Börse am Mittag "Panikartige Verkäufe"
Frankfurt am Main - Zum Wochenausklang setzte an den deutschen Aktienmärkten ein dramatischer Ausverkauf ein. "Das sind schon panikartige Verkäufe", sagte ein Händler. Das Motto auf dem Parkett war eindeutig: Raus aus den Märkten.
Der Dax gab bis 14.30 Uhr um 6,8 Prozent auf 3552 Punkte nach. Zuvor wurde schon ein Tagestiefststand bei 3539 Zählern markiert. Am Neuen Markt rutschte der Nemax 50 erneut auf ein Rekordtief. Der Auswahlindex verlor 11,8 Prozent auf 660 Zähler. Charttechnische Unterstützungslinien seien auf diesem Niveau eigentlich nicht mehr existent, sagten Händler.
Eine Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht. Eine Stunde vor Handelsbeginn notierten der Nasdsaq- und der S&P-Future mit über drei Prozent im Minus und deuteten eine schwache Eröffnung ab.
Marktbeobachter verwiesen auf die erneute Gewinnwarnung des Versicherungsriesen Allianz . Der Konzern hatte am Morgen zum zweiten Mal nach den US-Terroranschlägen vor niedrigeren Erträgen gewarnt. Die Belastungen durch die Attentate werden nun auf 1,7 Milliarden Euro geschätzt. Zuvor ging die Allianz von 700 Millionen Euro aus. Die Börse quittierte die neuen Zahlen mit einem Kursabschlag von über acht Prozent auf 200,23 Euro. Die Aktie der Münchener Rück verlor ebenfalls deutlich und notierte 5,8 Prozent schwächer auf 224,25 Euro.
Der hohe Verkaufsdruck, unter dem viele andere Aktien litten erkläre sich auch aus Großverkäufen der Versicherungen, hieß es am Markt. Sie müssten nun versuchen, die Mittel für die Schadenszahlungen aufzubringen. Zudem habe am heutigen Freitag wieder der dreifache Verfallstermin angestanden, und der am Morgen veröffentlichte Ifo-Geschäftsklimaindex sei eher enttäuschend ausgefallen.
Zudem sorgte der Verfall von Index-Futures und -Optionen für überdurchschnittlich hohe Umsätze. Am Freitag ist der so genannte "dreifache Hexensabbat", an dem sowohl Aktien- und Indexoptionen als auch Futurekontrakte an der Terminbörse Eurex verfallen. Auf dem elektronischen Handelssystem Xetra werden dabei in der Mittagsauktion als auch in der Schlussauktion die relevanten Settlementpreise ermittelt.
SAP unter 100 Euro
Die Titel der Softwareschmiede SAP sind unter die psychologisch wichtige Marke von 100 Euro gefallen. Das Papier gab annähernd zehn Prozent auf 92 Euro nach. Am Vortag konnten sich die Anteilsscheine noch gut behaupten, aber nun würde die generelle Unsicherheit am Markt auch die Softwarefirma erfassen, sagte ein Händler.
Deutlich unter Druck stand Degussa . Die Aktie des Chemiekonzerns verlor zwischenzeitlich zehn Prozent, reduzierte ihre Verluste im Handelsverlauf aber auf minus 5,2 Prozent bei 21,53 Euro. Am Morgen dementierte die Bayer-AG einen Medienbericht und teilte mit, sie würde voraussichtlich nicht den von Eon zur Disposition gestellten Degussa-Anteil kaufen.
Gegen den Abwärtssog konnten sich am Nachmittag nur die Titel von Preussag (plus fünf Prozent auf 20,15 Euro), Volkswagen (plus 2,1 Prozent auf 33,64 Euro) und Adidas (plus 1,3 Prozent auf 48,31 Euro) stemmen. Größter Verlierer war die Aktie von Henkel (minus 10,1 Prozent auf 58,51 Euro).
Neuer Markt auf Rekordtief
Der Neue Markt ist am Freitag sofort nach Börsenstart noch einmal regelrecht abgestürzt. "Es herrscht ein intakter Abwärtstrend, der sich beschleunigt hat", sagte ein Händler. "Der Nemax 50 ist nach unten offen. Die 700er Marke hat nur eine psychologische Wirkung. Der Abwärtssog ist aber diesmal stärker als das Psychologische." Zudem seien die US-Vorgaben nicht günstig.
Besonders hart traf es Qiagen mit einem Verlust von 30 Prozent auf 10,60 Euro. Das Biotechnologieunternehmen hatte am Donnerstagabend eine Gewinnwarnung ausgegeben. Aufgrund der Terroranschläge in den USA konnte der wichtige US-Markt nicht fristgerecht beliefert werden, hieß es.
Auch Consors musste Federn lassen und notierte bei 6,30 Euro mit einem Minus von 17,7 Prozent. Deutlich im Minus notierten auch Aixtron , SCM Microsystems , DAB-Bank und Morphosys .