Börse am Mittag: Nemax auf Jahrestief - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Nemax auf Jahrestief

Am Neuen Markt geht der Ausverkauf weiter. Auch Qualitätstitel wie Aixtron und Lambda Physik sind stark unter Druck. Im Dax hält die Talfahrt von Infineon, Siemens und Epcos an.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte standen gegen Mittag weiter im roten Breich. Während der Dax sein Minus auf ein halbes Prozent bei 5985 Punkten stabilisieren konnte, markierten die Wachstumswerte am Neuen Markt neue Tiefststände.

Der Nemax-50 stand gegen zwölf Uhr bei 1294 Zählern, ein Verlust von 4,3 Prozent. Der Index lag damit nur noch 50 Punkte über seinem Allzeittief. Der Nemax All Share hingegen hatte bereits ein neues Tief mit 1385 Punkten markiert: ein Abschlag von 3,4 Prozent. Positive Impulse waren gegen Mittag von den US-Börsen nicht zu erwarten. Das vorbörsliche Barometer der Technologiebörse Nasdaq stand mit 1,7 Prozent im Minus.

Marconi und ASM schockten mit Gewinnwarnungen

Die Technologiewerte waren nach Gewinnwarnungen des britschen Telekomzulieferers Marconi und des niederländischen Chipausrüsters ASML Lithography unter Druck geraten. "Im Moment ist alles auf Verkauf gestellt, zumindest im Technologiesektor", sagte ein Händler der SEB-Bank. "Die schlechten Meldungen reißen nicht ab." Besonders belastend für Infineon sei die Gewinnwarnung der niederländischen ASML, die in derselben Sparte tätig ist wie die Siemens-Tochter

Technologietitel führten erneut die Verliererliste im Dax an: Infineon büßten fast fünf Prozent auf 26,20 Euro ein, während Siemens 4,53 Prozent auf rund 68 Euro nachgaben. SAP rutschten um 1,74 Prozent auf 152,30 Euro ab. Die Epcos-Aktie wurde bei 60 Euro gehandelt, ein Minus von 3,50 Prozent. Die T-Aktie gab nach einer kurzen Aufwärtstendenz wieder stärker nach und stand zuletzt mit 1,44 Prozent bei 26,61 Euro im roten Bereich.

Anleger schichten in defensive Titel um

Wie bereits am Vortag standen Henkel-Aktien auf der Kaufliste der Anleger. Die Papiere des Düsseldorfer Konzerns gewannen bis zwölf Uhr um 2,29 Prozent auf 72,70 Euro. Umschichtungen von Degussa- in Henkel-Aktien hätten den Düsseldorfern Auftrieb gegeben, hieß es in Frankfurt. Hierbei habe es sich um einen Großkunden gehandelt.

Darüber hinaus verwiesen Händler auf die positiven Meldungen vom Mittwoch. Die geplante Expansion des Konsumgüter- und Chemiekonzerns in den USA und in Asien wirke sich nach wie vor beflügelnd auf den Kurs aus, sagte Klaus Tropschuh von der GZ Bank. Es könne auch sein, dass der näher rückende Verkauf der Chemiesparte Cognis und die Nennung eines potenziellen Käufers weitere Kursgewinne von ein bis zwei Prozent bringt, sagte Analystin Junpu Li von Delbrück Asset Management.

Neben Henkel reihten sich auch Versorgertitel unter die wenigen Gewinner ein: RWE legten um 1,24 Prozent auf 47,48 Euro zu, während Eon auf 61,72 Euro stiegen - ein Plus von 1,21 Prozent. Die Aktien profitierten vor allem von Umschichtungen aus dem Technologie-Bereich in defensivere Aktien, erklärte ein Händler.

Nach der Abschaffung der Doppelspitze beim Stahlkonzern ThyssenKrupp berät der Aufsichtsrat über weitere personelle Veränderungen. Es wird erwartet, dass der Vorstand von bislang neun auf sechs Mitglieder verkleinert wird. ThyssenKrupp-Vorstandschef Gerhard Cromme wird den bisherigen Aufsichtsratschef Heinz Kriwett zum 1. Oktober ablösen. Die Aktie notierte 1,14 Prozent stärker auf 15,95 Euro.

