. Bis zum Mittag verbilligte sich das Papier um 1,6 Prozent auf 11,80 Euro. Deutschlands größter Autovermieter plant vorerst keine Umwandlung seiner Vorzugsaktien in Stammaktien. Sixt sei mit der bisherigen Mischung gut gefahren, sagte Konzernchef Erich Sixt auf der heutigen Hauptversammlung in München. "Wir würden einen solchen Schritt nicht deshalb tun, nur weil es im Kapitalmarkt zum guten Ton gehört." Durch die Umwandlung würde Sixt die Mehrheit an seinem Unternehmen verlieren. Ende Mai hatte der Firmengründer angekündigt, er werde eine Umwandlung ernsthaft erwägen, falls andernfalls der Platz im MDax in Gefahr sei.

Freundliche Tendenz am Neuen Markt

Der Neue Markt hat seine Kursgewinne bis zum Nachmittag deutlich ausgebaut, obwohl es kaum wichtige Unternehmensnachrichten gab. Der Auswahlindex Nemax 50 kletterte wieder über die Marke von 500 Punkten, der markbreite Nemax All Share notierte sogar nahe der Marke von 550 Zählern.

Die Gewinnerliste im Nemax 50 wurde angeführt von Pfeiffer Vacuum  . Die Aktie kletterte um 7,3 Prozent auf 26,60 Euro. Deutlich fester präsentierten sich auch Süss Microtec   (plus 5,8 Prozent auf 8,39 Euro) und T-Online   (plus 4,8 Prozent auf 8,44 Euro).

Die Liste der Verlierer wurde angeführt von Highlight Communications   (minus 4,7 Prozent auf 2,25 Euro) und Kontron   (minus 2,8 Prozent auf 3,16 Euro).

Tomorrow Focus senkt Prognosen

Die Aktie von Tomorrow Focus   stieg um sechs Prozent auf 1,06 Euro. Dabei hat der Internet-Konzern seine Ziele für das laufende Jahr auf Grund des schwachen Online-Werbemarkts gesenkt. Die Gesamterträge des fusionierten Unternehmens werden sich 2002 voraussichtlich auf etwa 40 Millionen Euro belaufen, teilte Tomorrow Focus mit. Bisher war das Unternehmen von 50 bis 55 Millionen Euro ausgegangen. Beim operativen Ergebnis werde nun ein Verlust von 15 Millionen Euro (bisher: elf Millionen Euro) erwartet.

Gewinnmitnahmen belasten die Wall Street, Euro steigt über 0,98 Dollar

Wall Street nach Gewinnmitnahmen unter Druck

Die amerikanischen Aktienbörsen haben am Dienstag auf Grund von Gewinnmitnahmen auf breiter Front nachgegeben. Die Verluste hielten sich jedoch bei geringen Umsätzen im Rahmen. Der S&P-500-Index, der die Kursentwicklung der 500 größten US-Firmen widerspiegelt, hatte in den vergangenen vier Wochen um fast 20 Prozent zugelegt. Jetzt hat es einen Rückschlag von 13,27 Punkten oder 1,4 Prozent auf 937,43 Punkte gegeben.

Der Dow-Jones-Index fiel um 118,72 Zähler oder 1,3 Prozent auf 8872 Punkte. Der technologieorientierte Nasdaq-Index gab um 17,95 Zähler oder 1,3 Prozent auf 1376 Punkte nach.

An der New Yorker Börse wurden allerdings bei sehr ruhigem Sommergeschäft nur rund 1,3 Milliarden Aktien gehandelt. Es gab 1242 Gewinner und 1982 Verlierer. 179 Aktien blieben unverändert. Chip-, Finanz-, Ölfeld- und Pharmaaktien wiesen Minuszeichen auf, während Netzwerker-, Biotech-, Airline- und Goldaktien zulegten.

Telekom-Aktien auf Talfahrt

Telefonaktien wie Verizon, BellSouth und SBC Communications   zählten zu den Verlierern. Der angeschlagene Telekomriese Qwest  konnte allerdings kräftig zulegen, da er seine Gelbe-Seiten-Tochterfirma für mehr als sieben Milliarden Dollar an eine Investmentfirmen-Gruppe verkaufen will.

Der Telefonriese AT&T   zog ebenfalls an. Der Medienkonzern AOL Time Warner   will nach bisher unbestätigten Berichten den Anteil der Telefongesellschaft an dem Joint-Venture Time Warner Entertainment für neun Milliarden Dollar kaufen. Die AOL-Aktien verbesserten sich ebenfalls.

Die Aktien von General Motors   stiegen. Einzelhandelswerte tendierten uneinheitlich, doch konnte der Heimwerker-Einzelhändler Home Depot zulegen.

Tokio etwas fester

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Mittwoch leichte Gewinne erzielt. Der Nikkei-Index für 225 führende Wertes schloss mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 9642 Punkten. Der breit angelegte Topix stieg um 0,2 Prozent auf 947 Zähler.

Die Aktien der Mikrochip-Hersteller sind überwiegend mit Gewinnen aus dem Handel gegangen. Die Fujitsu-Aktien   kletterten um 3,8 Prozent auf 637 Yen und die Papiere von NEC   verteuerten sich um 1,2 Prozent auf 680 Yen. Die High-Tech-Titel schlossen ebenfalls gegen den Trend mehrheitlich im positiven Bereich. Die Anteilsscheine von Advantest   stiegen um 1,6 Prozent auf 5770 Yen.

Euro über 0,98 Dollar

Der Kurs des Euro ist über die Marke von 0,98 Dollar gestiegen. Gegen 11.30 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung 0,9805 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag noch bei 0,9792 (Montag: 0,9799) Dollar festgesetzt.

Die Unsicherheit über die weitere Konjunkturentwicklung in den USA habe den Dollar belastet, sagten Händler in Tokio. Zunehmend zögen Anleger Gelder aus den USA ab und legten sie in der Eurozone an. Nach einem Bericht der "Financial Times" hat ein Großinvestor aus Saudi Arabien Anlagevermögen im Wert von 100 bis 200 Milliarden Dollar aus den USA abgezogen. Dies habe den Druck auf den Dollar erhöht, sagten Händler.