Börse am Mittag MAN gegen den Trend
Frankfurt am Main Vor der mit Spannung erwarteten Rede des US-Notenbankchefs Alan Greenspan standen die vorbörslichen Barometer in New York im roten Bereich, konnten aber ihr Minus gegen Mittag reduzieren. So wartete der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner vor Handelsbeginn mit guten Geschäftszahlen auf. Der Konzern wies im zweiten Quartal einen Gewinn je Aktie von 32 Cents aus nach 23 Cents im Vorjahr. Die Konsensschätzungen lagen bei 28 Cents.
Der Dax fiel bis 12.35 Uhr um 1,5 Prozent auf 5761 Punkte zurück. Die Wachstumswerte im Nemax 50 lagen wenig verändert mit 0,4 Prozent auf 1147 Punkte im Minus. Die Aktienmärkte konnten damit nicht die guten Vorgaben der US-Börsen aufnehmen, sondern reagierten mit empfindlichen Abschlägen auf den schwachen Ausblick der amerikanischen Technologieriesen Apple und Intel.
MAN soll zerschlagen werden Aktie steigt
Einsamer Gewinner im Dax waren die Aktien von MAN, die um rund drei Prozent auf 25,49 Euro zulegten. Der Münchener Maschinenbaukonzern MAN wird nach Informationen von manager-magazin.de voraussichtlich im kommenden Jahr aufgespalten und in Einzelteilen veräußert. Als Käufer für die größte Sparte des Konglomerats, das Lastwagengeschäft, steht die Volkswagen AG bereit.
Technologie und Bankenwerte standen deutlich unter Verkaufsdruck. Infineon (minus 0,46 Prozent auf 25,88 Euro) konnten sich unter den Techwerten im Dax noch am besten halten. Die Aktien von Siemens verloren 2,63 Prozent auf rund 60 Euro und waren schwächster Wert im Dax. Epcos verbilligten sich um 1,31 Prozent auf knapp 52 Euro. Die Papiere des Softwarekonzers SAP gaben einen Tag vor Bekanntgabe der Quartalszahlen 2,20 Prozent auf 145 Euro nach. Positive Kommentare des Investmenthauses Goldman Sachs konnten die Aktie von SAP dagegen nicht beflügeln.
Für die Deutsche Telekom ging es um 1,93 Prozent auf 25,42 Euro abwärts. Nach Angaben der Regulierungsbehörde verzögert der ehemalige Monopolist die Liberalisierung des Telefongeschäfts.
Der Vorstand der HypoVereinsbank will bis zum Jahr 2003 rund 8000 Stellen streichen, erfuhr manager-magazin.de aus Kreisen des Top-Managements. Die internen Vorstandspläne gehen damit weit über die am Dienstag genannte Zahl hinaus. Das Geldinstitut hatte bekanntgegeben, dass im kommenden Jahr etwa 500 Arbeitsplätze abgebaut werden. Die Aktie verbilligte sich um 2,21 Prozent auf 50,85 Euro. Das Papier hatte bereits am Vortag mehr als drei Prozent abgegeben. Auch die Papiere der Deutsche Bank gehörten mit Abschlägen von 2,50 Prozent auf 79,53 Euro zu den großen Verlierern im Dax.
Die Gründerin des Erotikkonzerns Beate Uhse ist tot. Kurz nach Bekanntgabe der Nachricht fiel der Kurs der Aktie um rund sieben Prozent auf 12,12 Euro.
Kamps, Europas größte Bäckereikette, hat ihre Gewinnprognose für 2001 deutlich nach unten korrigiert und damit einen Kurssturz der Aktie ausgelöst. An der Börse fiel der M-Dax-Wert in der Spitze um zuletzt 32 Prozent auf 7,25 Euro.
Schlechte Nachrichten auch vom Neuen Markt: DCI Database hat vorläufigen Zahlen zufolge im ersten Halbjahr 2001 den Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert von 7,4 Millionen Euro auf 15 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Die Aktie des auf E-Commerce spezialisierten Unternehmens fiel zuletzt um rund fünf Prozent auf 1,80 Euro.