Die Aktien der T-Online AG waren zunächst im Plus gestartet, fielen zuletzt allerdings um 3,56 Prozent auf 8,95 Euro ab. Der Internetprovider setzt auf dem Weg zur Profitabilität anscheinend bald auf "nackte Tatsachen". Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" prüft der Chef des hoch defizitären Internetdienstleisters, Thomas Holtrop, die Aufnahme von erotischen Inhalten. "Mit Erotik kann man Geld verdienen. Das ist ein lukratives Angebot, welches wir für uns sehr genau analysieren", sagte Holtrop.

Unterdessen gräbt Telekom-Chef Ron Sommer, zugleich T-Online Aufsichtsratschef, dem Internetprovider Kunden ab. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in der Donnerstagsausgabe berichtete, geht es dabei um eine Million Geschäftskunden. Während T-Online angekündigt habe, für seine Geschäftskunden neue Angebote zu entwickeln, biete die Telekom-Sparte T-Com seit dem 1. Juli einen schnellen Internetzugang an, der genau dieser Zielgruppe entspreche.

Aixtron markiert neues Jahrestief

Die Aktien der Aixtron AG haben die seit Tagen andauernde Talfahrt auch am Donnerstag fortgesetzt. Die Titel fielen um zuletzt 7,89 Prozent auf 24,40 Euro und unterschritten damit klar ihr bisheriges Jahrestief von 26,30 Euro.

"Für den Kursverfall ist immer noch die Studie des Bankhauses Julius Bär verantwortlich", sagte ein Händler in Frankfurt. Diese hätten Aixtron in der letzten Woche auf "Verkaufen" herabgestuft, nachdem einige Aixtron-Kunden Gewinnwarnungen herausgegeben hatten, sagte er. "Seit Tagen sehen wir hier größere Verkäufe". Wenn man unbedingt aus einem Wert herauswolle, so bedeute dies in einem so schwachen Markt stark sinkende Kurse.

Die Aktien der Lambda Physik AG zählten zu den größten Verlierern im Nemax-50. Die Anteilsscheine des Unternehmens gaben rund 15 Prozent auf 43 Euro ab. "Da will jemand unbedingt aus der Aktie raus", begründete ein Händler in Frankfurt den Kurssturz. Fundamental seien keine Gründe für einen Verkauf sichtbar. Der Umsatz sei gegenüber den Vortagen in dem schwachen Marktumfeld sehr hoch.

Die Pixelnet AG will mit Amazon.de. zusammenarbeiten. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde dies in einer Absichtserklärung formuliert. Pixelnet ist nach eigenen Angaben Technologieführer im Bereich der e-Photography. Künftig sollen die internet-basierten fotografischen Dienstleistungen von Pixelnet in die Portale von Amazon.de eingebunden werden. Die Aktien des im Nemax All Share notierten Unternehmens verteuerten sich zuletzt um 6,21 Prozent auf 4,62 Euro. Pixelnet hatte erst kürzlich einen Zusammenarbeit mit dem US-Computerkonzern Hewlett Packard angekündigt.

Die Aktie der im ebenfalls im marktbreiteren Nemax All Share notierten Curasan AG legte um mehr als 17 Prozent auf 5,75 Euro zu, nachdem das Unternehmen die europaweite Zulassung seines Knochenaufbaumaterials gemeldet hatte. Cerasorb sei für Einsatz im gesamten Skelettsystem zugelassen, teilte das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung mit. Die Aktie war damit stärkster Wert am gesamten Neuen Markt. Zocker trieben die Papiere von Kabel New Media mit rund neun Prozent auf 0,73 Euro ebenfalls in die Spitze des Nemax All Share. Kabel hatte in dieser Woche Insolvenzantrag gestellt.