Börse am Mittag MobilCom gibt Rätsel auf
Frankfurt am Main - Nach der Vortagesrallye hat der Dax am Donnerstag zunächst schwächer eröffnet, konnte sich gegen Mittag aber wieder fangen. Händler sprachen von geringen Umsätzen, wobei schon kleinere Kauf- und Verkaufsaufträge die Kurse deutlich beeinflussen könnten. Der Dax notierte gegen zwölf Uhr mit 0,6 Prozent auf 3364 Zählern im Plus. Am Neuen Markt pendelte der Nemax50 lustlos um seinen Vortagesschluss bei 450 Punkten.
Von der Wall Street sind heute keine Impulse zu erwarten, da die amerikanischen Aktienmärkte wegen eines Feiertages geschlossen bleiben. Auch am Freitag gelten in New York verkürzte Handelszeiten.
Münchener Rück ohne böse Überraschungen
Aktien von Epcos , der Commerzbank und der Deutschen Telekom führten die Gewinnerlisten mit Aufschlägen zwischen 4,90 und 2,60 Prozent an.
Commerzbank-Aktien profitierten nach Aussagen von Händlern von wieder aufflammenden Fusionsfantasien mit der HypoVereinsbank . "Der Markt geht davon aus, dass es zu der Fusion von Commerzbank und HypoVereinsbank kommt" sagte Thomas Schmidt, Händler der Helaba. Nach Aussage von Vorstandsmitglied Heiner Hasford werde sich die Münchener Rück einer Fusion von HypoVereinsbank und Commerzbank nicht in den Weg stellen, sie aber auch nicht forcieren. Titel der HypoVereinsbank notierten geringfügig fester.
Aktien der Münchener Rück hatten nach einem Ausflug in die Pluszone die Vorzeichen gewechselt und gaben zuletzt rund 1,50 Prozent auf 146,73 Euro ab. Das Unternehmen hatte zuvor einen weitgehend im Rahmen der Analystenerwartungen liegenden Quartalsverlust von 859 Millionen Euro ausgewiesen.
Trotz des Quartalsverlustes hat der Rückversicherer in den ersten neun Monaten 2002 vor allem wegen Veräußerungsgewinnen im ersten Halbjahr einen Überschuss von 3,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 85 Millionen Euro) erzielt. Der Konzernumsatz der ersten neun Monate stieg den Angaben zufolge um rund 15 Prozent auf 29,6 Milliarden Euro.
TUI trotzt der Reiseflaute
Papiere des Touristikkonzerns TUI drehten mit dem Gesamtmarkt ins Plus und gewannen 1,65 Prozent auf 19,69 Euro hinzu. Europas größter Reisekonzern hat trotz der Reiseflaute im dritten Quartal 2002 seinen Gewinn gesteigert. Der Konzernumsatz ging zwar um 7,5 Prozent auf 6,83 Milliarden Euro zurück. Der operative Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebta) stieg dennoch zum Vorjahreszeitraum leicht um fünf Prozent auf 509 Millionen Euro und damit noch etwas stärker als von Analysten erwartet.
Dennoch blieb der Konzernüberschuss für die ersten neun Monate 2002 auf Grund des schwachen ersten Halbjahres mit 159 Millionen Euro um fast 60 Prozent unter dem Vorjahr.
Minus 2,24 Prozent auf 23,11 Euro ging es für das Papier von Bayer nach unten. Die Investmentbank Lehman Brothers stufte die Aktien des Chemie- und Pharmaunternehmens von 38 auf 24 Euro herab und setzte die Aktie von "Equal weight" auf "Underweight".
Fraport erfüllt die Analysten-Erwartungen
Die Aktie von Fraport rutschte im Handelsverlauf ab und notierte zuletzt rund 1,50 Prozent leichter auf 20,70 Euro. Der Frankfurter Flughafenbetreiber hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres Umsatz und Gewinn im Rahmen der Analystenprognosen gesteigert.
Wie Fraport mitteilte, stiegen die Erlöse bis September um fast 14 Prozent auf 1,344 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich binnen Jahresfrist um mehr als neun Prozent auf 401,8 Millionen Euro.
Von Reuters befragte Analysten hatten bei Fraport in den ersten neun Monaten im Schnitt mit einem Ebitda von 397 Millionen Euro und einem Umsatz von 1,372 Milliarden Euro gerechnet. Fraport bekräftigte die Zielsetzung, im Gesamtjahr 2002 ein Ebitda von mindestens 500 Millionen Euro zu erzielen.
AWD steigert Umsatz und Ergebnis
Der Finanzdienstleister AWD hat in den ersten neun Monaten 2002 Umsatz und Betriebsergebnis gesteigert. Der Umsatz sei um 16,7 Prozent auf 316,4 Millionen Euro gewachsen, teilte AWD am Donnerstag in einer Pflichtveröffentlichung mit.
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erhöhte sich binnen Jahresfrist um 19,2 Prozent auf 18 Millionen Euro. Bereinigt um Einmaleffekte für Akquisitionskosten habe das Plus bei 72,8 Prozent auf 26,1 Millionen Euro gelegen, teilte das Unternehmen weiter mit. Die Aktie von AWD gab ihre Gewinne vom Vormittag wieder ab und notierte nur noch leicht im Plus auf 14,99 Euro.
Der ebenfalls im MDax notierte Technologiekonzern Jenoptik hat in den ersten neun Monaten 2002 deutlich weniger verdient und seine Gewinnerwartung für das Gesamtjahr unter Verweis auf eine Verzögerung von Projekten deutlich reduziert. Derlei Nachrichten quittierte die Börse zuletzt mit Kursabschlägen von mehr als vier Prozent auf 11,49 Euro.
MobilCom macht reinen Tisch
Der angeschlagene Mobilfunkanbieter MobilCom hat nach der bilanziellen Bereinigung seiner UMTS-Lasten für die ersten neun Monate 2002 einen operativen Verlust von 3,2 Milliarden Euro ausgewiesen. Die Aktie verlor rund drei Prozent auf 4,80 Euro.
Wie das Büdelsdorfer Unternehmen am Donnerstag mitteilte, beliefen sich die Abschreibungen auf das vollständige UMTS-Vermögen auf 9,9 Milliarden Euro. Im Gegenzug sei ein Ausgleichsanspruch gegenüber der France Telecom von 7,1 Milliarden Euro aktiviert worden, so dass das Ergebnis im Saldo mit 2,8 Milliarden Euro belastet worden sei.
Börsianer reagierten unentschlossen auf die Zahlen. "Kaum ein Analyst bewertet das Papier noch, so dass es wenige Prognosen gab", sagte ein Händler einer großen Bank. "Da die Anleger mit den Zahlen nicht viel anzufangen wussten, hat sich zu Beginn des Handels auch nicht viel in dem Wert getan." Aber auch jetzt seien die Umsätze immer noch dünn. "Aktiv sind hier ohnehin nur ganz überwiegend Daytrader." Für Fonds sei der Titel nicht besonders interessant.
"MobilCom ist im Grunde nur noch ein Service Provider", sagte ein Händler. "Und was die damit verdienen, ist nicht das Gelbe vom Ei." Da stelle sich die Frage, wie MobilCom die Kredite abzahlen wolle.
Nikkei legt kräftig zu
Dank der guten Vorgaben der Wall Street schloss die Aktienbörse in Tokio am Donnerstag dick im Plus. Der Nikkei gewann 300 Punkte oder 3,4 Prozent hinzu und ging beim Stand von 9176 Zählern aus dem Markt.