Börse am Mittag: MobilCom-Höhenflug vorerst gestoppt - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag MobilCom-Höhenflug vorerst gestoppt

Getrieben von den Technologie- und Versicherungswerten gewinnt der Dax kräftig hinzu. Anleger reagieren erleichtert auf Meldungen von nachlassender Kriegsgefahr im Irak. Am Neuen Markt fielen die Kursgewinne dagegen bescheidener aus.
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Frankfurt am Main – Die Ankündigung des Irak, UN-Waffenkontrolleure ins Land zu lassen, hat die Aktienmärkte weltweit beflügelt. In Frankfurt kletterte der Dax bis 12.30 Uhr um 2,4 Prozent auf 3399 Punkte. Der MDax gewann um 0,5 Prozent auf 3127 Zähler. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 424 Punkten, ein Plus von 0,6 Prozent.

Im Gegenzug gaben die Kurse von Staatsanleihen und Gold nach, die in Krisenzeiten als relativ sichere Anlage gelten und zuletzt deutlich zugelegt hatten. Der Ölpreis sank um knapp einen Dollar, die US-Währung gewann zum Euro an Wert.

"Ich denke nicht, dass das mehr als eine eher kurze politische Rallye ist", sagte Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Er verwies auf die weiter bestehenden politischen wie wirtschaftlichen Probleme.

Weiterhin skeptisch äußerten sich auch die Charttechniker von Trinkaus & Burkhardt. Zwar finde der Dax derzeit noch bei einer Unterstützung von 3266 Punkten einen Halt, was dem Tief vom 24. Juli 2002 entspreche, hieß es in einer Studie. Nur kurz darunter warte bereits das Jahrestief bei 3235 Punkten. Falls diese Unterstützung nicht hält, sei mit einem Abrutschen des Dax unter die psychologisch bedeutsame Marke von 3000 Punkten zu rechnen.

Technologiewerte auf Erholungskurs

Mit kräftigen Kursgewinnen reagierten die Technologiewerte auf die Entscheidung der irakischen Regierung. Die Aktien des Halbleiterherstellers Infineon   zogen um 3,8 Prozent auf 8,75 Euro an. Siemens-Papiere   gewannen 2,3 Prozent auf 43,50 Euro. Das Papier des Herstellers elektronischer Bauelemente Epcos   verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 11,97 Euro. Die Anteilsscheine von SAP   kletterten um 5,1 Prozent auf 61,16 Euro.

"Der Aktienmarkt atmet nach der vorläufigen Entspannung des Irak-Konflikts erst einmal durch", sagte Aktienhändler Fidel Helmer von Hauck & Aufhäuser. Davon profitierten vor allem Technologiewerte, die in der jüngsten Vergangenheit mit am meisten gelitten hätten. Börsianer führten zudem Kursgewinne in der SAP-Aktie auf einen Bericht des "Handelsblatt" zurück, wonach der Softwareanbieter kurz vor dem Abschluss eines Vertrages mit der Lufthansa   zur Vernetzung von 90.000 Arbeitsplätzen durch eine Portalssoftware steht.

Keine Auswirkung auf die Technologietitel hätten hingegen heute die nach Börsenschluss erwarteten Zahlen des US-Softwarehersteller Oracle  . Analysten erwarten im Durchschnitt einen Gewinn von sieben US-Cent pro Aktie für das erste Geschäftsquartal. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von neun Cent je Anteilsschein erwirtschaftet.

Ölpreis treibt Lufthansa und TUI an

Der fallende Ölpreise sorgte für kräftige Kursgewinne bei der Deutschen Lufthansa  : Die Aktie war mit 5,1 Prozent die stärkste im Dax. Aktien von Fluggesellschaften waren in ganz Europa sehr gefragt - ebenso wie die verwandten Branchen: Die vom Luftverkehr stark abhängige Touristikaktie TUI   gewann in Frankfurt 3,3 Prozent auf 19,52 Euro hinzu.

Deutliche Aufschläge verbuchten auch die Versicherungstitel. Die Aktien der Allianz   zogen um vier Prozent auf 101,66 Euro an. Die der Münchener Rück   gewannen 3,6 Prozent auf 161,01 Euro.

Anstieg der Mobilcom-Aktie zunächst gestoppt

Der MobilCom-Aktie   ist nach dem spektakulären Anstieg vom Montag vorerst die Puste ausgegangen. Im frühen Handel am Dienstag schwankte das Papier zwischen Gewinnen und Verlusten und stand zuletzt um 16 Prozent im Minus bei 2,74 Euro und verlor damit gegen den Handelstrend. Am Montag hatte sich der Aktienkurs des angeschlagenen Unternehmens nach der Zusage der Finanzspritze von 400 Millionen Euro mit einem Anstieg auf 3,26 Euro nahezu verdoppelt. Anfang des Jahres 2002 war die Aktie aber noch mehr als 20 Euro wert.

