Börse am Mittag Niemand will mehr MobilCom
Frankfurt am Main Der Dax hat seine frühen Gewinne wieder abgeben müssen und schwankte bis zum Mittag stark. Um 12 Uhr notierte der deutsche Leitindex auf 3499 Punkten, ein Plus von 0,1 Prozent. Der MDax präsentierte sich nahezu unverändert auf 3251 Zählern. Am Neuen Markt wurde der Nemax 50 von einem Kursrutsch des Mobilfunkanbieters Mobilcom belastet und verlor leicht auf 447 Punkte.
"Die Anleger sind einfach nervös und sobald es einen kleinen Trend bei einer Aktien oder einem Sektor gibt, hat niemand den Mut, sich dagegen zu positionieren", sagte ein Händler. Die Umsätze seien erwartungsgemäß dünn, weil sich die Anleger aus Sorge vor neuen Anschlägen stark zurückhielten. "Ein kurzfristiger Rückfall auf die alten Tiefstände von knapp über 3200 Punkten ist weiter denkbar", fügte der Börsianer hinzu. "Der Markt wird den Tag möglichst schmerzfrei überstehen wollen", schätzte ein Händler in Frankfurt die Situation ein.
Am 11. September 2001 waren Börsianer von den Terroranschlägen überdurchschnittlich stark und unmittelbar betroffen. Zahlreiche Marktteilnehmer hatten ihre Büros zu diesem Zeitpunkt im World Trade Center. An der Deutschen Börse wird um 14.46 Uhr mit einer Schweigeminute zum Zeitpunkt des ersten Einschlags in das World Trade Center gedenken.
Die US-Märkte werden heute erst gegen 17 Uhr (MESZ) eröffnen. Damit soll den Börsianern die Gelegenheit gegeben werden, an den zahlreichen Gedenkveranstaltungen teilzunehmen. Die Wall Street wartet auf die geplante Rede von US-Präsident George W. Bush vor den Vereinten Nationen und auf eine Kongressanhörung mit Notenbankchef Alan Greenspan.
Sollten Terroranschläge heute Ausbleiben könnten im späten Handel nach Meinung von Marktbeobachtern die Kurse deutlich anziehen. Diese Art der "Erleichterungs-Rallye" habe man bereits am 4. Juli, den Nationalfeiertag der USA, beobachten können, hieß es.
MobilCom-Aktie schmiert ab
Am Neuen Markt stürzten die Anteilsscheine von MobilCom zeitweise um mehr als 60 Prozent auf ein Rekordtief von 1,78 Euro ab, erholten sich im weiteren Verlauf aber wieder leicht. Börsianer sagten, der mögliche Rückzug des Großaktionärs France Télécom schüre am Markt Ängste vor einer Pleite des deutschen Mobilfunkkonzerns. "Eine Insolvenz ist auf Grund einer vermutlichen Abschreibung auf die UMTS-Lizenz sowieso kaum noch vermeidbar", sagte SES Research-Analyst Klaus Baumann. "Wenn sich die France Télécom zurückziehen sollte, wird es auf jeden Fall dazu kommen."
France Télécom hatte bereits zuvor milliardenschwere Abschreibungen auf seine 28,5 Prozent-Beteiligung an MobilCom vorgenommen. "Nach den Abschreibungen ist der Rückzug jetzt wohl der letzte Ausweg", sagte ein zweiter Händler. "Ich nehme an, dass auch politischer Druck auf die France Télécom ausgeübt wurde." Immerhin sei der französische Staat mit einer Beteiligung von 54 Prozent Mehrheitsaktionär der Telefongesellschaft. "Die Aktie dürfte sich damit wohl in Richtung Penny-Stock bewegen", prognostizierte er die weitere Kursentwicklung. Verglichen mit ihrem Höchstkurs, den die Aktie am 21. März 2000 bei 210 Euro markierte, wäre das ein Verlust von mehr als 99,5 Prozent.
Münchener Rück profitiert von Analystenstimmen
Im Dax kletterte die Aktie der Münchener Rück um 0,8 Prozent auf 175,39 Euro. Die UBS Warburg hat Händlern zufolge die Beobachtung des Titels mit dem Rating "Kaufen" aufgenommen. Zugleich bezifferten die Analysten das Kursziel mit 210 Euro.
Die T-Aktie präsentierte sich ebenfalls 0,8 Prozent fester auf 10,60 Euro. Händler konnten den Auslöser für den Kursaufschwung jedoch nicht fest einordnen. "Dass die Telekom ihre Netzaufbau-Investitionen dieses Jahr unter acht Milliarden Euro drücken will, ist ein zweischneidiges Schwert", sagte ein Marktteilnehmer. Zuvor hatte das "Handelsblatt" einen Insider zitiert mit der Aussage: "Bei jeder Tochtergesellschaft wird überlegt, ob Investitionen in den Netzausbau um ein oder zwei Jahre verschoben oder ganz gestrichen werden können." Für den geplanten Schuldenabbau sei das positiv, "aber ohne Investitionen in den Netzaufbau lassen sich auch keine Fortschritte erzielen." Dennoch könnten die positiven Impulse überwiegen und potenzielle Leerverkäufer dazu zwingen, die Aktie zurückzukaufen, spekulierte ein zweiter Händler.
