Börse am Mittag: Misstrauen regiert die Börsen - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Misstrauen regiert die Börsen

Alle Dax-Werte notieren nach dem WorldCom-Skandal im Minus. Einige Investoren halten die "Branchenhaftung" für übertrieben und halten dagegen. Der Dax fällt zum Mittag jedoch erneut unter 4000 Punkte. Die US-Futures sind tiefrot.
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Frankfurt am Main - Der Bilanzskandal der US-Telekomfirma WorldCom hat den Börsen den entscheidenden Tiefschlag versetzt. WorldCom hat in der Nacht zum Mittwoch bekannt gegeben, dass sie Falschbuchungen in Höhe von 3,85 Milliarden Dollar in ihren Bücher "entdeckt" habe. Der Pennystock, den Andersen Consulting geprüft haben will, ist nach Börsenschluss um weitere 80 Prozent eingebrochen, und die Futures für Nasdaq und S&P Index notieren jeweils tief im Minus. Für Corporate America ist dieser weitere Bilanzskandal eine Katastrophe. Das Vertrauen der Anleger ist tiefem Misstrauen gewichen. Analysten sprechen davon, dass US-Unternehmen generell neu bewertet werden müssen.

"Vertrauen ist futsch"

Für den Dax ging es in der ersten Handelsstunde um mehr als fünf Prozent bergab. Der Index kämpft nun mit der Marke von 4000 Punkten. Die nächste wichtige Unterstützung liegt erst bei 3600 Zählern - sollten die 4000 Punkte im Handelsverlauf nicht gehalten werden, sieht es düster aus. Am Neuen Markt kann von Unterstützungsmarken ohnehin keine Rede mehr sein: Der Nemax 50 verlor bis 10 Uhr 6,4 Prozent und notierte bei 560 Zählern.

Charttechnik könne an Hand der grundlegenden Vertrauenskrise an den Märkten auch nicht mehr weiterhelfen, sagten Händler. Da das Vertrauen in US-Bilanzen futsch sei und weitere Skandale befürchtet werden, verkaufen Investoren Aktien auf breiter Front. Auch der Future für den marktbreiten S&P Index liegt knapp zwei Prozent im Minus.

Infineon und MLP größte Verlierer

Die größten Verluste verzeichneten bis zum Mittag Unternehmen, bei denen ebenfalls Bilanz-Unregelmäßigkeiten vermutet werden. Der Finanzdienstleister MLP   gab bis 11.45 Uhr knapp neun Prozent nach und notierte unter 27 Euro. Deftige Verluste erlitt auch Infineon   . Hier gab allerdings das US-Unternehmen Micron Technologies den Ausschlag: Micron hat gestern für Analysten überraschend einen Verlust gemeldet und den Sektor belastet. Auch Siemens   und Epcos   verloren in Folge der schlechten Micron-Zahlen kräftig.

Alle 30 Dax-Werte notierten bis zum Mittag im Minus. Zu den wenigen Titeln, die ihre Verluste in Grenzen hielten, gehörten die Automobilwerte BMW   und Volkswagen   . Auch Degussa   notierte mit einem Verlust von ein Prozent in der Dax-Spitze.

Allianz und Telekom minimal erholt

Telekom- und Finanzwerte hatte es am Mittwoch Morgen am schlimmsten erwischt. In Frankfurt brachen Allianz  , Deutsche Telekom   und MLP   zeitweise zweistellig ein, die T-Aktie näherte sich der Marke von acht Euro. Am Vormittag stiegen jedoch einige Investoren ein, die die Branchenhaftung nach dem WorldCom-Debakel für übertrieben halten. Sowohl Allianz als auch Deutsche Telekom konnten ihre Verluste halbieren und notierten "nur" noch jeweils vier Prozent im Minus.

Nikkei stürzt ab, Euro steigt über 99 Cent

In Tokio hat der Nikkei am Mittwoch um mehr als 420 Punkte (vier Prozent) nachgegeben. Der Index schloss nur 74 Punkte über der Marke von 10.000 Punkten. Einziger Gewinner ist der Euro: Die Flucht aus US-Aktien stärkt die Gemeinschaftswährung, die am Mittwoch über 99 Cent gestiegen ist. Devisenhändler sehen die Euro-Dollar-Parität auf Grund der Dollar- und Wall-Street-Schwäche immer näher rücken.