Börse am Mittag MobilCom schießt in die Höhe
Frankfurt am Main -Der Dax hat bis zum Mittag seine Gewinne bei 1,2 Prozent gehalten und notierte bei 4555 Zählern, während der gebeutelte Nemax 50 um 1,2 Prozent auf 690 Punkte zulegte. Die späten Gewinne an den US-Börsen, ausgelöst durch gute Nachrichten von Motorola und für Microsoft, stützen vor allem die Technologietitel. Für den Nachmittag werden in den USA noch die Einzelhandelsumsätze erwartet.
Ein wenig Rückenwind hat der Dax auch bitter nötig. Der Index konnte am Mittwoch nur mit Mühe die 4500-Punkte-Linie verteidigen. Am Neuen Markt testete der Nemax 50 die Tiefststände vom September vergangenen Jahres. Börsianer rechnen auch für die kommenden Handelstage mit großer Volatilität, da am 28. Juni der Verfallstag für Terminkontrakte und Optionen ansteht.
Deutsche Telekom mit Zwischenhoch
Auch der Chiphersteller Infineon (plus 2,9 Prozent) und der Elektronikkonzern Siemens erholten sich. Der Softwarehersteller SAP legte bis zum Mittag um 1,6 Prozent zu und nimmt wieder Kurs auf 110 Euro, nachdem das Unternehmen durch den US-Konkurrenten Siebel Systems unter Druck gekommen war. Der Finanzchef von Siebel, Ken Goldman, hatte während einer Investorenkonferenz das Umfeld für Informationstechnologie im aktuellen Quartal als "schwieriger als noch vor einem Jahr" bezeichnet.
MLP: Anleger erwarten Klartext von Termühlen
Schwächster Wert im Dax war erneut die Aktie des Finanzdienstleisters MLP . Die Aktie verlor zeitweise acht Prozent und notierte nur noch bei 30,30 Euro, konnte die Verluste zuletzt aber auf 4,4 Prozent reduzieren. Das Anlegermagazin "Börse Online" hat erneut auf angebliche Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen des Finanzdienstleisters hingewiesen: "Einiges deutet darauf hin, dass MLP in den Jahren 2000 und 2001 deutlich zu hohe Gewinne ausgewiesen haben könnte", hieß es. MLP hat die Vorwürfe bereits mehrfach zurückgewiesen und will bis heute Mittag zu dem Bericht Stellung nehmen: Anleger erwarten klare Worte von Unternehmenschef Bernhard Termühlen.
Neuzulassungen: BMW stark, VW enttäuscht
Nur wenige Titel notierten im Dax wie MLP im Minus. Die Aktie von Volkswagen gehörte mit einem Kursabschlag von 0,7 Prozent ebenfalls zu den Verlierern. Die Neuzulassungen in Westeuropa im Mai fielen für VW vergleichsweise schlecht aus: Gingen die Registrierungen insgesamt um 8 Prozent zurück, fielen die Neuzulassungen von VW-Fahrzeugen überdurchschnittlich um 9,6 Prozent. BMW war der einzige der großen Autohersteller, der die Zahl der Neuzulassungen steigern konnte - um 10,9 Prozent. Der Kurs verbesserte sich um ein Prozent auf 44,95 Euro.
MobilCom: Steigt Hutchison ein?
MobilCom im Aufwind
Am Neuen Markt gehörten die Aktien von MobilCom mit einem Plus von zuletzt rund zwanzig Prozent zu den größten Gewinnern, nachdem sie gestern mit einem Minus von 15 Prozent auf 6,14 Euro geschlossen hatten. Am Dienstag hatte der Großaktionär France Télécom ihren Kooperationsvertrag mit Mobilcom zum Aufbau des UMTS-Netzes gekündigt. Am Donnerstag wurden Gerüchte laut, der in Honkong ansässige Konzern Hutchison Whampoa erwäge den Einstieg in den deutschen Mobilfunkmarkt und könnte Interesse an MobilCom zeigen. Außerdem macht das Gerücht die Runde, die Abberufung von MobilCom-Chef Gerhard Schmid stehe unmittelbar bevor.
Biotechs: Lion freundlich, Qiagen weiter unter Druck
Auch die in den vergangenen Wochen stark gebeutelten Biotechnologiewerte erholten sich. Stärkster Gewinner war Lion Bioscience : Händler erklärten das Plus von acht Prozent jedoch in erster Linie mit einer technischen Gegenreaktion nach dem Kurseinbruch. Gegen den freundlichen Trend gab das Biotech-Schwergewicht Qiagen weitere zwei Prozent auf 13,40 Euro ab.
Neue Hoffnung in New York
Der Dow Jones baute in den letzten beiden Handelsstunden sein Plus von 0,4 auf 1,1 Prozent aus und schloss 100 Punkte fester bei 9617 Zählern. Der Nasdaq Composite (plus 0,7 Prozent um 20 Uhr) schloss 1,5 Prozent fester bei 1519 Zählern: Hier ist besonders wichtig, dass die Marke von 1500 Punkten gehalten hat.
Microsoft, Procter und Intel mit Gewinnen
Für die leichte Entspannung seien vor allem Gerüchte verantwortlich, der Softwareriese Microsoft werde seine Prognosen für das laufende Quartal übertreffen, sagten Händler. Microsoft sowie der Chiphersteller Intel legten im späten Handel deutlich zu. Außerdem haben die optimistischen Geschäftsprognosen des Schwergewichts Procter & Gamble und des Handyherstellers Motorola die Nerven etwas beruhigt.
Der monatliche Konjunkturbericht (Beige Book) der US-Notenbank war indes kaum dazu angetan, Begeisterungsstürme auszulösen: Demnach ist die US-Wirtschaft Ende April und Anfang Mai nur moderat gewachsen. Während einige Sektoren eine Verbesserung verzeichnet hätten, sei das Wachstum in anderen schwach geblieben, hieß es. Für weitere Verunsicherung sorgte die Nachricht von der Festnahme des ehemaligen Chefs der Biotechnologiefirma ImClone Systems, Samuel Waksals, wegen angeblichen Insider-Handels.
Das Vertrauen in "Corporate America" geht nach der Festnahme Waksals weiter zurück. Erst vor wenigen Tagen war der ehemalige Konzernchef des Mischkonzerns Tyco der Verkaufssteuerhinterziehung bezichtigt worden. Die Tyco-Aktien setzten auch am Dienstag ihre Talfahrt fort.
Motorola für Nasdaq Gold wert
Für die Technologiebörse Nasdaq war die guten Nachrichten aus dem Hause Motorola ein rettender Strohhalm. Der weltweit zweitgrößte Hersteller von Mobiltelefonen hatte mitgeteilt, seine Umsatzprognose für das zweite Quartal entweder einzuhalten oder sogar zu übertreffen. Die Aktie zog um knapp neun Prozent an. "Die Motorola-Nachrichten haben natürlich auch andere Aktien beflügelt", sagte ein Händler in New York.
Nikkei schwach
Die Aktienbörse in Tokio hat am Donnerstag trotz der guten US-Vorgaben schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte 1,6 Prozent auf 11.144 Punkte ein. Händler sahen den Grund für die schwache Sitzung in dem Verfall von Optionen am Freitag. Bis dahin könne der Nikkei 225 auf 11.000 Punkte sinken.
Der Euro präsentierte sich am Donnerstag weiter über der 94-Cent-Marke. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch bei 0,9452 Dollar festgesetzt. Am Vormittag notierte die Währung bei 0,9403 US-Dollar.