Börse am Mittag Münchener Rück stürzt ab
Frankfurt am Main - Der Dax hat seine frühen Verluste ausgebaut und ist bis 11.15 Uhr um 2,6 Prozent auf 3589 Punkte gefallen. Mit einem Zählerstand von 3386 Punkten präsentierte sich der MDax rund 1,1 Prozent schwächer. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 um zwei Prozent auf 491 Zähler ab.
Der Dax baue die Kursgewinne der vergangenen Tage wieder ab, sagte ein Händler. Nun drohe der Fall in Richtung der nächsten Unterstützungslinie bei 3540 Punkten. Sollte diese Marke ebenfalls durchbrochen werden, könne der Händler keine Prognose mehr treffen. Ein weiterer Händler fügte hinzu: "Sollten die Zahlen zum US-Brutto-Inlandsprodukt auch noch mal unter den Erwartungen liegen, müssen wir uns hier warm anziehen."
Kurz vor dem US-Handelsauftakt heute werden die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt erwartet. Zudem gibt es neue Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe.
TUI führt nach Zahlen die Gewinnerliste an
Die kurze Gewinnerliste im Dax wurde angeführt von der TUI-Aktie , die um 1,3 Prozent auf 21,77 Euro stieg. Ab Anfang Dezember will TUI wie erwartet in den florierenden Billigflugmarkt einsteigen. Unter dem neuen Markennamen "Hapag-Lloyd Express" sollen ab dem Flughafen Köln/Bonn europäische und innerdeutsche Ziele angeflogen werden, teilte das Unternehmen bei der Vorlage der Halbjahresbilanz in Hannover mit.
Das Unternehmen hatte für das erste Halbjahr ein Ergebnis der Sparten von 117 Millionen Euro (Vorjahr: 347 Millionen Euro) bei einem Konzernumsatz von 9,3 Milliarden Euro (10,89 Milliarden Euro) ausgewiesen. Beobachter hatten mit einem Spartenergebnis von 51 Millionen bis 118 Millionen Euro bei einem Umsatz zwischen 8,3 und 9,69 Milliarden Euro gerechnet.
Münchener Rück schmiert ab
Negativ hat der Markt hingegen die Zahlen der Münchener Rück aufgenommen. Die Anteilsscheine hielten mit einem Abschlag von annähernd sieben Prozent auf 170,50 Euro die rote Laterne im Dax. Der weltgrößte Rückversicherer schließt nach Milliardenabschreibungen auf Aktienbestände wegen der schwachen Börsen im ersten Halbjahr weitere Schritte in diese Richtung nicht aus und verzichtet auf eine Ergebnisprognose für 2002. "Zwar ist die Rückversicherung bisher sehr gut verlaufen, doch kann das angesichts der Volatilität dieses Geschäfts noch nichts Entscheidendes für das Gesamtjahr aussagen", hieß es im Geschäftsbericht zum ersten Halbjahr 2002, den der Konzern am Donnerstag vorlegte. Zuvor waren die Münchener noch von einem Jahresüberschuss in Höhe von 1,7 Milliarden Euro vor Sonderposten ausgegangen.
Die Allianz-Aktie rutschte um 5,2 Prozent auf 128,50 Euro in den Keller. Der Versicherer hatte zuvor die Belastungen durch die Flutkatastrophe in Deutschland und Österreich bekannt gegeben. Händler hielten den Gesamtschaden für die Gruppe von bis zu 550 Millionen Euro für hoch. "Das ist ein bisschen mehr als die 300 Millionen Euro, die wir erwartet hatten", sagte ein Händler einer deutschen Großbank. Ein anderer sagte, der Schaden sei bereits in den Kurs der Aktie eingepreist - auch wenn er höher ausgefallen sei, als von Analysten erwartet. "Wir waren von der hohen Zahl etwas überrascht", sagte ein Analyst. Aber wenn man es auf die Zahl der Aktien umlege, ergebe sich lediglich ein Schaden von 2,26 Euro je Anteilsschein. Es sei einfach eine Frage der Stimmung, fügte er hinzu. "Ich denke nicht, dass deshalb die Prognosen gesenkt werden müssen."
Analystenkommentare belasten Infineon
Die Aktie des Speicherchip-Produzenten Infineon gab um annähernd fünf Prozent auf 11,20 Euro ab. Die Analysten von Morgan Stanley hatten zuvor ihr Kursziel von 23 auf 16 Euro gesenkt und sich sehr negativ zur Branche insgesamt geäußert. Zugleich verlor die Aktie des Komponenten-Herstellers Epcos um 3,4 Prozent auf 15,28 Euro. Händler sagten, die jüngsten Negativmeldungen von Intel und des kanadischen Telekomausrüsters Nortel hätten Hoffnungen auf eine kurzfristige Steigerung der Rentabilität der IT-Branche gedämpft. "Jetzt gibt es Ängste, dass Sun Microsystems die Markterwartungen nicht treffen wird", sagte ein Händler. Der Server-Hersteller legt an diesem Donnerstag Quartalszahlen vor.
