Börse am Mittag: MobilCom am Abgrund - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börse am Mittag MobilCom am Abgrund

Die Märkte atmen auf. Nach den Nokia-Zahlen können Technologiewerte ihr Minus deutlich reduzieren. Die T-Aktie dreht kräftig ins Plus. Am Neuen Markt wird die Lage für die MobilCom-Aktie langsam dramatisch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Nach dem mit Spannung erwarteten Zwischenbericht des weltweit größten Handy-Konzerns Nokia hat der Dax einen deutlichen Sprung gemacht und ist in die Pluszone gedreht. Technologiewerte konnten ihre Verluste reduzieren. Defensive Titel gaben allerdings weiter den Ton an. Das Börsenbarometer verbesserte sich bis 12 Uhr um rund ein Prozent auf 4633 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 verharrten mit rund 1,6 Prozent auf 720 Zähler im Minus.

Nokia   hat erwartungsgemäß seine Umsatzprognose für das zweite Quartal nach unten revidiert und seine Gewinnschätzungen bestätigt. Auf Grund der Geschäftsentwicklung in den Monaten April und Mai werde der Umsatz im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr vermutlich um zwei bis sechs Prozent auf 6,9 bis 7,2 Milliarden Euro sinken, teilte Nokia mit. Zuvor war der Konzern von einem Umsatzwachstum von zwei bis sieben Prozent ausgegangen. Der Pro-Forma-Gewinn je Aktie (EPS) soll dagegen wie bisher prognostiziert 0,18 bis 0,20 Euro betragen nach 0,17 Euro im Jahr zuvor. Die Aktie von Nokia gab zunächst kräftig nach, reduzierte dann aber ihr Minus auf zuletzt 0,70 Prozent bei 13,13 Euro. Das Papier hat sei April rund die Hälfte seines Wertes verloren.

Technologiewerte im Dax gehörten weiter zu den Verlierern, konnten aber ihr Minus reduzieren. Epcos   gab zwei Prozent auf 37 Euro ab. Siemens   notierte 0,40 Prozent leichter auf 63 Euro. Infineon   verloren noch 1,66 Prozent auf 16,65 Euro.

Vor allem die T-Aktie   zeigte sich gegenüber dem frühen Vormittag deutlich erholt. Zuletzt drehte das Papier mit rund 1,80 Prozent auf 10,40 Euro ins Plus. Am Vortag hatte die Aktie 2,6 Prozent verloren.

Die Aktie des Einzelhandelskonzerns Metro   hat von den Umsatzprognosen des US-Konkurrenten Wal-Mart profitiert. Der Titel zog zuletzt 1,90 Prozent auf 34,90 Euro an und gehörte damit zu den stärksten Werten im Dax. Die Metro-Aktie profitiere von den guten Walmart-Prognosen, sagten Händler. Diese hätten den Markt überzeugt. Wal-Mart hatte am Vorabend mitgeteilt, dass die Umsätze von Filialen, die schon mindestens seit einem Jahr eröffnet sind, im Juni 2002 im "oberen Bereich der Erwartungen" liegen würden. Als Grund nannte der amerikanische Einzelhandelskonzern das gute Wetter, das die Kauflust vieler Kunden erhöht habe. Zudem hatten sich einige Analystenhäuser positiv zu dem Titel geäußert.

Positive Analystenkommentare haben die Aktie des Leverkusener Pharma- und Chemiekonzerns Bayer   gestützt. Der Titel zog zuletzt um zwei Prozent auf 34,12 Euro an. "Goldman Sachs hat einen positiven Ausblick für das laufende Jahr gegeben", begründete ein Händler einer ausländischen Großbank die Gewinne. Das US-Investmenthaus habe den Gewinn je Aktie (EPS) für 2002 von 0,95 Euro auf 0,99 Euro angehoben.

"Marktteilnehmer gehen davon aus, dass Bayer die Prognosen leicht übertreffen wird", fügte ein Händler einer Frankfurter Bank hinzu. Zudem profitiere das Papier von den positiven Vorgaben für Pharmawerte aus den USA.

Volkswagen baut neuen Kleinbus

Autowerte drehten ins Plus. DaimlerChrysler   , Volkswagen   und BMW   verzeichneten Kurszuwächse zwischen rund einem und 0,26 Prozent. Am Vormittag standen die Aktien der Autobauer noch im Minus.

Volkswagen   will in Hannover den neuen Microbus bauen und dafür in den nächsten Jahren rund 1500 neue Jobs schaffen. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen vom Dienstag in Hannover hat sich der Vorstand zu dem Projekt entschieden. Den Zuschlag für Hannover will VW-Chef Bernd Pischetsrieder am Vormittag offiziell bekannt geben. Das VW-Management hatte die Entscheidung für das Modell mehrfach verschoben, weil die Zukunft des US-Automarktes als schwierig galt. Die USA sollen der Hauptmarkt für das neue Auto werden.