Group Technologies stiegen um 11 Prozent auf 3,29 Euro. Der E-Security-Experte hat im zweiten Quartal sein Umsatzziel übertroffen und einen Gewinn von 0,10 Mark pro Aktie ausgewiesen, nachdem das Unternehmen im vergleichbaren Vorjahreszeitraum noch einen Verlust von 0,03 Mark eingefahren hatte. Gleichzeitig bekräftigte das Unternehmen seine Prognosen für das Jahr 2001.
Intershop führten die Gewinnerliste im Nemax 50 fortgesetzt mit Aufschlägen von rund sieben Prozent auf 3,55 Euro an. Das Online-Portal der Quelle AG soll einer Pflichtveröffentlichung des Softwareherstellers zufolge auf dessen E-Business-Plattform "Enfinity" umgestellt werden. Das Lizenz-Auftragsvolumen belaufe sich auf mehrere Mio. Euro.
Apple warnt vor geringeren Gewinnen
Die amerikanischen Aktienmärkte beendeten den Handel im Plus: Der Dow Jones hatte am Dienstag im späten Handel die 200-Tage-Linie nach oben durchbrochen und mit einem Plus von 1,3 Prozent auf 10.606 Zähler geschlossen. Die US-Technologiebörse Nasdaq steigerte sich um 1,9 Prozent auf 2067 Zähler.
Nach Börsenschluss vermeldeten der Computerhersteller Apple und der weltgrößte Chipkonzern Intel drastische Gewinneinbrüche. Allerdings lagen die Quartalszahlen leicht über den stark reduzierten Erwartungen der Analysten.
Bedenklich stimmt: Die Konzerne gaben in der Nacht einen schwachen Ausblick ab. So warnte Apple für das zweite Halbjahr vor deutlich geringeren Umsätzen. Und auch der Ausblick von Intel ist nicht berauschend. Infolge der schwachen Prognosen der US-Konzerne fiel die asiatische Leitbörse in Tokio deutlich ab. Erstmals seit März diesen Jahres notierte der Nikkei unter die Marke von 12.000 Punkten.
Nach Börsenschluss meldete das Internet-Unternehmen Real Networks schwächer als erwartete Quartalszahlen und sprach eine Gewinnwarnung für das dritte Quartal aus.
Die Börsianer erwartet heute ein dickes Programm: Geschäftszahlen werden unter anderem von den Technologiekonzernen IBM, Altana, AOL Time Warner erwartet. Ebenfalls vor Handelsschluss in Deutschland berichten Ford, Coca-Cola und die Großbank J.P Morgan Chase über die abgelaufenen Quartale. Nach Börsenschluss in den USA kommen Applied Micro Circuits, Broadcom und I2 Technologies mit ihren Geschäftszahlen heraus.
Ihren Blick nach Amerika werden die Börianer heute aber vor allem auf einen Mann richten. Der US-Notenbankchef Alan Greenspan wird seine Einschätzung über den künftigen Konjunkturverlauf in den USA vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses vortragen. Dabei dürfte Greenspan die jüngsten Konjunkturdaten für den Monat Juni (Verbraucherpreise, Realeinkommen) vermutlich schon kennen. Sie werden gegen 14.30 Uhr erwartet.
Greenspan in der Kritik
Das Image des Magiers hat Risse bekommen. Greenspan wird sich bohrenden Fragen stellen müssen. So wollen die Abgeordneten etwa wissen, warum die Konjunktur in den USA trotz der bereits zurückliegenden sechs Zinssenkungen nicht besser verläuft.
Mittlerweile werden sogar Stimmen laut, die den Notenbankchef für die Misere der US-Wirtschaft mit verantwortlich machen. Zentraler Vorwurf: Greenspan habe durch eine zu lockere Zinspolitik in den 90er Jahren die Märkte mit Liquidität geradewegs zu überschwemmt und die Voraussetzungen für die Technologieblase, die jetzt geplatzt ist, überhaupt erst geschaffen.
Der Schaden ließe sich kaum noch reparieren, kritisiert etwa Stephen Roach, Chefvolkswirt von Morgan Stanley Dean Witter in der Tageszeitung "Die Welt". Dabei könnte Greenspan nach Einschätzung von anderen Analysten die Zinsen erneut um 25 Basispunkte senken.