Morgan Stanley kürzte nicht nur das Kursziel für Infineon, sondern erhöhte zugleich die Prognose für den Verlust pro Aktie im laufenden Geschäftsjahr von 0,95 auf ein Euro. Für 2003 senkten die Aktienexperten ihre Schätzung des Gewinns pro Aktie von 0,30 auf 0,04 Euro. Sie verwiesen auf die schwache PC-Nachfrage, die hinter den bisherigen Erwartungen zurückbleibe. Zudem entwickelten sich die Preise schlechter als von der Investmentbank prognostiziert. Neue Spekulationen darüber, dass der südkoreanische Speicherchip-Hersteller Hynix in der Lage sein könnte, im Alleingang zu überleben, zerstörten Händlern zufolge Hoffnungen auf eine kurzfristig schwächeres DRam-Speicher-Angebot. Die Branchenwebsite EBN hatte zuvor berichtet, die Deutsche Bank empfehle den Gläubigern des Unternehmens, auf Schulden in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar zu verzichten, um dessen Überleben zu sichern.
AWD auf Wachstumskurs
Die AWD-Aktie kletterte um über sechs Prozent auf 15,53 Euro und führte damit die Gewinnerliste im MDax an. Der Finanzdienstleister hat am Morgen seine Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt. Demnach erhöhten sich Umsatz und Gewinn zweistellig. Zuversichtlich zeigte sich der Konzern mit Blick auf das Gesamtjahr und hielt an den Jahresprognosen fest.
Mobilcom nach Zahlen im Plus
Am Neuen Markt kletterten die Anteilsscheine von MobilCom um 0,5 Prozent auf 6,53 Euro, obwohl der Mobilfunkanbieter weiterhin rote Zahlen schreibt. Im Einzelnen belief sich das Ergebnis im zweiten Quartal vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf minus 49,7 Millionen Euro nach minus 120,7 Euro im Vorquartal. Der Konzernverlust stieg von 116,4 Millionen Euro im 1. Quartal auf 172,8 Millionen Euro. Der Umsatz im zweiten Quartal betrug 520 Millionen Euro nach 514 Millionen Euro im ersten Quartal. Doch so schlecht die Zahlen auch sind - sie übertreffen die Erwartungen der Analysten.
Auch der angeschlagene Medienkonzern EM.TV steckt noch immer tief in den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr sei ein Fehlbetrag von 70,2 Millionen Euro angefallen, hieß es in einer Unternehmensmitteilung. Im Zuge des Schrumpfungsprozesses sank der Umsatz von 466,2 auf 94,3 Millionen Euro. Auf vergleichbarer Basis lag er im Vorjahreszeitraum bei 110,3 Millionen Euro. Auch unter Berücksichtigung des Verkaufs von Tochtergesellschaften verblieb somit ein Umsatzrückgang von 15 Prozent. EM.TV sieht aber Fortschritte, die operative Lage habe sich deutlich verbessert. Die Börse reagierte auf die Zahlen mit einem Abschlag von 2,6 Prozent auf 1,12 Euro.
Börsen in Tokio und New York schließen schwächer, Euro etwas fester
Wall Street bei schwachen Umsätzen unter Druck
Die amerikanischen Aktienbörsen haben am Mittwoch bei schwachen Umsätzen unter Druck gestanden. Der Dow-Jones-Index gab um 130,32 Zähler oder 1,5 Prozent auf 8694 Punkte nach. Der Nasdaq setzte seine Talfahrt der letzten Tage weiter fort und sackte kräftig um 33,40 Zähler oder 2,5 Prozent auf 1314 Punkte ab. Wegen des Feiertags in den USA am kommenden Montag sind viele Investoren und Händler bereits am Donnerstag in das letzte lange Wochenende dieses Sommers gestartet.
Der kanadische Netzwerker Nortel belastete die US-Börsen mit weiteren Massenentlassungen und pessimistischen Geschäftsprognosen. Hinzu kam die offizielle Anklage wegen Wertpapierbetrugs gegen Scott Sullivan, den Ex-Finanzchef des bankrotten Telekom-Unternehmens WorldCom .
Verkehrswerte wie die United-Airlines-Mutter UAL, der Aluminiumbranchenführer Alcoa , das Getränkeunternehmen Pepsi und der Mischkonzern Tyco International standen unter Druck. Philip Morris zogen nach einer Anhebung der Quartalsdividende um rund zehn Prozent kräftig an.
Tokios Börse unter Druck
Die Börse in Tokio hat am Donnerstag schwach geschlossen. Belastet unter anderem durch Abgaben bei Technologiewerten fiel der Nikkei-Index für 225 führende Werte kräftig um 146,59 Punkte oder 1,5 Prozent auf 9620 Punkte. Der breit angelegte Topix gab um 16,25 Punkte oder 1,7 Prozent nach und endete mit 937 Zählern.
Euro-Kurs leicht gestiegen
Der Euro präsentierte sich etwas fester. Gegen 11 Uhr kostete die Währung in Frankfurt 0,9859 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte am Mittwoch den derzeit gültigen Referenzkurs bei 0,9826 Dollar festgelegt.
In der vergangenen Nacht hatte der Euro-Kurs jedoch vorübergehend an Fahrt verloren. Experten führten dies auf den unerwartet starken Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex für August von 89,9 Punkte im Juli auf 88,8 Punkte zurück. Der Kurs der Gemeinschaftswährung hatte zunächst die Eintrübung des Ifo-Geschäftsklimas gut verkraftet. Später sei aber angesichts dieser Datenlage bei den Händlern die Sorge aufgekommen, dass die Euroraum-Wirtschaft weit weniger schnell wachsen könnte als bisher angenommen, hieß es. Für den heutigen Donnerstag gehen Devisenmarkt-Analysten davon aus, dass der Euro seinen bisher richtungslosen Kursverlauf fortsetzen wird.