Die angekündigte Liberalisierung der Ortsnetze sei dagegen "kein großes Problem für die Telekom". In den Ortsnetzen soll ab dem ersten Dezember das sogenannte "call-by-call"-System eingeführt werden, bei dem sich der Anrufer vor jedem Gespräch entscheiden kann, über welchen Anbieter er sein Telefonat fühlen will. "Die Grundgebühren wird die Telekom weiterhin bekommen, einzig die Gesprächsgebühren könnten an andere Anbieter gehen", sagte ein weiterer Aktienhändler. "Es wird letztlich darauf ankommen auf welchem Niveau die Regulierungsbehörde die Preise festlegen wird, zu denen die Telekom-Konkurrenten die Minuten einkaufen können." Durch die Grundgebühren bleibe der Telekom allerdings eine wichtige Einnahmequelle erhalten.
Chemiewerte unbeeindruckt von Branchen-Nachrichten
Nachrichten über die Entwicklung der Chemiebranche im laufenden und kommenden Jahr haben die Aktienkurse der Unternehmen kaum beeinflusst. Die Aktien des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer legten um 0,6 Prozent auf 21,89 Euro zu. BASF-Papiere - seit neuestem auch im Dow Jones Stoxx 50 notiert - gewannen 0,5 Prozent auf 41,10 Euro dazu. Anteilscheine des Spezialchemiekonzerns Degussa kletterten um 0,3 Prozent auf 29,75 Euro und die Aktien von Europas führendem Waschmittelhersteller Henkel gaben 0,3 Prozent auf 67,95 Euro nach.
"Die Nachrichten über die Chemiebranche sind nicht neu, sondern nur bestätigt worden", sagte zudem Analyst Michael Butscher von der Bayerischen Landesbank. "Sobald sich das wirtschaftliche Umfeld verbessert, profitieren die frühzyklischen Werte und damit auch die Chemie-Aktien als erste, da diese Unternehmen eine Verbesserung der Auftragslage schnell zu spüren bekommen." Verschlechtere sich hingegen die Situation, wirke sich das ebenfalls rasch aus - allerdings in die umgekehrte Richtung.
Der Verband der Chemischen Industrie hatte mitgeteilt, dass 2002 der Umsatz in der Chemiebranche stagnieren werde. Allerdings habe sich die Stimmung in der Branche gewandelt und sei inzwischen "verhalten optimistisch". Besonders erfreulich sei die Entwicklung des Chemie-Exportgeschäfts, das in der zweiten Jahreshälfte wieder stärker an Fahrt gewinnen werde.
Terrorängste und Irak-Sorgen überschatten Wall Street
Der Dow-Jones-Index stieg am Dienstag um 83,23 Zähler oder ein Prozent auf 8602 Punkte. Der Nasdaq legte um 15,49 Zähler oder 1,2 Prozent auf 1320 Punkte zu.
Der Dow hatte am 10. September vergangenen Jahres, am Vorabend der Zerstörung des World Trade Center, mit 9605 Punkten geschlossen. Dann waren die US-Börsen wegen der Terrorattacken bis 17. September 2001 geschlossen geblieben. Sie hatten anschließend nach Wiedereröffnung starke Kursverluste verbucht. Der Dow war am ersten Tag des Handels um 684,80 Zähler auf 8920 Punkte abgesackt.
Einzelhandelsaktien waren am Dienstag gesucht, während Bankwerte unter Druck standen. Die Aktien des Lebensmittel-Herstellers Heinz fielen nach Vorlage der Quartalsergebnisse. Die Biotechfirma Genentech wies Kursverluste auf. Rüstungsaktien konnten sich teilweise verbessern.
Nikkei setzt Erholung fort
Die Aktienbörse in Tokio hat sich am Mittwoch weiter erholt. In Folge der erneut positiven Vorgabe der Wall Street und der Abschwächung des Yen zum Dollar stieg der Nikkei-Index für 225 führende Werte um 90,77 Punkte oder ein Prozent und schloss mit 9400 Zählern. Der breit angelegte Topix verbessert sich um 4,49 Punkte oder 0,5 Prozent und endete beim Stand von 917 Zählern.
Euro verharrt unter 0,98 Dollar
Der Kurs des Euro hat sich am Mittwoch im frühen Handel kaum verändert. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 9 Uhr 0,9754 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag bei 0,9760 (Montag: 0,9794) Dollar festgesetzt.