Trotz der Millionenspritze des Bundes bleibt die Zukunft des schwer angeschlagenen Mobilfunkunternehmens ungewiss. Vor allem EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hat am Montag für neue Verunsicherung gesorgt. Monti will - wie bei der spektakulären Hilfsaktion 1999 von Bundeskanzler Gerhard Schröder für den inzwischen insolventen Bauriesen Holzmann - die MobilCom-Hilfen unter die Lupe nehmen. Die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau hat eine Soforthilfe über 50 Millionen Euro für das angeschlagene Unternehmen gebilligt.

Sorgen vor der US-Berichtssaison, Kräftige Gewinne in Tokio, Euro gibt weiter nach

Wall Street: Sorgen vor der Berichtssaison

Bei niedrigen Umsätzen haben die amerikanischen Börsen am Montag uneinheitlich geschlossen. Der Dow Jones legte um 0,8 Prozent auf 8380 Punkte zu. Der Nasdaq ging auf 1275 Zählern aus dem Handel, ein Minus von 1,2 Prozent.

Durchwachsene Signale sendete wieder einmal die Konjunktur aus: Die amerikanischen Unternehmen haben ihre Lagerbestände im Juli unerwartet deutlich aufgestockt. Sie hätten um 0,4 Prozent und damit den dritten Monat in Folge zugenommen, teilte das Handelsministerium am Montag in Washington mit. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Plus von 0,1 Prozent gerechnet. Die Geschäftsumsätze legten im Juli ebenfalls deutlich zu. Sie kletterten den Angaben zufolge um 1,2 Prozent auf 832,8 Milliarden Dollar. Das ist das größte Wachstum seit April. Im Juni waren sie lediglich um 0,3 Prozent gestiegen.

Klare Signale zur Konjunkturlage erwartet

Marktbeobachter erwarten, dass die Börsen in den kommenden sechs bis acht Wochen seitwärts tendieren würden, bis neue Konjunkturdaten ein klareres Bild lieferten, wie es um die US-Wirtschaft bestellt ist. In dieser Woche stehen wichtige Daten an wie der Verbrauchervertrauensindex für August und die Industrieproduktion.

Außerdem sorgten sich die Anleger um die Gewinnsituation der Unternehmen: Händler sagten, dass die Zahl der Gewinnwarnungen vor der kommenden Berichtssaison größer sein werde als in den vorangegangenen Jahresvierteln. Deshalb seien die Anleger auch nicht gewillt, großartig in Aktien - vor allem Technologiewerte - zu investieren.

Kräftige Gewinne in Tokio

Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag kräftig zugelegt. Vor dem Hintergrund einer deutlichen Abschwächung des Yen zum Dollar stieg der Nikkei-225-Index nach einem verlängerten Wochenende um 302,01 Punkte oder 3,3 Prozent und schloss beim Stand von 9543 Zählern. Der breit angelegte Topix verbesserte sich ebenfalls deutlich um 24,01 Punkte oder 2,6 Prozent und ging beim Stand von 932 Zählern aus dem Handel.

Nach Ansicht von Fiacra Macana, Chef-Analyst der WestLB in Tokio, hat das Einlenken des Irak die Kurse beflügelt. Die strengeren Regeln für Leerverkäufe, die heute eingeführt wurden, hätten auf den Gesamtmarkt wenig Einfluss gehabt. Die Neuerung mache sich eher bei den gering kapitalisierten Aktien bemerkbar als bei jenen, die im Nikkei geführt würden.

Exportwerte profitieren von Yen-Schwäche

Exportabhängige Werte profitierten von der neuerlichen Stärke des Dollars gegenüber dem Yen. Sony   stiegen um 6,4 Prozent auf 5400 Yen. Honda   gewannen 270 auf 5120 Yen, Toyota   kletterten um 145 auf 3110 Yen und Nissan   verbesserten sich um 35 auf 928 Yen.

Chiphersteller zeigten sich von ihrer freundlichen Seite. NEC   gewannen neun auf 610 Yen, Hitachi   verteuerten sich um 17 auf 644 Yen und Toshiba   kletterten um fünf auf 398 Yen.

Euro gibt weiter nach

Der Euro notierte schwächer. Um 11.30 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung 0,9627 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag auf 0,9683 (Freitag: 0,9810) Dollar festgesetzt.

Der Dollar habe in der Nacht sowohl zum Euro als auch zum Yen an Boden gewonnen, heißt es im Morgenbericht der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt. Dazu habe die Nachricht beigetragen, dass der Irak einer Rückkehr der UN-Waffeninspektoren zugestimmt habe. Daraufhin sank der Euro bis unter die Marke von 0,966 Dollar.

Die schwedische Krone notierte unterdessen nach dem Sieg der regierenden Sozialdemokraten bei der Parlamentswahl teilweise unter 9,1 Kronen je Euro. Ministerpräsident Persson hatte bereits einen möglichen Beitritt zur Gemeinschaftswährung für den Herbst 2003 angedeutet, schreiben die Volkswirte von HSBC.