MobilCom auf der Verkaufsliste der Investoren

Am Neuen Markt gaben die Aktien von MobilCom in der Spitze um bis zu zehn Prozent 12,25 Euro nach und waren damit schwächster Wert im Nemax 50. Marktgerüchten zufolge will France Telecom die wirtschaftliche Kontrolle über das Unternehmen gewinnen - aber nicht unbedingt die Mehrheit besitzen. Sollte den Franzosen dies gelingen, könnten sie sich einen gewichtigen Wettbewerber vom Hals schaffen.

MobilCom-Chef und Firmengründer Gerhard Schmid hat seinen Großaktionär France Telecom davor gewarnt, sein Unternehmen in die Pleite zu treiben. "Dann stünden den Franzosen gigantische Schadenersatzforderungen ins Haus", sagte Schmid in einem Interview mit dem Hamburger Magazin "stern". Das Verhalten der France Telecom, die mit 28,5 Prozent an MobilCom beteiligt ist, nannte Schmid "eines großen Staatskonzerns nicht würdig". Das Unternehmen spiele mit den Ängsten der Mitarbeiter. Die Drohung, MobilCom in die Insolvenz zu treiben, sehe er "als Reaktion auf den gescheiterten Versuch der vergangenen Woche, mich aus dem Unternehmen zu drängen". Schmid und France Telecom streiten seit Monaten über die Finanzierung eines Netzes für den neuen Mobilfunkstandard UMTS.

Euro deutlich über 94 Cent

Der Kurs des Euro hat sich am Dienstagmittag deutlich über der Marke von 94 US-Cent behauptet. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 12 Uhr 0,9456 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag bei 0,9479 (Freitag: 0,9452) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0572 (1,0580) Euro.

Impulse für den Devisenhandel erwarten Experten im weiteren Tagesverlauf vor allem von deutschen Konjunkturdaten. In der größten Volkswirtschaft der Eurozone werden die Daten zur Industrieproduktion und das Konjunkturbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) veröffentlicht.

Wall Street schwach - Investmenhäuser bullish

Wall Street schwach - Investmenhäuser bullish

Obwohl sich Goldman Sachs und Prudential Securities gestern äußerst bullish für die amerikanischen Aktienmärkte zeigten, konnte der Dow Jones lediglich 0,6 Prozent hinzugewinnen. Die US-Technologiebörse Nasdaq ging mit einem Minus von 0,3 Prozent aus dem Handel. Abby Cohen, Chef-Ökonomin bei Goldman Sachs, sieht den Boden allmählich erreicht. Während Bilanzmanipulation und mögliche weitere Terroranschläge Investoren weiterhin Sorgen machen dürften, sollen sich die Unternehmensgewinne erholen. Den S&P 500-Index sieht sie bei 1300 Punkten, rund 30 Prozent über dem Schluss von gestern. Prudential Securities schätzt, dass der Dow Jones im zweiten Halbjahr um rund 15 Prozent auf bis zu 11.500 Zähler zulegen werde.

Der Dow Jones profitierte von Kursanstiegen des Einzelhandelskonzerns Wal-Mart   und anderen Einzelhandelsunternehmen. Die Aktie legte 3,62 Prozent zu. Das Unternehmen hatte erklärt, es rechne im Juni und Juli mit fünf bis sieben Prozent Umsatzanstieg. Auch der Konkurrent Target und die Heimwerkerkette Home Depot legten zu. Die Investmentbanker von Goldman Sachs rechnen damit, dass die Aktie von Wal-Mart in den kommenden fünf Jahren jeweils ein Gewinnwachstum von 14 Prozent erreichen kann.

Für die Nasdaq (minus 0,3 Prozent) war es der dritte Rückschlag in Folge. Die Belastung sei hauptsächlich von den Halbleiterwerten ausgegangen, sagten Händler. Das US-Internet-Versandhaus Amazon.com gehörte am Montag wegen eines Presseberichts zu den größten Verlierern an der Nasdaq. Das Papier sank um 6,89 Prozent auf 17,30 Dollar. Das Wirtschaftsmagazin "Barron's" hatte geschrieben, dass Amazon verglichen mit dem traditionellen Einzelhandel "überbewertet" sei.

Zu den größten Gewinnern zählte der US-Hersteller von Taschen-Computern Palm. Das Papier sprang um 22,13 Prozent auf 1,49 Dollar, nachdem das Unternehmen die Einführung einer neuen Version der Betriebssystem-Software bekannt gegeben hatte.

Uneinheitlich zeigten sich am Montag die Aktien von Chip-Herstellern. Das Papier des weltgrößten Mikroprozessor-Hersteller Intel rutschte nach den hohen Verlusten am Donnerstag und Freitag auch am Montag weiter ab. Intel verloren 4,23 Prozent auf 21,07 Dollar. Intel hatte Ende vergangener Woche einen überraschend schwachen Quartalsausblick gegeben, dem eine Flut von negativen Analystenkommentaren folgte.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Dienstag fester. Der Nikkei kletterte um 0,7 Prozent auf 11.451 Punkte.