Börse am Mittag: MLP ade - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag MLP ade

Nach der überraschend positiven Prognose des PC-Discounters Dell steigen die meisten Technologiewerte. Gefragt sind auch Pharma- und Chemietitel. An der Spitze der Verliererliste steht der übliche Verdächtige.
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Frankfurt am Main – Die deutschen Standardwerte haben ihre Gewinne bis zum Mittag leicht ausbauen können. Die Futures für den New Yorker Handel notierten allerdings geringfügig im Minus. So erscheint möglich, dass die US-Börsen einen Teil ihrer Vortagesgewinne wieder abgeben werden.

Der Dax gewann bis 12.30 Uhr 2,6 Prozent auf 2938 Punkte. Am Neuen Markt kletterte der Auswahlindex Nemax 50 um 0,3 Prozent auf 342 Zähler. Zu den führenden Dax-Werten zählten Technologiewerte aber auch Autotitel sowie Chemie- und Pharma-Aktien.

"Der Abwärtsdruck ist erst einmal weg, daher nehme ich an, dass es heute noch etwas weiter nach oben gehen wird. Eine Trendwende sehe ich aber nicht, da sich alles auf kurzlebige Nachrichten gründet", sagte Händler Guiseppe Amato von der Privatbank Lang & Schwarz. Auch andere Börsianer warnten vor zu großer Euphorie. Aggressive Äußerungen des US-Präsidenten George Bush könnten die Kriegsangst schnell wieder aufleben lassen.

Die in den vergangenen Tagen kräftig gebeutelte Aktie des Halbleiterherstellers Infineon   gewann mehr als sechs Prozent auf 6,20 Euro hinzu. Siemens  -Aktien stiegen noch um 2,70 Prozent.

"Die überraschend guten Zahlen von einem so wichtigen Player wie Dell   lassen die Hoffnungen wachsen, dass im gesamten Technologiesektor bessere Zeiten anstehen könnten", sagte ein Händler in Frankfurt. Analyst Theo Kitz von Merck Finck & Co warnte allerdings davor, von Dell auf andere Unternehmen zu schließen: "Dell ist eine Ausnahmeerscheinung. Das Unternehmen hat eine wesentlich bessere Kostenbasis als viele andere und ein äußerst ausgereiftes Logistiksystem". Kitz ist "skeptisch", dass es 2002 im PC-Markt eine Erholung geben könnte.

Die Aktie von Epcos pendelte hingegen nervös hin und her. Verzeichnete der Titel zu Handelsbeginn noch ein Plus von vier Prozent, fiel er zuletzt mit rund einem Prozent ins Minus. "Was möglicherweise die Aktie drückt, sind die wieder einmal neu aufgekommenen Spekulationen, dass Epcos den DAX verlassen muss", sagte Analyst Jürgen Wagner von Sal. Oppenheim.

Aktien der Autohersteller, die bereits am Vorabend zugelegt hatten, gewannen weiter hinzu, nachdem im September der Absatz deutscher Autos in den USA stark gestiegen war. Volkswagen  -Papiere stiegen um mehr als vier Prozent auf 39 Euro, die von BMW   legten knapp vier Prozent auf 34,63 Euro zu und DaimlerChrysler  -Aktien notierten mit einem Plus von 2,70 Prozent auf 36,60 Euro. Die im Geregelten Markt notierte Porsche  -Aktie kletterte um mehr als zwei Prozent auf 432,50 Euro.

Die Aktie des Leverkusener Chemie- und Pharmakonzerns Bayer   hat sich um 2,95 Prozent auf 19,53 Euro verteuert, nachdem das Unternehmen den Verkauf von Produkten und Lizenzen für 155 Millionen Euro bekannt gegeben hatte.

"Ich würde den heutigen Kursanstieg auf ein leicht besseres Sentiment für die Aktie zurückführen", sagte Analystin Anke Peters von der Vereins- und Westbank. Fundamental ergäbe sich für sie jedoch bei der Bewertung der Aktie keine Änderung, da die Partnersuche für die Pharmasparte immer noch zu keinem Erfolg geführt habe. Analystin Peters hat das Bayer-Papier mit 27 Euro und "Neutral" eingestuft. Der Verkaufspreis sei erfreulich gewesen, sagte die Expertin.

Bayer hatte am Morgen mitgeteilt, die zum Bayer-Konzern gehörende Bayer CropScience wolle Produkte und Lizenzen für 155 Millionen Euro an die israelische Makhteshim-Agan Industries Ltd. verkaufen.

Die Aktien des Konkurrenten BASF   rückten um rund drei Prozent vor. Auch Pharmaktien wie Altana   (plus vier Prozent) und Schering   (plus vier Prozent) waren gefragt.

An der Spitze der Verliererliste standen MLP  -Papiere, die mehr als zehn Prozent auf 7,51 Euro abgaben. Wie bekannt wurde, hat die Staatsanwaltschaft innerhalb weniger Wochen zum zweiten Mal die Geschäftsräume des Heidelberger Finanzdienstleisters wegen des Verdachts falscher Bilanzen durchsucht. "Börse Online" wiederholte zudem in ihrer neuen Ausgabe den Vorwurf, MLP habe in den vergangenen Jahren deutlich zu hohe Gewinne in den letzten Jahren ausgewiesen. Außerdem belastet die Aktie die Sorge um einen Rauswurf aus dem Dax wegen zu geringer Marktkapitalisierung.

Vor dem Hintergrund der Krise am deutschen Werbemarkt hat die Münchener Sendergruppe ProSiebenSat.1   ihre Gewinnerwartung für das laufende Jahr deutlich zurückgenommen. Die Aktie fiel zuletzt um rund neun Prozent auf 5,71 Euro. Das Tagestief hatte bei 5,62 Euro gelegen.

Der angeschlagene Softwareanbieter Intershop   hat seine Umsatzerwartungen für das abgelaufene dritte Quartal 2002 gesenkt. Dennoch rechnet das Unternehmen weiter damit, im vierten Quartal ein ausgeglichenes operatives Ergebnis zu erzielen.

Intershop erwarte nun lediglich einen Umsatz von neun Millionen Euro, teilte die im Nemax50 gelistete Gesellschaft am Dienstag nach Börsenschluss mit. Ursprünglich hatte Intershop mit einem Umsatz auf dem Niveau des zweiten Quartals von 12,1 Millionen Euro gerechnet. Angaben zum Ergebnis im dritten Quartal machte die Gesellschaft nicht und verwies auf die Veröffentlichung der Zahlen am 30. Oktober. In Branchenkreisen hieß es, um im Schlussquartal ein ausgeglichenes operatives Ergebnis erzielen zu können, müsse Intershop seinen Umsatz deutlich steigern. Analysten zeigten sich skeptisch, dass dieses Ziel zu erreichen sei und Intershop überleben könne. Die Aktie ist mittlerweile ein Zockerpapier. Nach einem guten Start fiel der Titel zuletzt wieder deutlich in die Verlustzone und notierte bei 0,38 Euro.

In Tokio konnte die asiatische Leitbörse dem Aufwärtstrend der Wall Street nicht folgen. Der Nikkei schloss am Mittwoch 1,2 Prozent leichter auf 9049 Zähler.

Der Dollar hat am Mittwoch in Fernost seinen Aufwärtstrend zum Yen fortgesetzt. Händler begründeten die Kursgewinne unter anderem mit der festen Tendenz an der Wall Street am Dienstag. Der Euro, der schon im späten New Yorker Geschäft unter sein Tageshoch gefallen war, präsentierte sich mit 0,9825/30 Dollar nahezu unverändert zum New Yorker Vorabendschluss.